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"Kleine Rampensau" mit Rasenallergie: Sabine Lisicki begeistert Wimbledon

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Sabine Lisicki, wie sie auf dem Heiligen Rasen von Wimbledon lacht. (Foto: REUTERS)

Sabine Lisicki, wie sie auf dem Heiligen Rasen von Wimbledon lacht.

Sabine Lisicki, wie sie auf dem Heiligen Rasen von Wimbledon lacht.

Und weint.

Oder beides gleichzeitig tut: So kennt Deutschland die blonde Tennisspielerin, die gerade das Finale beim Rasen-Grand-Slam in London erreicht hat.

Ansonsten kennt Deutschland die Tennisspielerin Sabine Lisicki eher schlecht.

Es ist ja nicht das ganze Jahr über Wimbledon und abseits des Rasenbelags ist Lisicki zwar immer noch eine der besten Tennisspielerinnen des Landes.

Aber sie ist nicht so konstant herausragend wie fast jedes Jahr beim Grand-Slam-Klassiker an der Church Road, wo sie im Achtelfinale mit ihrem Dreisatzsieg über die unbesiegbar scheinende Serena Williams (USA) für die größte Sensation im laufenden Turnier sorgte.

Und wo sie nun gegen die Estin Kaia Kanepi scheinbar mühelos ins Halbfinale einzog.

6:3, 6:3 in gerade einmal 65 Minuten - das weckt Titelträume bei deutschen Tennisfans.

Und dann der Wahnsinns-Fight gegen die Polin Agnieszka Radwanska im Semifinale. Über Minuten steht das Match Spitz auf Knopf.

Bis Lisicki der entscheidende Ball gelingt, der sie in Verzückung und die Polin in Verzweiflung versetzt.

Grund genug, Sabine Lisicki etwas näher kennenzulernen.

Geboren wurde Sabine Lisicki am 22. September 1989 in Troisdorf. Im Alter von zwölf Jahren zog sie mit ihren Eltern nach Berlin, zu diesem Zeitpunkt spielte sie bereits fünf Jahren Tennis.

Trainiert wurde sie zunächst von ihrem Vater Richard, einem Sportwissenschaftler, der auch ihre Karriere plante. Die nahm ab 2005 Fahrt auf, als Lisicki im Alter von 15 Jahren eine Wildcard für die German Open erhielt.

Dort besiegte die Nr. 979 der Weltrangliste unter anderem die damalige Nr. 2 des Doppel-Rankings, Cara Black – und merkte, was für ein "geniales Gefühl" es ist, auf großen Plätzen spielen zu dürfen.

Der "FAZ" sagte Lisicki später rückblickend: "Ich wusste sofort, dass es genau das ist, was ich will." Die "FAZ" sagte über Lisicki: "Es gibt Tenniskarrieren, die gründen sich auf Hoffnung; der Hoffnung, mithalten zu können auf der Profitour und sich dabei ein einträgliches Einkommen zu sichern. Sabine Lisicki macht Karriere aus Überzeugung."

Aus Überzeugung ging Lisicki im selben Jahr auch in die USA, in die Tennisakademie von Nick Bollettieri in Florida, in der sich einst auch Tommy Haas den letzten Schliff für die Profikarriere holte.

Dort legte sie die Grundlagen für ihr Powertennis aus starken Grundschlägen ...

... und einem der härtesten Aufschläge auf der Frauentour, der ihr in englischen Medien den Spitznamen "Doris Becker" eingebracht hat ...

... und auch im laufenden Turnier schon ausgiebig zu bewundern waren.

Ihr Debüt auf der Profitour gab Lisicki im Jahr 2006, nennenswerte Erfolge gab es aber erst 2008.

Sie knackte die Top 100 der Weltrangliste und erreichte in Taschkent ihr erstes Profifinale. Das verlor sie zwar. In der Weltrangliste machte sie dennoch einen Sprung auf Rang 50.

Von sich reden machte Lisicki auch bei den Australian Open, wo sie nicht nur die dritte Runde erreichte, sondern bekannte: "Mein Ziel ist die Nr. 1."

Eine forsche Ansage.

Aber dazu steht die "kleine Rampensau" (Fedcup-Teamchefin Barbara Rittner), die auf den ganz großen Plätzen wie Wimbledons Centre Court ihr bestes Tennis zeigt, noch heute.

Dafür gibt die "verdammt harte Arbeiterin" (Nick Bollettieri) in Spiel und Training alles.

Damit hat es trotz Lisickis unbestrittenem Talent noch nicht geklappt.

