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So feiern Sieger: Lewis Hamilton.
So feiern Sieger: Lewis Hamilton.(Foto: imago/LAT Photographic)
Montag, 17. Juli 2017

Formel-1-Lehren aus Silverstone: Hamilton weltmeisterlich, Vettel chancenlos

Lewis Hamilton ist wieder in Titelform - und sein Mercedes wird immer beherrschbarer. Für Sebastian Vettel liegt ein entscheidender Faktor auch nach dem Großen Preis von Großbritannien im Kampf um die besten Startplätze - eine Silberpfeil-Domäne. Nur noch einen Punkt führt der Ferrari-Pilot im Formel-1-Klassement vor Silverstone-Sieger Hamilton. Dessen Teamkollege Valtteri Bottas ist bis auf 23 Zähler herangekommen.

Immer wieder die Reifen

Wirklich sehr bedauerlich: Sebastian Vettel.
Wirklich sehr bedauerlich: Sebastian Vettel.(Foto: imago/Eibner)

Am Ende musste Vettel froh sein, überhaupt noch die Ziellinie zu sehen. Nachdem ein Reifen an seinem Dienstwagen geplatzt war, schleppte er in Silverstone seinen lädierten Ferrari als Siebter ins Ziel und büßte fast die komplette WM-Führung von zuvor 20 Punkten ein. Vettel bemühte sich um Zurückhaltung, direkt anklagen wollte er Hersteller Pirelli nicht. An seinem Wagen und am Auto des Kollegen Kimi Räikkönen hielt der linke Vorderreifen kürzer als erwartet und laut Vettel auch vorhergesagt.

Es sei wirklich sehr bedauerlich, erklärte Pirelli und kündigte eine Analyse zusammen mit dem Team an. Interessant ist, dass zu Saisonbeginn eher Rivale Mercedes Probleme mit den Reifen hatte und Ferrari dank einer clevereren Teststrategie im vergangenen Jahr im Vorteil war. Klar ist, dass es letztlich mitentscheidend sein wird im langen WM-Kampf, wer dauerhaft am besten mit den Reifen umgeht.

Mercedes hat die Diva immer besser im Griff

Der Silberpfeil wird wieder zum Siegerpfeil, selbst wenn es nach Hamiltons Getriebetausch in Österreich nun Bottas erwischte. Drei der jüngsten vier Rennen gewann Mercedes - zweimal Hamilton, einmal Bottas. Immer besser bekommen die Fahrer mit ihren Ingenieuren und Mechanikern das Setup hin, um die Power des stärksten Motors im Feld auch optimal auf die Strecke zu bringen. Weil das zu Saisonbeginn mit dem Wagen noch nicht so ganz klappte, hatte Teamchef Toto Wolff ihn als Diva bezeichnet. Derzeit zeigt sie schon von ihrer guten Seite.

Der neue Ferrari-Motor reichte nicht

Pisten-Spruch

"Grosjean sollte sich einfach mal seine Statistik anschauen. Er sollte froh sein, dass er überhaupt Formel 1 fahren darf." Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff greift Haas-Pilot Romain Grosjean an, nachdem der Franzose eine Strafe für Lewis Hamilton gefordert hatte. Dieser hatte ihn im Training angeblich behindert, kam jedoch ohne Sanktionen davon.

Die angeblich 15 PS mehr durch den neuen Motor reichten auf dem Hochgeschwindigkeitskurs, auf dem 70 Prozent mit Vollgas gefahren werden, nicht. Selbst ohne die Reifenschäden an den Autos von Vettel und Räikkönen, der Dritter wurde, war ein Sieg für Ferrari nicht drin. Maßgeblich für den weiteren Saisonverlauf hält Vettel weiterhin die Qualifikation. "Da holen sie drei bis sechs Zehntelsekunden gegen uns auf den Geraden raus", sagte er. "Das schaffen wir nicht. Wir arbeiten daran, es geht aber nicht über Nacht."

Hamilton braucht seine Freiheiten

Sein Chef hat es gesagt: "In Frage zu stellen, ob ein dreimaliger Weltmeister, der auch noch dabei ist, Michael Schumachers Pole-Rekord zu schlagen, sich richtig vorzubereiten versteht, ist eine Beleidigung." Und so gewährte Wolff seinem Star die Freiheiten, die er anscheinend braucht. Dazu gehörte auch der Party-Ausflug auf die griechische Insel Mykonos vor dem Heimrennen, das Hamilton zum insgesamt fünften Mal gewann. Der dreimalige Weltmeister dominierte sein Heimrennen und badete danach überglücklich in der Fanmenge. In dieser Form dürfte der 32-Jährige in zwei Wochen in Budapest, auf einer seiner Paradestrecken, noch vor der Sommerpause in der WM-Wertung an Vettel vorbeiziehen. Auf dem Hungaroring gewann "LH44" bereits fünfmal - genauso oft wie nun in Großbritannien.

