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Weltmeisterin Julia Jefimowa ist der letzte prominente Dopingfall im russischen Schwimmsport.
Weltmeisterin Julia Jefimowa ist der letzte prominente Dopingfall im russischen Schwimmsport.(Foto: AP)

"Organisierte Drogenkultur" vermutet: Schwimmt Russland auch im Dopingsumpf?

Systematischer Betrug, vertuschte Tests: Die russische Leichtathletik ist dopingverseucht. Nun gibt es offenbar Hinweise, dass auch der Schwimmsport von flächendeckendem Betrug betroffen ist. Erste Rufe nach einem kompletten Olympia-Aus für Russland gibt es auch.

Nach der Leichtathletik wird auch der russische Schwimmsport laut einem Bericht der Zeitung "Times" von einem gigantischen Dopingskandal erschüttert. Eine "Schande" überschreibt das seriöse englische Blatt seinen langen Artikel, der auf umfangreichen Recherchen beruhe. Es gebe Beweise für eine "organisierte Drogenkultur" im russischen Schwimmsport in den vergangenen zehn Jahren.

Die "Times" enthüllte unter anderem Betrug durch einen bereits in Ungnade gefallenen Mediziner, mit illegalen Drogenlaboren und vertuschten Dopingtests. So soll Sergej Portugalow, Chefmediziner der seit vier Monaten suspendierten russischen Leichtathleten, auch den Schwimmern leistungssteigernde Mittel verabreicht haben. Eine Zeugin sagte aus, dass es bei einem Wettkampf in Moskau am Schwimmbecken eine "Apotheke" gegeben habe, um die Athleten direkt mit "Pillen und Medizin" zu versorgen. Zwei Schwimmer, die positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet wurden, seien nie bestraft worden.

Flut an positiven Tests

Laut "Times" wurden Zeugen eingeschüchtert. Ihnen wurden Repressalien angedroht, falls sie mit ihrem Wissen über Doping an die Öffentlichkeit gehen.

Mit mehr als 40 positiven Tests soll Russland im vergangenen Jahrzehnt weltweit das Land mit den meisten Dopingsündern im Schwimmen gewesen sein, schreibt die Zeitung. Seit Portugalows "Hilfsangebot" im Jahr 2009, auch im Schwimmen ein systematisches Dopingsystem einzuführen, wurden 23 russische Schwimmer positiv getestet.

Zuletzt hatte der Fall von Weltmeisterin Julija Jefimowa für Aufsehen gesorgt. Der prominenten Sportlerin wird die Einnahme des verbotenen Herzmedikaments Meldonium vorgeworfen, das seit dem 1. Januar auf der Dopingliste der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada steht. Jefimowa wies dies sofort zurück. Sie wolle den Beweis ihrer Unschuld antreten.

Trainingszentrum mit Dopinglabor

Außerdem soll eine "führende Person" im russischen Schwimmverband gegenüber einem Trainer zugegeben haben, dass in mindestens einem Trainingszentrum ein pharmakologisches Labor angeschlossen sei. Die "Times" beruft sich dabei auf mehrere anonyme Quellen, auch innerhalb des Verbandes.

Sowohl Portugalow, der russische Verband als auch der Schwimm-Weltverband Fina antworteten nicht auf Anfragen der "Times". "Sollten diese Anschuldigungen stimmen, werden wir dies genau untersuchen", sagte Craig Reedie, Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), der "Times".

"Sie lachen sich kaputt"

Travis Tygart, Chef der US-Anti-Doping-Agentur Usada und bekannt geworden durch die Überführung von Lance Armstrong, forderte nach den Enthüllungen sogar den Ausschluss aller russischen Sportler von den Olympischen Spielen in Rio. "Sie spielen Spiele mit uns und lachen sich hinter unserem Rücken kaputt", sagte Tygart: "Es muss Konsequenzen geben. Es ist staatlich gestütztes Doping, und nichts anderes als harte Konsequenzen wäre gegenüber den sauberen Athleten fair. Natürlich wollen wir alle Länder bei Olympia haben, aber das darf nicht zu Lasten der sauberen Athleten gehen."

Der deutsche Bundestrainer Henning Lambertz forderte drastische Konsequenzen. "Wenn alle Fakten dafür sprechen, dann kann ich nur befürworten, eine ganze Nation zu sperren", sagte Lambertz dem SID, "auch wenn dann auch der eine oder andere saubere Athlet betroffen wäre."

Er sei "definitiv" davon überzeugt, dass es in Russland im Schwimmen ebenso "von staatlichen Stellen toleriertes flächendeckendes Doping" gebe wie in der Leichtathletik: "Die Sportarten sind verwandt, ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich nur auf die Leichtathletik erstreckt." Die russischen Leichtathleten sind derzeit vom Weltverband IAAF wegen systematischen Dopings ausgeschlossen, über ein Olympia-Aus soll im Mai entschieden werden.

Quelle: n-tv.de

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