Dem ersten Turniersieg auf der WTA-Tour 2009, als sie in Charleston trotz prominenter Gegnerinnen wie Venus Williams und Marion Bartoli ohne Satzverlust blieb, …

… folgten bislang nur zwei weitere Einzel-Triumphe: Im Juni 2011 in Birmingham (im Bild) und im August 2011 in Dallas.

Dennoch war 2009 das Jahr, in dem Lisicki erstmals in die erweiterte Weltspitze vorstieß und ihre Vorliebe für den Rasen in Wimbledon unter Beweis stellte.

Nach Siegen gegen Anna Chakvetadze, French-Open-Siegerin Swetlana Kuznetsova und Caroline Wozniacki ...

... stürmte Lisicki bis ins Viertelfinale, Premiere bei einem Grand-Slam-Turnier.

Erst dort verlor sie gegen die damalige Nr. 1 der Weltrangliste, Dinara Safina. In der Weltrangliste kletterte sie bis auf Platz 22.

Was folgte, war jedoch nicht der Sprung in die Top 10, sondern unglaubliches Verletzungspech.

Eine komplizierte Knöchel- und Bänderverletzung, die Lisicki phasenweise in den Rollstuhl zwang, erforderte eine fünfmonatige Pause. Nach ihrem Comeback fand sie zunächst nicht zu alter Form zurück, das Tennisjahr beendete sie als Nr. 179 der Welt. Ein jäher Absturz.

Und damit nicht genug: Die Ärzte diagnostizierten neben diversen Verletzungen auch noch eine Rasen-Allergie.

Erst im März 2011 fand Lisicki wieder zu ihrem Spiel, um auf ihrem Lieblingsbelag Rasen groß aufzutrumpfen. Nach ihrem Sieg in Birmingham durfte sie per Wildcard in Wimbledon starten.

Nach einer sensationellen Siegesserie zog sie als erste Deutsche seit Steffi Graf ins Halbfinale ein.

Die Fans und die englische Presse lagen ihr zu Füßen, ...

... feierten sie wegen ihres Powerspiels als "Doris Becker" und "Boom-Boombine".

Sie unterlag zwar der Russin Maria Scharapowa , meldete sich aber in den Top 30 der Welt zurück - nachdem sie wenige Monate zuvor nicht einmal mehr zu den besten 200 Spielerinnen gezählt hatte.

"Ich wusste immer, dass ich zurückkommen würde", gab Lisicki nach ihren Wimbledonauftritten zu Protokoll. Seitdem hat sie sich fest in der erweiterten Weltspitze etabliert, ohne den Sprung nach ganz vorn zu schaffen.

In der Weltrangliste war Lisicki vor dem Wimbledon-Start auf Rang 24 platziert. Damit ist sie aktuell die zweitbeste Tennisspielerin Deutschlands hinter Angelique Kerber (Rang 7). Höher als bis auf Platz 12 ging es in der Weltrangliste für Lisicki noch nicht - was sich durch Wimbledon 2013 ändern könnte.

Nach ihrem Sensationssieg über Serena Williams im Achtelfinale ...

... zeigte sie auch gegen Kaia Kanepi (Estland) keine Schwächen.

Nur 65 Minuten brauchte Lisicki, um wie 2011 in die Vorschlussrunde einzuziehen.

Mit dem erneuten Halbfinaleinzug in Wimbledon schickt sie sich an, die Versprechungen aus ihrer Jugendzeit und die Prophezeiungen von US-Tennislegende Billy Jean King aus dem Jahr 2011 zu erfüllen.

Die hatte damals in der "Stuttgarter Zeitung" geschwärmt: "Von dieser jungen Frau werden wir noch viel hören in den nächsten Jahren. Ganz besonders [...] in Wimbledon."

"Sie hat das Talent und die Qualitäten, um hier eines Tages den Pokal in die Höhe zu halten."

Die Chancen, dass es 2013 klappt, hat Lisicki mit ihrem Coup gegen Topfavoritin Williams dramatisch erhöht. Zumal auch weitere Spitzenspielerinnen wie Maria Sharapowa und Victoria Azarenka nicht mehr im Turnier sind.

Auch wenn Lisicki mit der großen Steffi Graf partout nicht verglichen werden möchte und betont: "Niemand kann die zweite Steffi Graf sein. Steffi ist einmalig. Ich bin Sabine Lisicki."

25 Jahre nach Grafs erstem Wimbledon-Sieg wäre der Triumph von Lisicki eine äußerst stilvolle Art, dieses Jubiläum zu begehen.

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