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In einem Rad der Belgierin Femke van den Driessche wurde bei der Cross-WM ein Elektromotor entdeckt. Die 19-Jährige behauptet, es handele sich nicht um ihr Rad.
In einem Rad der Belgierin Femke van den Driessche wurde bei der Cross-WM ein Elektromotor entdeckt. Die 19-Jährige behauptet, es handele sich nicht um ihr Rad.(Foto: imago/Belga)

Extra-Watt per Felgenmotor: Radsport-Experte warnt vor Technik-Doping

Doping im Radsport, dabei ging es bislang primär um verbotene Substanzen. Ein anonymer Experte behauptet nun, Technik-Doping sei weitaus effizienter und weit verbreitet - und mache Durchschnittsfahrer zu Superman. Doch Zweifel sind angebracht.

Technik-Doping im Radsport ist effizienter als ein gedopter Fahrer im Sattel: Diese Meinung vertrat ein namentlich nicht genannter Experte am Tag nach den Vorfällen bei der Cross-WM im Gespräch mit der italienischen Tageszeitung "Gazzetta dello Sport". "Man kann im Radsport mehr mit Elektronik als mit Chemie bewirken, und das mit deutlich weniger Schäden für die Gesundheit", zitierte die "Gazzetta" ihren Informanten.

Das Equipment sei im Hinterrad versteckt, koste bis zu 200.000 Euro und könne mithilfe einer Fernbedienung aktiviert werden. Der Mechanismus erzeuge bis zu 60 Watt. "Das genügt, um einen durchschnittlichen Radprofi in Superman zu verwandeln", heißt es in der "Gazzetta". Allein im vergangenen Jahr, so der ungenannte Informant, habe er 1200 solcher Geräte verkauft. Angeboten werden Räder, in denen der Motor bereits eingebaut sei. Der Käufer könne Struktur, Maß, Farbe und Motortyp wählen. Der Mechanismus sei im Inneren der Hinterradfelge versteckt.

"Das System ist so perfekt ins Rad integriert, dass die Fahrer oft gar nicht begreifen, dass sie von einem Motor angetrieben werden", verriet der Informant: "Oft denken sie, dass sie einfach einen tollen Tag erwischt haben." Es genüge, die Leistungskurve einiger Radprofis zu beobachten, um festzustellen, wer mit Technik-Doping unterwegs sei.

Bringt es im Profisport was?

Bei der Cross-WM in Zolder war das Rad der Belgierin Femke van den Driessche nach dem U23-Rennen am Samstag wegen eines verbotenen Hilfsmotors beschlagnahmt worden. Die 19-jährige van den Driessche bestritt, von dem Motor Kenntnis gehabt zu haben. Der Kampf gegen Technik-Doping steht beim Weltverband UCI bereits länger auf der Agenda. Im Vorjahr waren bei Straßenrennen wie der Tour de France oder dem Giro d'Italia unangekündigte Tests durchgeführt worden. Ein auffälliges Ergebnis gab es bislang jedoch nicht.

2010 war der mehrfache Schweizer Zeitfahr-Weltmeister und Klassiker-Spezialist Fabian Cancellara durch ein YouTube-Video mit dem Vorwurf konfrontiert worden, Paris - Roubaix und die Flandernrundfahrt mithilfe eines verbotenen Motors gewonnen zu haben. Der Schweizer bestritt jede Manipulation. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" urteilte damals nach Rücksprache mit einem Hersteller ultraleichter Fahrradmotoren: Dem Profisport bringt das nichts.

So würden Radprofis wie Cancellara minutenlang 500 Watt treten, bei Sprints sogar bis zu 1400 Watt. Ob die 60 Extra-Watt, von denen der anonyme "Gazzetta"-Experte spricht, tatsächlich den "Superman"-Effekt haben können, sind deshalb umstrittenen. Die Kontrollen der UCI zeigen allerdings, dass der Weltverband das Thema sehr ernst nimmt. Und: Die kolportierten Preise von bis zu 200.000 Euro sind allein im Profibereich zahlbar.

Quelle: n-tv.de

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