Sport
Dienstag, 06. März 2001

Fußball: Spielergewerkschaft lehnt Transfer-Kompromiss ab

Die internationale Spielergewerkschaft FIFPro hat den in Brüssel verkündeten Kompromiss bei der Reform des Fußball-Transfersystems abgelehnt. "Diese Übereinkunft akzeptieren wir nicht. Es ist ein schwarzer Tag für den europäischen Sport und die Fußballer", sagte FIFPro-Sprecher Laurent Denis: "Es wurde eine neue Arbeitnehmer-Kategorie in Europa eingeführt. Fußballer genießen leider nicht den gleichen sozialen Schutz wie andere Arbeitnehmer."

Die FIFPro erwägt die Anrufung des Europäischen Gerichtshofes, des in Straßburg ansässigen Gerichthofes für Menschenrechte oder des internationalen Arbeitsgerichts. Denis: "Wir hoffen, dass alle nationalen Gerichte viel zu tun bekommen, denn sie sind unabhängig. Im Gegensatz zur EU-Kommission, die eine politische Entscheidung getroffen hat."

In anderen europäischen Ländern reagierten hingegen die Spielergewerkschaften positiv. Das Ergebnis sei ein für alle Seiten gerechtes Unentschieden, hieß es auf Seiten der deutschen Spielergewerkschaft VdV.

Positive Signale gab es auch aus Italien. "Das Ergebnis ist positiv für den Fortbestand des Fußballs und für die Spieler. Die Mehrheit der Spieler genießt nun große Vertragsstabilität", sagte Liga-Boss Franco Carraro.

Dagegen lehnte die spanische Spielergewerkschaft (APE) den Kompromiss ab. "Die FIFPro wird eine solche Bestrafung nicht hinnehmen, und wir sind Teil der FIFPro", äußerte APE-Chef Gerardo Gonzalez Movilla.

Der Kritik aus Spanien schloss sich die französische Spielergewerkschaft (UNFP) an. "Die Spieler werden wie Schwachköpfe behandelt. Wir haben den Eindruck, dass in den zwei Jahre währenden Diskussionen nur Zeit verschwendet wurde. Die EU hat eine Reform verabschiedet, ohne unseren Standpunkt anzuhören", meinte UNFP-Vize-Präsident Jean-Jacques Amorfini, der gleichzeitig eine führende Position bei der FIFPro bekleidet.

Empörung herrschte auch in Dänemark. "Die Europäische Kommission hat in allen Punkten nachgegeben. Der politische Druck durch Fifa und Uefa mit der Unterstützung von Schröder, Chirac und Blair war zu groß", sagte Mads Oland, Direktor der dänischen Fußball-Gewerkschaft.

Der Manager von Bayern München, Uli Hoeneß, seinerseits meinte: "Oberflächlich gesehen ist das eine mittlere Katastrophe für den deutschen und auch den internationalen Fußball. Es werden keine Lösungen geboten, das Konzept wirkt konfus."

Quelle: n-tv.de

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