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"Bernie hat das Geschäft für den Großteil seines Lebens geführt. Da ist es klar, dass der Wechsel schwierig wird": Charles G. Carey.
"Bernie hat das Geschäft für den Großteil seines Lebens geführt. Da ist es klar, dass der Wechsel schwierig wird": Charles G. Carey.(Foto: dpa)
Dienstag, 24. Januar 2017

Ecclestones Erbe "kein Diktator": Chase Carey herrscht jetzt über die Formel 1

Er ist Harvard-Absolvent, gilt als Sport-Freak und knallharter Geschäftsmann: Chase Carey soll die Königsklasse des Motorsport in eine erfolgreiche Zukunft führen. Gleich zu Beginn kritisiert er seinen Vorgänger Bernie Ecclestone. "Es war eine One-Man-Show."

Charles G. Carey, genannt Chase, ist kein Mann für die zweite Reihe. Das musste auch Bernie Ecclestone längst klar sein. "Ich bin ein bisschen zu alt, um ein Lehrling zu sein", sagte Carey bereits Mitte September beim Formel-1-Rennen 2016 in Singapur, als er Ecclestone erstmals die Show stahl. Die Kameramänner prügelten beinahe sich um die besten Bilder von Carey, Ecclestone war nur Statist - und wurde damals fast umgerannt.

Neulich in Singapur: Chase Carey und Bernie Ecclestone.
Neulich in Singapur: Chase Carey und Bernie Ecclestone.(Foto: imago/LAT Photographic)

Vier Monate später ist Ecclestone Geschichte. Als Carey das erste Mal gefragt wurde, ob er der neue starke Mann in der Königsklasse des Motorsports werden wolle, musste er überlegen. "Zehn Sekunden, und dann hab ich ja gesagt." Und nun ist Carey, 1954 geboren, US-Amerikaner, Harvard-Absolvent und ehemaliger Präsident von 21st Century Fox, der Nachfolger Ecclestones. Sein Ego ist nicht minder groß. Der Mann mit dem altmodischen Zwirbelbart könne andere Alphatiere "zum Frühstück verspeisen", sagen Weggefährten. Doch der Machtmensch ist - anders als Ecclestone - auch fähig zum Konsens.

Der Erfolg eines Unternehmens basiere auf erfolgreicher Führung, die "versteht, was alle Parteien wollen", sagt Carey, der als enger Vertrauter des Medien-Moguls Rupert Murdoch gilt, es müssten auch mal "Kompromisse gemacht werden". Nein, eine Diktatur werde es unter ihm nicht mehr geben, sagte Carey: "Bernie hat das Geschäft alleine geführt. Es war eine One-Man-Show." Das solle natürlich keine Kritik an Ecclestone sein. "Das ist einfach die Realität." Schließlich sei es so, betonte er im Gespräch mit dem englischen TV-Sender Sky Sports, wie das Fachmagazin "Auto, Motor und Sport" berichtete: "Bei der Analyse der Zahlen haben wir erkannt, dass das Geschäft vor allem in den letzten vier oder fünf Jahren nicht mehr gewachsen ist. Das volle Potenzial wurde nicht ausgeschöpft."

"Was mehr in meinen Adern ist, ist Sport"

Daher gelte es nun, die Formel 1 neu zu strukturieren, damit der Sport in der heutigen Welt wieder wächst. Und wir müssen mit unseren Partner zusammenarbeiten, damit wir das Bestmögliche aus dem Sport herausholen - auch mit Blick auf die Fans". Ansonsten fand Carey, ganz professionell, auch lobende Worte für seinen Vorgänger. "Ich habe ehrlichen Respekt vor ihm. Bernie verdient Anerkennung für das Geschäft, das er in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat. Es wurde gerade für acht Milliarden US-Dollar verkauft. Das ist doch der ultimative Beweis für den Wert, den er geschaffen hat. Das ist für alle sichtbar."

Deutlich wurde, wie sehr Carey um Ausgleich bemüht ist, schließlich bekam er den neuen Job nur, weil Ecclestone beinahe über Nacht entmachtet wurde. "Bernie hat das Geschäft für den Großteil seines Lebens geführt. Da ist es klar, dass der Wechsel schwierig wird und Herausforderungen beinhaltet. Ich hoffe, dass wir einen gemeinsamen Weg finden werden. Ich möchte, dass er sich gut dabei fühlt. Er war immer Teil der Formel 1-Familie. Ich möchte, dass er auch weiter ein Teil bleiben wird. Ich weiß aber auch, dass es eine große Veränderung für ihn ist."

Und wie hält er es, also Carey, mit dem Motorsport? Benzin habe er nicht im Blut: "Was mehr in meinen Adern ist, ist Sport." Der 62-Jährige gilt als Fan des Baseballteams der New York Yankees und soll gebrauchte Stühle aus dem alten Yankee-Stadion in seinem Büro stehen haben. Während seines Studiums spielte er Rugby. In den 1980er Jahren etablierte Carey für Murdoch die Fox-Senderkette in den USA und war auch die treibende Kraft hinter dem Sport-Engagement des TV-Riesen - er fädelte unter anderem den Rechte-Deal des Senders mit der NFL ein. Die Kultur in der Formel 1 wird sich mit Carey auf jeden Fall ändern. Er versichert, nicht am schnellen Profit interessiert zu sein. Mit der Königsklasse habe er "langfristige Visionen", sagt Carey. Beim Weg in die Zukunft, heraus aus der Krise, ist er jetzt der Mann in der ersten Reihe.

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Quelle: n-tv.de

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