Nächster Doping-Kronzeuge?

Sinkewitz will beichten

24.07.2007 | 10:42 Uhr
Der von T-Mobile suspendierte Patrik Sinkewitz will in den kommenden Tagen mit seinem Team und dem Bund Deutscher Radfahrer die Vorwürfe erörtern und "an gemeinsamen Lösungen mitwirken".

Im deutschen Radsport könnte es bald einen zweiten Doping-Kronzeugen geben. Nach dem geständigen Ansbacher Jörg Jaksche will anscheinend auch der unter Dopingverdacht stehende Patrik Sinkewitz eine Kronzeugenregelung in Anspruch nehmen.

Sinkewitz werde sich in den nächsten Tagen offensiv den gegen ihn erhobenen Vorwürfen stellen und den Sachverhalt mit dem T-Mobile-Team und dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) erörtern, teilte sein Anwalt Michael Lehner (Heidelberg) mit. "Er ist bereit, an gemeinsamen Lösungen mitzuwirken", heißt es in einer Presseerklärung.

Der BDR signalisierte bereits Gesprächsbereitschaft. "Natürlich besteht die Möglichkeit, sich über viele Dinge zu unterhalten, das werden wir in den nächsten Tagen tun", sagte Präsident Rudolf Scharping und sprach von einer "existenzbedrohenden Krise", in der sich der deutsche Radsport derzeit befinde.

Der 26 Jahre alte von T-Mobile suspendierte Sinkewitz war am 8. Juni in den Pyrenäen bei einer Trainingskontrolle der Nationalen Antidoping-Agentur (NADA) positiv auf Testosteron getestet worden. "Ich bin zuversichtlich, dass er in den nächsten Tagen Anlauf nimmt, um aus dem Tal herauszukommen, in dem er sich momentan befindet", sagte Lehner in einem TV-Interview, wollte selbst aber nicht von einer Kronzeugenregelung sprechen.

T-Mobile hofft auf Transparenz

Christian Frommert, Unternehmenssprecher von T-Mobile, sagte bei n-tv: „Wir würden auf jeden Fall begrüßen, wenn Sinkewitz offensiv mit diesen Dingen umgeht. Ob das Ganze jetzt in eine Kronzeugenregelung mündet, wird momentan eher interpretiert, als dass das ein Fakt ist. Wir würden sehr begrüßen, wenn das Ganze unkompliziert und transparent und klar wird.

Der Fall Sinkewitz ist für uns, für unser Programm, für das Fortschreiten in die Zukunft, ein Rückschlag. Das ist ganz klar. Nichtsdestotrotz setzen wir uns damit auseinander. Wenn Patrik Sinkewitz und sein Anwalt damit offensiv umgehen wollen, Klarheit in die Sache bringen wollen, ist es für alle Beteiligten eine Erleichterung.“

BDR: B-Probe wird doch geöffnet

Am Dienstagnachmittag einigte sich der BDR mit Lehner darauf, die Öffnung der B-Probe am kommenden Dienstag (31. Juli) durchzuführen. Bis dahin hat Sinkewitz weiterhin die Möglichkeit, auf das Recht der Gegenanalyse zu verzichten.

"Klar ist, sollte er die B-Probe nicht öffnen lassen, hat das ebenso die Entlassung zur Folge wie eine positive B-Probe", sagte Frommert. Ein Verzicht käme einem positiven Dopingfall gleich. "Ich würde es begrüßen, wenn Patrik bei der Wahrheit bleibt und erklärt, wie es zu der positiven A-Probe gekommen ist", meinte T-Mobile-Sportdirektor Rolf Aldag.

Hohe Vertragsstrafe droht

Im Fall einer Entlassung droht Sinkewitz laut Aldag die Rückzahlung seines kompletten Jahressalärs. T-Mobile gilt als das Radsport-Team mit den härtesten Arbeitsverträgen, in denen hohe Vertragsstrafen bei einem Dopingfall festgeschrieben sind. In diesem Umstand könnte auch die relativ weich gehaltene Presseerklärung der Sinkewitz-Seite begründet liegen.

Zudem muss Sinkewitz die Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft im Auge behalten. Sie hatte Mitte Juni ein Ermittlungsverfahren gegen ihn nach einer anonymen Anzeige wegen des Verdachts des Betruges zum Nachteil seiner Vertragspartner eingeleitet. Derzeit versucht die Behörde zu klären, wer als Vertragspartner in Frage kommt.

Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen Jan Ullrich wegen Betruges zum Nachteil seines früheren Rennstalls T-Mobile sowie gegen seinen Betreuer Rudy Pevenage wegen Beihilfe und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz.