Sport

"Raketen fliegen, Menschen sterben": USC Münster spielt nicht in Israel

Die Volleyball-Spielerinnen des USC Münster haben angesichts der bewaffneten Auseinandersetzungen im Gaza-Konflikt Angst, nach Israel zu reisen. Der Klub sagt die Partie im europäischen Challenge-Cup bei Hapoel Kfar Saba deshalb ab - und wird dafür vom Verband bestraft.

Volleyball-Bundesligist USC Münster hat wegen des Gaza-Konflikts das Rückspiel im europäischen Challenge-Cup beim israelischen Meister Hapoel Kfar Saba in Israel abgesagt. "Wir haben die Augen der Spielerinnen gesehen und uns im Vorstand einstimmig für eine Absage entschieden", sagte USC-Geschäftsführer Detlef von Delft. "Das ist der Sport nicht wert, mit einer solchen Reise ein Risiko einzugehen."

Das Spiel sollte eigentlich an diesem Mittwoch stattfinden, der USC hatte das Hotel in Tel Aviv bereits gebucht. "Laut der Deutschen Botschaft in Israel sei für den Großraum in Tel Aviv mehrfach Raketenalarm ausgelöst worden und die Menschen mussten Schutzräume aufsuchen", teilte der Verein mit. "Ein solcher Zustand ist für das Team nicht zumutbar", sagte Präsident Matthias Fell. Andrea Berg, die Teamkapitänin, sagte den "Westfälischen Nachrichten": "Wir haben gekämpft für Europa. Aber es fliegen Raketen und es sterben Menschen. Da fragt man sich, ob solch ein Spiel wirklich sein muss."

Das Auswärtige Amt hat bisher keine generelle Reisewarnung für Israel herausgegeben, rät aber davon ab, in den Gazastreifen zu reisen. "Ebenso wird geraten, von nicht notwendigen Reisen in den Süden Israels (südlich des Großraums Tel Aviv) abzusehen", heißt es auf der Internetseite. Der Spielort Kfar Saba mit seinen 81.000 Einwohnern liegt etwa 15 Kilometer nördlich von Tel Aviv.

"Deshalb ist das schon bitter"

Sportlich ist die Absage für den USC Münster ein Rückschlag, der Verein wird vermutlich aus dem Wettbewerb ausgeschlossen und muss mit einer Geldstrafe rechnen, da der europäische Verband CEV dem Antrag auf Spielverlegung abgelehnt hatte. "Es gibt keine Reisewarnung für Israel. Nur wenn es eine solche gibt, kann nach den Regeln des europäischen Verbandes ein Spiel abgesagt werden", erklärte von Delft. "Die Innenansicht solch eines Konfliktes ist eine andere als außerhalb des Landes, wo der Konflikt anders wahrgenommen wird", sagte CEV-Generaldirektor Thorsten Endres.

Die Münsteranerinnen durften erstmals seit acht Jahren wieder im Europapokal starten. Nach dem 3:0 aus dem Hinspiel gegen Hapoel standen sie vor dem Einzug in die Runde der letzten 32 Teams. Nächster Gegner hätte ZOK Split sein können. "Wir haben uns schon ausgerechnet zwei, drei Runden weiterzukommen. Deshalb ist das schon bitter", sagte von Delft. Der Challenge-Cup ist nach der Champions League und dem CEV-Pokal nur die dritte Wahl bei den europäischen Vereinswettbewerben.

Quelle: n-tv.de

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