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Vettel über F1-Wahnsinn in der Wüste: "Bremspedal ist kein Begriff"

Nachdem Sebastian Vettel als Held aus dem Chaos von Abu Dhabi hervorgegangen war, vergaß der Weltmeister im Überschwang der Gefühle sogar für einen Moment seine gute Kinderstube. Er goss dem überraschten Moderator David Coulthard nach seinem sensationellen dritten Platz das Rosenwasser in den Nacken, und auch um seine Wortwahl kümmerte er sich nicht mehr. "Es besteht immer die Gefahr, dass es beschissen läuft", sagte der sonst so wohlerzogene Formel-1-Champion noch vornehm übersetzt: "Aber es ist nicht so gekommen." In der Pressekonferenz nach dem gefühlten Sieg aus der Boxengasse präsentierte sich der Red-Bull-Pilot dann schon aufgeräumter. Fragen an den alten und neuen WM-Führenden.

Haben Sie vor dem Rennen daran geglaubt, am Ende hier oben mit auf dem Siegerpodest zu stehen?

Anschließend fühlte sich Vettel wie der Sieger.
Anschließend fühlte sich Vettel wie der Sieger.(Foto: AP)

Vettel: Ja, daran hab ich geglaubt, ehrlich gesagt. Nach den ersten Runden war das Ziel zwar etwas aus den Augen. Ich hatte keine sauberen Runden und dann war auch noch der Frontflügel kaputt. Ich habe mir gesagt: Volle Attacke oder nichts.

Wie ist dieses verrückte Rennen denn aus Ihrer Sicht weiter verlaufen?

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen sollte. Einmal das Feld von hinten aufzurollen ist schon schwer, wir haben es heute zweimal gemacht. Es hat uns heute von Anfang an ausgezeichnet, dass wir daran geglaubt haben.

Was war los, als Sie hinter Daniel Ricciardo vom Red-Bull-Schwesterteam Toro Rosso in der Safety-Car-Phase ein Hinweisschild zertrümmert haben?

Das war eine blöde Situation. Er hat die ganze Zeit den Abstand nach vorne schleifen lassen und hart gebremst. Ich war in dem Moment vielleicht nicht hundertprozentig aufmerksam. Ich musste nach rechts ausweichen. Genau in dem Moment steht da dieses blöde Pappdeckelschild da. Das war keine Hilfe. Da war der Frontflügel endgültig hin.

Wie wichtig ist so ein Rennen mit so einem Ergebnis nach dem Rückschlag mit der Zurückversetzung wegen der Tankpanne?

Sehr wichtig, aber viel wichtiger ist, dass man den sogenannten Rückschlag gar nicht als Rückschlag annimmt. Wenn man sich nicht niederboxen lässt, muss man auch nicht wieder aufstehen. Genauso ist es, wenn einem von allen Seiten auf die Schulter geklopft wird. Wenn man sich selbst nicht erlaubt, mit den Füßen den Boden zu verlassen, kann man auch nicht so weit runterfallen. Ich glaube, man ist niemals so gut wie die Leute sagen und man ist auch niemals so schlecht.

Wo rangiert dieses Rennen in Ihrer persönlichen Rangliste?

Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, man kann Rennen schwer miteinander vergleichen. Jedes Rennen ist besonders. Natürlich war das Rennen heute ein ganz eigenes. Aus der Boxengasse zu starten ist in der Regel nicht so schön. Trotzdem haben wir das Beste draus gemacht und ein Podium rausgeholt. Viele Punkte und am wichtigsten: Es hat viel Spaß gemacht.

Die WM ist nun in greifbarer Nähe. Wie groß ist die Vorfreude auf das nächste Rennen in zwei Wochen in Austin?

Punkte haben wir heute keine gewonnen, aber mit Sicherheit nicht so viele verloren, wie es anfangs des Rennens aussah. Wir müssen voll angreifen in Amerika und alles geben. Der Rest wird sich zeigen. Bremspedal ist für alle im Moment kein Begriff. Wir stehen alle auf dem Gas.

Quelle: n-tv.de

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