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Wie es mit dem Boxstall weitergeht, ist offen.
Wie es mit dem Boxstall weitergeht, ist offen.(Foto: ddp)

Knock-out nach fast 30 Jahren: Universum-Boxstall ist pleite

Der Name Universum hatte einst Klang in der Welt des Berufsboxens. Das ist jetzt vorbei, Tradition zahlt keine Rechnungen. Das Unternehmen von Promoter Waldemar Kluch muss Insolvenz anmelden. Was bleibt, ist eine Schlammschlacht um offene Zahlungen und schwere gegenseitige Vorwürfe.

(Foto: dpa)

Beim traditionsreichen Hamburger Boxstall Universum, der Champions wie die Klitschko-Brüder, Dariusz Michalczewski oder Felix Sturm hervorgebracht hat, gehen langsam, aber sicher die Lichter aus. Nun gab Geschäftsführer Waldemar Kluch in einem Hamburger Hotel offiziell bekannt, dass das Unternehmen Insolvenz angemeldet hat.

"Es ist viel passiert, jetzt will ich Tatsachen schaffen. Wir haben gestern mit den Gesellschaften sämtliche Darlehen aufgekündigt und am Montag einen Konkursantrag beim Landgericht gestellt", sagte Kluch. Und setzte zu einem mehr als halbstündigen Vortrag an, bei dem er schwere Vorwürfe gegen Klaus-Peter Kohl und viele seiner früheren Boxer erhob. Diese weisen die Vorwürfe zurück und fordern ihrerseits beträchtliche Summen.

Lauter "gebastelte Baustellen"

Kluch hatte den ehemals größten und erfolgreichsten Boxstall Europas 2011 von Kohl gekauft. Nun seien plötzlich zahlreiche "gebastelte Baustellen" und zum Teil alte Rechnungen in Gesamthöhe von etwa 1,5 Millionen Euro aufgetaucht, für die er nicht den Kopf hinhalten wolle. Kluch präsentierte in seiner Rede, die nicht alle Fragen beantwortete, zahlreiche Zahlungsaufforderungen, die angeblich in den vergangenen Tagen im Briefkasten von Universum gelegen haben. Zugleich kündigte er eine Klage auf Rückabwicklung gegen Kohl an: "Der Name Universum ist so versaut, dass es ein Fehler war, ihn zu übernehmen."

Gegen Klaus-Peter Kohl, der den Boxstall 2011 verkauft hatte, wurde schwere Vorwürfe erhoben.
Gegen Klaus-Peter Kohl, der den Boxstall 2011 verkauft hatte, wurde schwere Vorwürfe erhoben.(Foto: dapd)

Kohl, der laut eigenen Angaben angeblich noch auf große Teile der Kaufsumme von Universum wartet, hatte bereits in der Vergangenheit alle Anschuldigungen zurückgewiesen und Kluch als "Lügner" bezeichnet. Am Dienstag äußerte er sich auf Anfrage zunächst nicht. Dafür fand Ex-Weltmeister Sebastian Zbik umso deutlichere Worte: "Kluch lügt, wenn er den Mund aufmacht. Er hat nie Anstalten gemacht oder ein Interesse daran gezeigt, seine Rechnungen zu bezahlen."

Schlammschlacht um offene Zahlungen

Zbik hatte wegen einer nicht gezahlten Kampfbörse (knapp 190.000 Euro) Strafanzeige gegen Universum gestellt und das Eröffnen eines Insolvenzverfahrens beantragt. Wie weit das Tischtuch zwischen den früheren Partnern zerschnitten ist, zeigte sich bei der Pressekonferenz. Zbik wollte der Veranstaltung beiwohnen, Kluch komplementierte ihn nicht gerade freundlich aus dem Raum. Die Schlammschlacht um ausstehende Zahlungen bildet den negativen Höhepunkt in der bewegten Geschichte des Box-Stalls, der in den vergangenen Jahren mehr und mehr ins Schlingern geraten war. Nach dem Auslaufen des TV-Vertrages mit dem ZDF (2010) fehlten rund 15 bis 20 Millionen Euro jährlich an Einnahmen, immer mehr Boxer wandten sich von Universum ab.

Wie es mit den vertraglich an Universum gebundenen Profis weitergeht, ist derzeit unklar. Vier Gesellschaften, in denen Kluch zum Teil als Geschäftsführer fungiert, würden die Verträge mit denen weiterführen, "für die es sich zu kämpfen lohnt", sagte Kluch. Den russischen Schwergewichtler Denis Boizow zählt er nicht dazu. "Boizow wird sich freikaufen müssen, oder er wird bis 2016 nicht mehr kämpfen", sagte Kluch. Es werde in diesem Jahr keine Veranstaltungen mehr von Universum geben. Ob dies jemals wieder der Fall sein wird, ist derzeit äußerst fraglich.

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Quelle: n-tv.de

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