Donnerstag, 29. Juli 2010
Massa, Alonso und die Teamorder: Neue Vorwürfe gegen Ferrari
Die Diskussion um Ferrari und die verbotene Teamorder des Formel-1-Rennstalls geht weiter. Felipe Massa sei in Hockenheim sogar dreimal aufgefordert worden, seinen Kollegen Fernando Alonso vorbeiziehen zu lassen, heißt es nun.Im Überholskandal von Hockenheim wird Ferrari durch neue Details belastet. Das italienische Formel-1-Team habe Pilot Felipe Massa beim Großen Preis von Deutschland insgesamt sogar dreimal den versteckten Befehl erteilt, seinen Stallkollegen Fernando Alonso passieren zu lassen. Das berichtete das Fachmagazin "Auto, Motor und Sport".
In der 49. Runde war der führende Massa offensichtlich vom Gas gegangen, Alonso zog problemlos vorbei und gewann. Eine Teamorder ist in der Königsklasse jedoch verboten. Ferrari wurde nach dem Grand Prix von den Rennkommissaren zu einem Bußgeld von umgerechnet 78.500 Euro verurteilt. Über weitere Sanktionen entscheidet der Motorsport-Weltrat des Internationalen Automobilverbands Fia. Ein Termin für die Verhandlung gegen die Scuderia stehe aber noch nicht fest, sagte eine Sprecherin.
"Tut mir leid, Junge"
ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk, zwölf Jahre lang selbst Mitglied des Weltrats, forderte eine harte Bestrafung für Ferrari. "Es kann nicht sein, dass man sich mit 100.000 Dollar Strafe auch in der Zukunft WM-Punkte oder WM-Vorteile sozusagen erkaufen kann, obwohl man eindeutig gegen bestehende Regeln verstößt", sagte Tomczyk der Zeitung "Die Welt". Sowohl eine Aberkennung von Punkten für die Fahrer und das Team wie auch eine Sperre für mehrere Rennen sei möglich, befand der ADAC-Funktionär.
Als klares Indiz für eine verbotene Teamorder bei Ferrari wertet die Fia offensichtlich die Entschuldigung von Massas Renningenieur Rob Smedley nach dem dubiosen Überholmanöver. "Gut gemacht, Felipe. Tut mir leid, Junge", hatte Smedley im Boxenfunk gesagt. Zuvor ließ die Teamleitung Massa mehrfach via Funk wissen: "Alonso ist schneller. Hast Du das verstanden? Kannst Du das bitte bestätigen?" Dies wird von Experten als kaum verschlüsselte Aufforderung an den Brasilianer verstanden, den zweimaligen Weltmeister aus Spanien vorbei zu lassen.
dpa
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