Sonntag, 10. Januar 2010
Bundesliga-Trainer im Visier : Referees wollen durchgreifen
Erhitzten Trainern geht es künftig schneller an den Kragen: Schiedsrichter-Boss Roth kündigt für die Bundesliga-Rückrunde eine härtere Gangart bei schlechtem Benehmen an.
Die Schiedsrichter geben einen "Warnpfiff" ab.
(Foto: picture-alliance/ dpa)
Die Trainer der deutschen Profi-Vereine stehen mit Beginn der Bundesliga-Rückrunde unter verschärfter Beobachtung. "Es darf nicht sein, dass Trainer die Zuschauer durch Gesten aufhetzen", sagte Volker Roth, der Vorsitzende des Schiedsrichter-Ausschusses im Deutschen Fußball-Bund (DFB), bei der Halbzeittagung der Unparteiischen in Mainz. "Wir haben deutliche Worte gefunden, besonders der vierte Offizielle trägt hier eine hohe Verantwortung. Es gibt deutliche Anweisungen", meinte Roth.
Seinen "Pfeifenmännern" stellte der 67-Jährige nach der Hinrunde ein ordentliches Zeugnis aus. "Wir können mit der Bilanz zufrieden sein. Falsche Entscheidungen gibt es immer. Diesmal kamen sie früh in der Saison. Danach gab es keine gravierenden Fehler mehr", so Roth.
In Zukunft setzt er verstärkt auf den Nachwuchs um Michael Kempter (Sauldorf), der mit 26 Jahren kürzlich in den Elitekreis der FIFA- Schiedsrichter berufen wurde. Erstmals waren deshalb in Mainz auch die 22 Referees der 3. Liga dabei, denn die zwischen 22 und 30 Jahre alten Eleven sollen einmal die etablierten Schiedsrichter ersetzen. Bis dahin müssen sie sich auf dem Platz und als vierte Offizielle beweisen. "Es ist gut, dass wir die mal kennenlernen", meinte FIFA-Schiedsrichter Felix Brych aus München.
Jeder macht Fehler
Kempters Weg soll Ansporn sein für die 165 Schiedsrichter im Nachwuchskader. Seit vier Jahren pfeift er bereits in der Bundesliga, im Vorjahr rückte er als Nachfolger von Herbert Fandel (Kyllburg) in den FIFA-Kreis auf. "Man muss Vertrauen in die jungen Schiedsrichter haben, auch wenn sie mal Fehler machen", sagte Manfred Amerell (München), der im Schiedsrichter-Ausschuss die Nachwuchsarbeit betreut.
Fandel, der nach dem Karriereende als kooptiertes Mitglied im Ausschuss nahtlos ins Funktionärswesen wechselte, soll beim DFB- Bundestag im Herbst Roth auf dem Chefsessel des Schiedsrichter-Bosses folgen. In Mainz formulierte er schon mal seinen Anspruch an die jungen Referees. "Das äußere Erscheinungsbild ist ein wesentlicher Bestandteil bei der Beurteilung der Schiedsrichter. Wie sie die Regelkunde in Kommunikation mit dem Spieler umsetzen, ist immer wieder entscheidend für die Atmosphäre auf dem Platz. Deshalb wird dem Thema Körpersprache von uns eine große Bedeutung beigemessen", sagte Fandel.
Der Leiter einer Musikschule war auch dabei, als die Unparteiischen in Wort und Bild geschult wurden. "Wichtig ist eine einheitliche Regelauslegung", erklärte Lehrwart Eugen Strigel. Er hatte 42 knifflige Szenen aus den Bereichen Abseits, Foul- und Handspiel zusammengestellt und ließ ausführlich darüber diskutieren. Gute Erfahrungen machten die Schiedsrichter mit dem seit dieser Saison eingesetzten Head-Set. "Die Kommunikation im Team wird erleichtert", meinte Brych. Zudem wird Deutschland weiter das einzige Land bleiben, in dem sich Schiedsrichter nach den Spielen auch zu strittigen Situationen äußern dürfen. "Die FIFA will das nicht. Bei uns kann sich jeder entscheiden, ob er etwas sagen will", erklärte Roth.
Detlef Rehling, dpa
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