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Der Fußball gönnt sich bislang recht spärliche Dopingkontrollen.
Der Fußball gönnt sich bislang recht spärliche Dopingkontrollen.(Foto: imago sportfotodienst)
Mittwoch, 07. August 2013

DOSB unter Druck, Fußball in Zugzwang: Ruf nach Anti-Doping-Gesetz wird lauter

Die Dopingstudie wirkt: Immer mehr Funktionäre und Sportler fordern ein Anti-Doping-Gesetz, das der DOSB ablehnt. Auch der Fußball gerät in den Fokus. Dort sollen Blutkontrollen eingeführt werden. Ex-Sprinter Manfred Ommer sagt: "Natürlich wird auch im Fußball gedopt."

Die Forderungen nach einem Anti-Doping-Gesetz werden immer lauter, und auch der Fußball gerät mehr und mehr in Zugzwang. Am zweiten Tag nach der Teil-Veröffentlichung der brisanten Studie über die Doping-Praktiken in der Bundesrepublik sah sich DOSB-Präsident Thomas Bach erneut gezwungen, etwas über seine eigene Athleten-Vergangenheit zu sagen. "In meiner aktiven Zeit war im Fechten Doping kein Thema. Ich habe aber Anfang der 80er Jahre in anderen Sportarten die Thematik erkannt und lebenslange Sperren gefordert", erklärte der Fecht-Olympiasieger von 1976 in Berlin.

Bach hat sich bisher auch stets gegen ein Anti-Doping-Gesetz ausgesprochen. Genau das müsse aber her, fordern immer mehr Athleten und Funktionäre. Diskus-Olympiasieger Robert Harting, Rudolf Scharping, Boss des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) und Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) machten sich für ein entsprechendes Gesetz stark. "Die Ergebnisse zeigen, dass die Forderung nach einem Anti-Doping-Gesetz berechtigt ist", sagte auch Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin.

Dopinggerüchte und -indizien gibt es im Fußball seit Jahrzehnten. Strenge Kontrollen soll jetzt erst eingeführt werden.
Dopinggerüchte und -indizien gibt es im Fußball seit Jahrzehnten. Strenge Kontrollen soll jetzt erst eingeführt werden.

Sogar der Fußball, der den Anti-Doping-Kampf bisher eher stiefmütterlich behandelt hatte, nimmt sich des Themas notgedrungen an und will die längst überfällige Einführung der Blutkontrollen umsetzen. Eine Maßnahme, die im Radsport, Skisport oder in der Leichtathletik seit Jahren fester Bestandteil des Kontrollsystems ist. Ähnlich rückständig wie der Fußball sind bislang nur die Schwimmer.

Regierung bestreitet Geschichtsfälschung

Unter Druck geraten sind Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Die Bundesregierung wies derweil Vorwürfe der Fälschung der westdeutschen Dopinggeschichte zurück. Es seien keine Akten mehr vernichtet worden, nachdem die derzeit für heftige Debatten sorgende Dopingstudie 2008 in Auftrag gegeben worden sei, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums.

Nach der Offenlegung des gekürzten Abschlussberichts durch das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) wird die auch von den Berliner Forschern erhobene Forderung nach einem strikten Anti-Doping-Gesetz in Deutschland immer lauter. Der Fußball hatte sich jeder Doping-Diskussion in der Vergangenheit oft entzogen. Doch nach den Erkenntnissen der Studie oder auch des Anti-Doping-Berichts des französischen Senats vor gut zwei Wochen ist eine derartige Abwehrhaltung des unangenehmen Themas kaum mehr zu vermitteln. Die bevorstehende Einführung der Blutkontrollen wird bei DFL und DFB als bahnbrechende Neuerung gefeiert. Unterschrieben ist der Vertrag mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) aber noch nicht.

Keine Zweifel an Fußballdoping

"Es ist das richtige Zeichen, dass wir schon vor den Ereignissen beschlossen haben, ab der neuen Saison Blutkontrollen einzuführen", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig ergänzte: "Wir wollen uns öffnen und strengere Kontrollen durchführen, obwohl wir keine Indizien dafür haben." Zum Saisonstart werden die neuen Tests noch nicht implementiert sein, sagte DFL-Präsident Reinhard Rauball: "Die Gespräche zwischen DFB und NADA laufen noch. Wir hoffen,  dass die Tests im Laufe der Saison zum frühestmöglichen Termin  starten können."

Rettig glaubt ohnehin nicht an ein Dopingproblem im Fußball, ungeachtet der erhobenen Vorwürfe eines Ephedrinmissbrauchs von Fußball-Nationalspielern bei der WM 1966. Glaubt man Franz Beckenbauer, sind die Anschuldigungen völlig aus der Luft gegriffen: "1966 wussten wir noch gar nicht, was Doping war. Es gab auch keine Kontrollen, soviel ich weiß. Mich hat jedenfalls keiner aufgefordert, irgendwo reinzupinkeln."

Über solche Aussagen kann der frühere Sprintmeister Manfred Ommer, der von 1986 bis 1994 Präsident des zwischenzeitlichen Bundesligisten FC 08 Homburg war, nur müde lächeln. "Natürlich wird auch im Fußball gedopt. Da habe ich überhaupt keine Zweifel. Der DFB hat das zumindest zu der Zeit, als ich Präsident war, recht lasch gehandhabt", sagte der frühere Leichtathlet im ZDF- "heute journal". Ommer, der deutscher Meister über 100 und 200 Meter war, hatte bereit 1977 Doping gestanden.

Im selben hatte Beckenbauer übrigens im "Stern" gefordert: "Es ist längst an der Zeit, dass sich der Internationale Fußballbund nicht nur bei der Weltmeisterschaft um das Problem Doping kümmert."

Quelle: n-tv.de

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