Vettel braucht wieder mehr Punkte

Nach Vettels bisher letztem Sieg - Großer Preis von Monaco - hat Hamilton 24 Punkte aufgeholt. Zwei Siege, einmal Vierter einmal Fünfter, so die Bilanz des Briten in den vergangenen vier Rennen. Vettel wurde einmal Zweiter, zweimal Vierter und nun in Silverstone Siebter. An eine Trendwende zur Saisonhälfte glaubt Hamilton aber dennoch nicht: "Es gibt Strecken, auf denen Ferrari stark ist und es gibt welche, auf denen wir es sind." Und es gibt Strecken, die liegen Hamilton einfach persönlich. So wie der Hungaroring, wo in zwei Wochen Saisonrennen Nummer elf steigt. Vettel blieb jedoch optimistisch und will in Budapest zurückschlagen - und sich am besten als Spitzenreiter in die Sommerpause verabschieden. "Ich verliere nicht gerne, ich hasse es."

Auch Bottas ist ein ernsthafter Konkurrent

Läuft für ihn: Valtteri Bottas.
Läuft für ihn: Valtteri Bottas.(Foto: imago/LAT Photographic)

Der zweite Platz des Finnen war eine weitere starke Leistung, obwohl er sehr von den Schwierigkeiten bei Ferrari profitierte. Ohne die Reifenprobleme an Räikkönens Auto wäre es nur der dritte Rang geworden, doch Bottas war zur Stelle, als die Konkurrenz schwächelte. Wegen einer Strafversetzung von Platz neun gestartet, holte der 27-Jährige das Maximale aus dem Rennen heraus. "Das war am Ende noch ein perfektes Wochenende", sagte der WM-Dritte, der nur noch 23 Zähler hinter Vettel liegt. Bottas holte seinen vierten Podestplatz in Folge.

Ricciardo hat's auch drauf

Startplatz 19 wegen diverser neue Teile in seinem Red Bull. Rennplatz fünf. Nur Hamilton und Bottas, sowie Räikkönen und sein eigener Red-Bull-Teamkollege Max Verstappen kamen vor Daniel Ricciardo ins Ziel. Natürlich profitierte der australische WM-Vierte auch vom Vettel-Pech. Ricciardo schloss von seiner Leistung aber nahtlos an seine vergangenen Rennen mit einem Sieg und vier dritten Plätzen an. "Irgendwie bin ich Fünfter geworden. Es hat Spaß gemacht", sagte er - und grinste mal wieder.

Hülkenberg sichert Renault die Punkte

Zum fünften Mal schaffte es Nico Hülkenberg in seinem ersten Jahr bei Renault in die Top Ten. Als Sechster kam er nach Vettels Reifenplatzer noch vor dem WM-Spitzenreiter ins Ziel und bekam dafür acht WM-Punkte. "Unsere Upgrades haben sehr gut funktioniert, und das ist ein toller Erfolg für das ganze Team." Dabei musste der 29 Jahre alte Rheinländer am Ende alles geben. Sein Motor verlor an Leistung. Als Gewinn erwies sich der neue Unterboden an seinem Renault. Und: "Wir kriegen noch weitere neue Teile. Ich bin recht optimistisch." Sein britischer Teamkollege Jolyon Palmer, ohnehin noch recht erfolgssuchend, konnte wegen eines technischen Defekts auf der Einführungsrunde bei seinem Heimrennen gar nicht starten.

Alonso gibt auf und lässt sich feiern

Standing Ovations bekommt der zweimalige Weltmeister aus Spanien nur noch selten. Am Samstag in Qualifying war es jedoch wieder soweit, nachdem Alonso im ersten Teilabschnitt sensationell Bestzeit vorgelegt hatte. Der 35-Jährige wechselte trotz nasser Strecke in letzter Sekunde auf Trockenreifen und raste so unter dem Jubel der Zuschauer zwischenzeitlich ganz nach vorne. Da an seinem McLaren-Honda wieder mal umfangreich Teile gewechselt werden mussten, startete er nur vom Ende des Feldes. Wegen technischer Probleme schaffte es Alonso anschließend nicht ins Ziel und musste vorzeitig aufgeben.

Quelle: n-tv.de

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