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Joseph Blatters Fifa darf für sich in Anspruch nehmen, zur geplanten Gesetzesverschärfung mit Skandalen in Serie maßgeblich beigetragen zu haben.
Joseph Blatters Fifa darf für sich in Anspruch nehmen, zur geplanten Gesetzesverschärfung mit Skandalen in Serie maßgeblich beigetragen zu haben.(Foto: dapd)

Und sie bewegt sich doch: Sport-Korruption stört die Schweiz

Die Schweiz bietet Sportgroßverbänden paradiesische Bedingungen. Mehr als 50 tummeln sich deshalb hier und machen immer wieder durch Korruptionsskandale auf sich aufmerksam. Das schadet, hat die Schweiz nun bemerkt, auch dem Ansehen des Landes. Eine Verschärfung des Strafrechts zuungunsten korrupter Sportfunktionäre soll das ändern.

Die Schweiz will die Regeln gegen Korruption im Sport nun doch verschärfen und prüft unter anderem die Einführung eines Straftatbestands des Sportbetrugs. Die Regierung des Landes, in dem zahlreiche Spitzenverbände ihren Sitz haben, genehmigte einen entsprechenden Bericht mit dem Titel "Korruptionsbekämpfung und Wettkampfmanipulation im Sport" (als pdf herunterladen).

Dieser kommt zur wenig überraschenden Erkenntnis, "dass die bisherigen Maßnahmen der (internationalen) Sportverbände nicht ausreichen, um Korruption effizient zu verhindern. Die Selbstregulierungssysteme der Verbände und Vereine, wenn überhaupt vorhanden, genügen den wachsenden Anforderungen des globalisierten, professionalisierten und kommerzialisierten Sports nicht mehr".

Ansehen der Schweiz gefährdet

Der Sport müsse verstärkt gegen Korruption in den eigenen Reihen vorgehen. Gefordert werden Regelungen zu einer verantwortungsvollen Verbandsführung, die auf allen Ebenen des organisierten Sports durchgesetzt werden müssen. Zudem sei auch der Staat gefordert. "Auf dem Spiel steht nicht nur die Integrität des Sports, sondern auch das Ansehen der Schweiz als Sitzstaat zahlreicher internationaler Sportverbände", heißt es: "Mit der zunehmenden Globalisierung und Kommerzialisierung hat die Korruption Formen angenommen, die der privatrechtlich organisierte Sport nicht mehr zu bewältigen in der Lage ist."

Deshalb soll geprüft werden, ob Mitglieder von Sportverbänden dem schweizerischen Korruptionsstrafrecht unterstellt werden sollen. Bislang können diese auch bei erwiesenen Korruptionsfällen nicht vom Gesetzgeber belangt werden. Sanktionsfähig ist nur der Verband. Bis Frühjahr 2013 soll das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) nun einen Vorentwurf für eine Gesetzesänderung beim Thema Privatbestechung ausarbeiten.

Fifa begrüßt den Vorstoß

In der Schweiz sitzen unter anderem die Weltverbände im Fußball (Fifa) und Radsport (UCI), das Internationale Olympische Komitee (IOC) sowie der Internationale Sportgerichtshof Cas. Die skandalumwitterte Fifa wertete die Bestrebungen des Bundesrats "als positives Zeichen zur Integritätssicherung des Sports und seines Umfelds".

Kurios daran ist: Nach der dem Bericht zugrunde liegenden Korruptionsdefinition (Missbrauch einer anvertrauten Machtstellung zum privaten Nutzen) muss spätestens seit Veröffentlichung der ISL-Einstellungsverfügung auch Fifa-Präsident Joseph Blatter offiziell als korrupt gelten. Der Sportphilosoph Gunter Gebauer hatte deshalb unlängst im Gespräch mit n-tv.de festgestellt, Blatter gehöre in "einen Mafiafilm".

Quelle: n-tv.de

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