Undisziplinierte Diva soll gehenWölfe planen ohne D'Alessandro
Andres D'Alessandro hat sich beim VfL Wolfsburg ins Abseits gedribbelt. Dass der Spielmacher in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen wird, gilt als sicher.
Andres D'Alessandro hat sich beim VfL Wolfsburg ins Abseits gedribbelt. Zwei Spieltage vor Saisonabschluss zeichnet sich ab, dass der exzentrische Spielmacher beim niedersächsischen Fußball-Bundesligisten in dieser Saison nicht mehr zum Einsatz kommen wird. Mehr noch: Vieles deutet darauf hin, dass der Argentinier bei den "Wölfen" keine Zukunft mehr hat, obwohl sein Millionen-Vertrag bis zum 30. Juni 2010 datiert ist. Extravaganzen, fortwährende Disziplinverstöße und die jüngste Affäre um Nahrungsergänzungsmittel haben die ohnehin schon angespannte Situation um den 24 Jahre alten Olympiasieger und Südamerika-Meister eskalieren lassen. "Andres muss begreifen, worum es geht. Ich erwarte, dass er sich hundertprozentig in den Dienst der Mannschaft stellt und zeigt, dass er Teil der Mannschaft sein will", mahnte Manager Thomas Strunz an. Er stieß auf taube Ohren wie vor ihm schon Trainer Erik Gerets und die gesamte Clubführung. D'Alessandro macht, was er will. Wie schon in Argentinien, wo ihn seine Eskapaden den bezeichnenden Namen "El Cabezon" (Der Dickkopf) eingebracht haben. Das wusste der frühere Manager Peter Pander, als er den nur 1,74 Meter großen, schmächtigen Ideengeber im Sommer 2003 für die Rekordsumme von neun Millionen Euro von River Plate Buenos Aires zum VfL holte. Gestört hat es ihn nicht, denn mit Andres D'Alessandro kam nach dem Ende der Effenberg-Episode wieder etwas Flair aus der großen Fußball-Welt in das beschauliche Wolfsburg. Das war aber auch schon der einzige Nutzen, denn auf dem Platz bewegte sich der vermeintliche Weltstar zwischen Welt-und Kreisklasse. Das erste Jahr in Wolfsburg mit 29 Spielen und nur drei Toren waren noch mit dem Titel "Anlaufschwierigkeiten" überschrieben. Die jetzt zu Ende gehende Serie sah D'Alessandro -auch verletzungsbedingt -lediglich 17 Mal im VfL-Grün. Drei Tore und vier Torschuss-Flanken sind dabei herausgesprungen: für einen Mann seiner Klasse viel zu wenig. Die magere Bilanz haben mittlerweile nicht nur bei Führung und Fans für Unmut gesorgt. Auch die Kollegen sind nicht mehr bereit, sich schützend vor ihre launische Diva zu stellen, zumal ein gemeinsames Essen Anfang April und die daraus resultierenden Treueschwüre nur Lippenbekenntnisse blieben. "Er schadet mit seinem Verhalten nicht nur sich, sondern der Mannschaft", kritisierte Pablo Thiam. Das ist unbefriedigend, denn spätestens zur neuen Saison soll wieder jene Aufbruchstimmung einziehen, die den VfL im vergangenen Herbst bis an die Bundesliga-Spitze geführt hat. Ein Dauer-Störfaktor wie D'Alessandro würde da nur hinderlich sein. Und so spricht alles für Scheidung oder wenigstens für Trennung von Tisch und Bett - sprich Ausleihe -, denn der Kaufpreis für den Argentinier dürfte den normalen Rahmen sprengen. Der Hamburger SV hat schon angeklopft, aber auch da wäre D'Alessandro momentan nur Wunschkandidat Nummer zwei hinter Rafael van der Vaart von Ajax Amsterdam.