Sport
Leverkusens Sportdirektor Völler unterhält sich nach dem Spiel mit Schiedsrichter Felix Zwayer (2. v.l.): Nach der Zwangsunterbrechung gibt es Klärungsbedarf.
Leverkusens Sportdirektor Völler unterhält sich nach dem Spiel mit Schiedsrichter Felix Zwayer (2. v.l.): Nach der Zwangsunterbrechung gibt es Klärungsbedarf.(Foto: dpa)

Bundesliga-Trainer und Referees: Verhältnis ist zunehmend vergiftet

Über den Schiri meckern gehört zum Fußball wie das Runde ins Eckige. Wenn sich aber ein Trainer weigert, den Anweisungen des Unparteiischen Folge zu leisten, ist das bedenklich - und symptomatisch für ein zunehmend vergiftetes Verhältnis.

Das Urteil von Karl-Heinz Rummenigge über die Bundesliga-Schiedsrichter war vernichtend. Grundsätzlich habe er "noch nie so eine Quantität an Fehlern" der Unparteiischen erlebt wie in dieser Saison, sagte der Vorstandsvorsitzende von Fußball-Rekordmeister Bayern München. Peng, das saß!

Video

Die harsche Kritik vom Branchen-Primus an den Leistungen der deutschen Referees ist symptomatisch für das vergiftete Verhältnis der Schiedsrichter-Gilde auf der einen sowie Trainern und Funktionären auf der anderen Seite. Der Eklat um Leverkusens Chefcoach Roger Schmidt, der einen Innenraumverweis durch Schiri Felix Zwayer (Berlin) ignorierte und damit eine Spielunterbrechung provozierte, bedeutete einen einmaligen Vorgang in 53 Jahren Bundesliga-Historie. Dass Rummenigge Verständnis für das Verhalten des Bayer-Trainers aufbrachte, ist da schon fast selbstverständlich.

"Es ist respektloser geworden"

DFB-Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel hat dagegen den "Tiefpunkt einer leider erheblich negativen Entwicklung erlebt, die mich sehr nachdenklich stimmt". Der einstige Fifa-Referee hat festgestellt, "dass sich das Verhalten gegenüber Schiedsrichtern, Assistenten und Vierten Offiziellen deutlich verändert hat. Es ist respektloser geworden, in einer Art und Weise, die nicht länger akzeptabel ist", betonte er auf dfb.de.

Fandel appelliert an den Profifußball, seiner Vorbildfunktion nachzukommen: "Sonst zerstören wir unsere Fußballkultur." Mit Blick auf den Amateurbereich befürchtet Fandel das Schlimmste. "Die Grenze dessen, was noch als akzeptabel gilt, wird immer mehr verschoben", sagte der Konzertpianist aus Kyllburg: "Das hat unmittelbaren Einfluss auf das Verhalten der Trainer und Spieler auf den Amateurplätzen in Deutschland und damit auf die Arbeit der Schiedsrichter abseits des Profibereichs. Das muss jeder wissen. Wie bisher kann es nicht weitergehen."

Rückhalt von den Kollegen

Fandel sieht die Schiedsrichter als Sündenböcke in der Öffentlichkeit. Zwayer erhielt derweil durch die Bank von seinen Kollegen größtes Lob für die Traute, auch vor einer Spielunterbrechung nicht zurückzuschrecken. "Respekt Felix Zwayer ... unfassbar respektloses Verhalten von Schmidt und Völler ... wo bleibt die Vorbildfunktion?", twitterte beispielsweise Ex-Spitzen-Referee Markus Merk.

"Ich finde es respektlos dem gesamten Fußball gegenüber", hatte Sky-Experte Peter Gagelmann über die Aktion von Schmidt gesagt. Der ehemalige Schweizer Weltklasse-Schiri Urs Meier sprach von einer "Unsportlichkeit der übelsten Sorte". Interessant ist, dass allerdings nicht der Bayer-Übungsleiter Schmidt, sondern Markus Weinzierl (FC Augsburg) laut einer Umfrage der "Bild"-Zeitung unter Schiedsrichtern die größte Nervensäge bei den Bundesliga-Trainern ist.

Trainertagung will aufklären

Über Weinzierl sagte ein Bundesliga-Unparteiischer, der namentlich nicht genannt wurde: "Zusammen mit Manager Reuter bearbeitet er uns permanent. Weinzierl macht das viel mit ironischen Bemerkungen, übt unglaublichen Druck aus." Platz zwei im Nervensägen-Ranking geht an Schmidt.

Der 48-Jährige, dem eine Strafe seitens des DFB-Sportgerichts droht, hatte einen Tag nach dem Eklat seinen Fehler eingestanden, bat allerdings auch um Würdigung der Umstände. "Ich werde die Strafe, wenn sie im Maße ist, auch so akzeptieren. Ich habe mich falsch verhalten, das ist mir hundertprozentig klar, aber es gab auch Fehler auf dem Platz, die am Ende entschieden haben, wer drei Punkte kriegt. Deswegen sollte man das aus allen Blickwinkeln beurteilen", hatte Schmidt bei Sky Sport News erklärt.

Lutz Hangartner, Präsident des Bundes Deutscher Fußballlehrer (BDFL), kündigte im "Express" an, dass auf der nächsten Trainertagung im März das Thema "Verhalten der Trainer gegenüber den Schiedsrichtern" ein Tagesordnungspunkt sein wird. "Es muss klar sein, dass die Trainer eine Vorbildfunktion einnehmen. Das werden wir ihnen noch einmal deutlich vor Augen führen", betonte Hangartner. Von einer Verrohung der Sitten will er aber nichts wissen.
 

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen