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Lindsay Vonn (links) ist für Maria Höfl-Riesch derzeit eine Nummer zu groß.

Lindsay Vonn (links) ist für Maria Höfl-Riesch derzeit eine Nummer zu groß.(Foto: REUTERS)

Samstag, 28. Januar 2012

Glücklich als Zweitplatzierte: Vonn für Höfl-Riesch zu stark

Mit Maria Höfl-Riesch geht es wieder aufwärts. Die Deutsche erringt beim Weltcup in St. Moritz in der Abfahrt einen hervorragenden zweiten Platz. Die Amerikanerin Lindsay Vonn hat als Siegerin allerdings einen großen Vorsprung.

Lindsey Vonn suchte auch nach  ihrem achten Saisonsieg die Nähe von Maria Höfl-Riesch. Doch anders  als am Vortag, als sie ihre gute Freundin nach Rang 21 in der  Super-Kombination trösten musste, fand sie nach der Abfahrt in St.  Moritz eine glückliche Zweitplatzierte vor. "Ich war gestern sehr  deprimiert, daher ist es eine Erleichterung, dass ich gleich wieder  so ein gutes Ergebnis gefahren habe", sagte Höfl-Riesch nach der  besten Fahrt in der Königsdisziplin seit dem Sieg von Cortina  d'Ampezzo Anfang 2011 - und der fünften Podiumsplatzierung dieses für sie so wechselhaften Winters.

 In der Super-Kombi, die Vonn ebenfalls gewonnen hatte, sei sie  "eigentlich ausgeschieden", betonte Höfl-Riesch, "aber das habe ich  gleich abgehakt. Wenn ich noch stunden- oder tagelang drüber  nachdenke, kostet das zu viel Energie." Diese investierte sie  stattdessen ins Rennen auf der schwierigen "Engiadina", wo sie  erneut ihre Qualitäten als Comeback-Queen unter Beweis stellte. "Man  muss Niederlagen verkraften und abhaken können. Dass ich das kann,  habe ich schon oft bewiesen und heute wieder gezeigt", sagte sie sichtlich zufrieden.

Musste die weiß umrandete Brille am Freitag noch ein  versteinertes Gesicht verbergen, blitzte bei Höfl-Riesch keine 24  Stunden später ein breites Lächeln hinter den dunklen Gläsern  hervor. Zumal sie auch ein bisschen Glück hatte. Nach einem "schönen  Bock" (ihr Servicemann Stefan Böhler) bei der Einfahrt in den  Steilhang verlor sie sehr viel Zeit. Doch sie blieb schnell genug,  um die drittplatzierte Tina Weirather (Liechtenstein) hauchdünn um  0,05 Sekunden auf Distanz zu halten. Vonn, das gab Höfl-Riesch  unumwunden zu, hätte sie auch ohne ihren Schnitzer nicht bezwungen. 1,42 Sekunden trennten die beiden.

Warten auf einen Fehler von Vonn

"Sie ist in einer Wahnsinnsform, fährt die brutalste,  gnadenloseste Linie, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Wenn  sie fehlerfrei runterfährt, ist sie fast unschlagbar", sagte  Höfl-Riesch über Vonn, die zum 49. Mal im Weltcup gewann, zum ersten  Mal die Abfahrt von St. Moritz. "Ich stand oben und dachte: Es ist  an der Zeit, das Ding hier endlich mal zu gewinnen", sagte Vonn. Dieses Gnadenlose, im Kopf und beim Skifahren, sagte  Höfl-Riesch, "kann man nicht einfach kopieren. Ich schaue mir die Videos ihrer Läufe an, aber nicht jeder hat ihre Fähigkeiten. Ich  habe die vielleicht nur zum Teil." Doch sie wolle dranbleiben - und bei einem Fehler Vonns zuschlagen.

Schon am Sonntag hat sie bei der zweiten Super-Kombi im  Nobel-Skiort, wenn vor dem Slalom-Lauf ein Super-G gefahren wird,  die nächste Gelegenheit. Um die Chancen zu erhöhen, will Höfl-Riesch  im Material-Bereich "etwas ausprobieren", wie sie verriet. Ein  anderer Schuh und ein anderer Slalom-Ski sollen ihr die Sicherheit  zurückbringen, die ihr in der früheren Lieblingsdisziplin abgeht. Auf eisigem Untergrund tut sie sich schwer, das richtige "Setup"  zu finden. "Der Slalom-Ski bleibt eine Baustelle", meinte ihr  Servicemann Böhler. Oder, wie es Techniktrainer Christian Schwaiger  ausdrückte: "Das ist wie bei einem Formel-1-Auto: Auto und Reifen passen, aber es passt nicht zusammen." Die "Pilotin" aber, das unterstrich Höfl-Riesch nun erneut, ist für weitere starke Fahrten bereit.

 Das gilt allerdings erst recht für Vonn. Neben einem Preisgeld  von 70.000 Schweizer Franken (umgerechnet 58.000 Euro) hat sie im  Engadin auch schon zwei Täschchen eines Nobel-Designers abgeräumt.  "Aber ich habe zwei Schwestern! Das bedeutet, dass ich noch eine  Tasche gewinnen muss", sagte sie schmunzelnd.

Marco Mader, sid

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