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Die Errichtung der Bob-Bahn Cesana Pariol kostete damals 77,3 Millionen Euro - heute liegt sie brach.
Die Errichtung der Bob-Bahn Cesana Pariol kostete damals 77,3 Millionen Euro - heute liegt sie brach.(Foto: twitter.com/IntegralDevices)

Viele Sportstätten völlig nutzlos: Turins olympisches Erbe ist tief gespalten

Olympia ist für den Austragsort immer ein Riesenevent. Die neuen Sportstätten kosten Millionen. Für Sportler und Zuschauer soll alles perfekt sein. Doch was passiert danach? In Turin kann man es sehen: Riesige Komplexe stehen leer - manche aber auch nicht.

Zehn Jahre nach Eröffnung der Olympischen Winterspiele von Turin liegen etliche der damals errichteten Sportstätten brach. Zum Jahrestag der Entzündung des Olympischen Feuers zogen mehrere italienische Medien eine vornehmlich für die Einrichtungen in den Bergregionen verheerende Bilanz. Die Wettkampfstätten in der Stadt schrieben dagegen seit 2006 mitunter Erfolgsgeschichten.

Ein besonders kostspieliger Irrtum war für die Olympia-Veranstalter die Errichtung der Bob-Bahn in Cesana Pariol, die ursprünglich Sportler aus der ganzen Welt anlocken sollte. Stattdessen blieb die 77,3 Millionen Euro teure Anlage lediglich sechs Jahre in Betrieb und musste 2011 wegen hoher Instandhaltungskosten schließen.

Auf der Biathlon-Piste in Sansicario, wenige Kilometer von dem Bergdorf Cesana Pariol entfernt, wurde sogar seit 2006 kein einziges Weltcup-Rennen mehr ausgetragen. "Schuld daran sind die Sportverbände, die sich nicht genug engagiert haben, damit diese Anlagen weiterleben konnten", sagte Sergio Chiamparino, während der Olympischen Winterspiele Turins Bürgermeister.

Eisschnelllauf-Arena wird zum Messezentrum

Deutlich besser fällt die Bilanz in Turin selbst aus. Die ehemalige Eisschnelllauf-Arena "Oval Lingotto" beispielsweise ist der Metropole als Messe- und Kongresszentrum erhalten geblieben. Das ehemalige Olympiastadion beheimatet inzwischen den italienischen Fußball-Erstligisten FC Turin, und auch Rekordmeister Juventus Turin trug hier zwischenzeitlich seine Heimspiele aus.

Die 54 Millionen Euro teure "Palavela", einst Heimat der Eiskunstlauf- und Short Track-Wettbewerbe, ist derweil zum Zentrum des Sportlebens in der Stadt aufgerückt und hat bereits unzählige Events von Volleyball, über Basketball bis hin zum Tennis beherbergt. Die vom japanischen Stararchitekten Arata Isozaki entworfene "Palasport"-Halle, in der während der Winterspiele die Eishockey-Turniere ausgetragen worden waren, wird als Multifunktionsarena genutzt.

"Turin profitiert heute noch von den Infrastrukturen, die für die Olympischen Winterspiele errichtet wurden. Wir haben dank der Spiele den Stolz wiedergefunden, Turiner zu sein", meinte Chiamparino. Die Olympischen Spiele 2006 waren die dritten in Italien nach den Winterspielen in Cortina 1956 und den Sommerspielen in Rom 1960.

Quelle: n-tv.de

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