Achillesferse "Public Viewing"Schäuble zur Terror-Gefahr
Die latente Terror-Gefahr bei der WM ist bei "Public Viewing"-Veranstaltungen in vielen deutschen Städten wohl am größten, so Bundesinnenminister Schäuble.
Die latente Terror-Gefahr ist nach Ansicht von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) während der Fußball-WM in Deutschland bei den "Public Viewing"-Veranstaltungen in vielen deutschen Städten am größten.
"Die WM umfasst das ganze Land, weil wir überall Großbildleinwände haben, vor denen sich Menschen versammeln. Wenn Anschläge passieren, dann werden sich die nicht gegen Mannschaften oder Spieler richten, sondern vermutlich gegen solche Menschenmassen", beschrieb Schäuble rund eine Woche vor WM-Beginn in der "Süddeutschen Zeitung" seine Lageeinschätzung: "Die Terrorgefahr ist, wie sie immer ist, aber sie ist nicht wirklich größer als beim Weltjugendtag der Katholiken im vergangenen Jahr."
Kein Sicherheits-"Overkill"
Zur Verhinderung terroristischer Anschläge sind nach Ansicht des für die Sicherheit im Land zuständigen Regierungsmitgliedes im WM-Vorfeld alle Mittel ausgeschöpft worden: "Ich habe das ruhige Bewusstsein, dass wir das, was wir tun konnten, getan haben." Dennoch sieht Schäuble das Spektakel von den polizeilichen Maßnahmen nicht dominiert: "Ich habe nicht den Eindruck, dass wir bei dieser WM einen Overkill in Sachen Sicherheit haben."
Das Risiko von Zwischenfällen durch gewalttätige Einzelpersonen wie zuletzt bei der Einweihung des Berliner Hauptbahnhofes sei nicht auf "Null" zu senken. Der nach den Messer-Attentaten bei der Einweihung des Berliner Hauptbahnhofes durch einen betrunkenen Jugendlichen aufgekommenen Forderung nach einem Alkoholverbot bei der WM erteilte Schäuble denn auch weitgehend eine Absage: "Fußball ohne Bier - na ja. Im Stadion oder in eingefriedeten so genannten 'Public Viewing'-Bereichen ist das durchaus denkbar, wenn es die besondere Lage erfordert."
"Erbärmliche" Neonazis
In Bezug auf die mit Sorge um Deutschlands internationales Ansehen erwarteten Aufmärsche von rechtsradikalen Gruppierungen während der WM hofft Schäuble auf einen angemessenen Umgang mit den fremdenfeindlichen Parolen. "Die Neonazis sind eine kleine Minderheit, eine erbärmliche noch dazu. Die werden nicht die Chance haben, das Gesicht dieser Weltmeisterschaft zu prägen. Ich weiß, wenn irgendwo zehn solcher Leute ihre Fahnen hochhalten, gehen die Bilder um die Welt. Deswegen appelliere ich an die Medien, diesen Leuten nicht unverhältnismäßig viel Bedeutung zu geben. Denn sie werden keine Bedeutung haben, weil die ganz große Mehrheit der Deutschen allenfalls Verachtung für sie empfindet", erklärte der Innenminister.
"Die große Mehrheit unserer Gesellschaft hat doch ein hinreichendes Maß an Freundlichkeit, um die Welt entspannt zu empfangen. Wir werden gute Gastgeber sein. Wir Deutschen sind nicht so übel", so Schäuble.