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Bedankt sich bei seinem Team: Sebastian Vettel.
Bedankt sich bei seinem Team: Sebastian Vettel.(Foto: AP)
Sonntag, 09. Oktober 2011

Deutscher dominiert die Formel 1: "Sebastian, du bist Weltmeister"

Die Formel-1-Saison ist entschieden - und Sebastian Vettel erneut Weltmeister. Beim Großen Preis von Japan reicht ihm der dritte Platz. Als Vettel über die Ziellinie rast, erstickt seine Stimme in Freudentränen.

Suzuka-Sause ohne Triumphfahrt: Sebastian Vettel hat sich zum jüngsten Doppel-Weltmeister der Formel-1-Geschichte gekrönt, den Sieg beim Japan-Rennen aber Jenson Button überlassen müssen. Platz drei hinter dem britischen McLaren-Fahrer und Ferrari-Star Fernando Alonso genügte dem Red-Bull-Piloten aus Heppenheim zum zweiten Titelgewinn hintereinander - und das im Alter von 24 Jahren und 98 Tagen.

"Sebastian, du bist Weltmeister 2011 - toll gemacht", funkte Red-Bull-Teamchef Christian Horner seinem Champion bei der Zieleinfahrt zu, was Vettel zunächst trocken kommentierte: "Ich hätte es vorgezogen, zu gewinnen." Danach konnte der Formel-1-Dominator seine Tränen nicht mehr zurückhalten. "Danke an alle, wirklich alle", schluchzte Vettel.

Der Red Bull darf die "1" auch im Jahr 2012 behalten.
Der Red Bull darf die "1" auch im Jahr 2012 behalten.(Foto: REUTERS)

Nach der Ehrung gab sich Vettel bei den Interviews ganz offen. "Ich bin ein bisschen sprachlos, es ist genauso verwirrend wie beim ersten Titel", sagte Vettel, bevor er sich bei seinem Team und seiner Familie für die Unterstützung bedankte: "Das ganze Jahr war ein Traum. Und es ist noch nicht vorbei."

Public Viewing in Heppenheim

Im fünftletzten Saisonrennen machte er 329 Tage nach seinem ersten WM-Titel im damaligen Herzschlagfinale diesmal frühzeitig alles klar. Früher krönten sich in der Historie lediglich Nigel Mansell vor 19 und Michael Schumacher vor 9 Jahren zum PS-König. Trotz seines dritten Saisonsieges kann Button mit nun 210 WM-Punkten Vettel (324) im Gesamtklassement nicht mehr einholen. In Deutschland verfolgten seit 7 Uhr morgens in Vettels 23.000-Einwohner-Heimatort Heppenheim an der Bergstraße mehrere tausend Motorsport-Fans den Triumph ihres Helden. Gebannt schauten sie dem aggressiven WM-Ritt Vettels zu.

Bereits am Start demonstrierte der Heppenheimer seine Entschlossenheit und blockte einen Angriff des hinter im postierten einzig verbliebenen WM-Kontrahenten Button ab. "Dafür bekommt er sicher eine Strafe", schimpfte der ausgebremste Brite. Die Rennleitung blieb jedoch milde und Vettel straffrei. In der Folge konnte der 24-Jährige seine Führung zunächst kontinuierlich ausbauen.

Im üblichen Reifenpoker musste Vettel jedoch auch seiner forschen Fahrt Tribut zollen. Button kam mit den unterschiedlichen Reifenmischungen aufgrund seiner sanfteren Fahrweise besser zurecht. In Runde 21, zu diesem frühen Zeitpunkt waren Vettel und Button schon mit dem dritten Reifensatz unterwegs, revanchierte sich der Brite für das riskante Startmanöver und kam vor Vettel aus der Box.

Ein dritter Platz für den Titel: Sebastian Vettel küsst den Pokal des Großen Preises von Japan.
Ein dritter Platz für den Titel: Sebastian Vettel küsst den Pokal des Großen Preises von Japan.(Foto: AP)

Drei Umläufe später beruhigte sich das Geschehen vorübergehend. Das Safety-Car musste heraus, da sich Buttons McLaren-Kollege Lewis Hamilton einmal mehr als Rennrüpel präsentierte und kurz zuvor mit Ferrari-Pilot Felipe Massa kollidiert war. Carbon-Teile auf der Strecke mussten nun eingesammelt werden. Vettel konnte nicht profitieren: Button düste nach dem Re-Start erneut weg.

Volles Risiko

Auf Sicherheit wollte der Champion den Titel aber nicht nach Hause fahren. Volles Risiko ging er erneut, als er als erster Top-Fahrer auf harte Reifen wechselte und sich fortan durch das Feld wieder mühsam nach vorne arbeiten musste. An den diesmal wie entfesselt fahrenden Button kam Vettel nicht mehr heran.

Vettel-Kumpel Schumacher führte derweil auf den 53 Runden von Suzuka von den insgesamt 307,471 Kilometern einige Zeit das Feld an. Fünf Jahre nachdem er auch in Suzuka zuletzt als Spitzenreiter unterwegs war, durfte sich der inzwischen 42 Jahre alte Rekordweltmeister damit vorübergehend wieder als Top-Fahrer fühlen. Der Mercedes-Pilot wurde am Ende Sechster.

Teamkollege Nico Rosberg, der aufgrund von Hydraulik-Problemen in der Qualifikation vom letzten Platz aus gestartet war, kam als Zehnter ins Ziel. Force-India-Pilot Adrian Sutil wurde Elfter, Timo Glock im unterlegenen Marussia Virgin 20.

Das gesamte Wochenende über hatte die Red-Bull-Crew alles getan, um Vettel vorzeitig zum Weltmeister zu machen. Am Samstag hatte sich der alte und neue Champion auch dank eines neuen Frontflügels, der erst 27 Minuten vor der Qualifikation aus England eingetroffen war, seine zwölfte Pole Position der Saison gerettet.

Emotionen in Japan

Offenbar auch in Suzuka beliebt: Der alte und neue Weltmeister.
Offenbar auch in Suzuka beliebt: Der alte und neue Weltmeister.(Foto: dpa)

Gefühle zeigte die Machowelt der Formel 1 bereits vor dem Start. Angesichts der Erdbeben-Katastrophe und dem folgenden Reaktor-Unfall in der Provinz Fukushima im März hatten nahezu alle Fahrer mit unterschiedlichen Gesten ihr Mitgefühl mit dem japanischen Volk ausgedrückt. Auf Einladung des Sauber-Piloten Kamui Kobayashi sang ein Mädchenchor die japanische Nationalhymne. In dem vor allem für Kobayashi emotionalen Heimrennen raste der Japaner auf Platz 13.

Nach der Ehrenrunde, in der er von Mercedes-Pilot Michael  Schumacher eskortiert wurde, klatsche der zweitplatzierte Fernando Alonso mit Vettel ab. Dann kletterte der Champion auf sein Auto, riss die Arme in die Höhe und zeigte den Vettel-Finger. Wie von der Tarantel gestochen rannte er dann zu seinen Mechanikern und fiel ihnen in die Arme. Button, der seinen McLaren-Mercedes schon kurz hinter der Ziellinie abgestellt hatte, empfing den Triumphator mit einem Handschlag im Hinterzimmer vor der Siegerehrung.

Insgesamt hat Vettel in diesem Jahr neun Siege geholt und könnte immer noch den Saisonrekord von Michael Schumacher aus dem Jahr 2004 (13 Siege) einstellen. "Das ist eine ganz besondere Situation für Sebastian", sagte Schumacher über seinen Freund: "In welcher Art und Weise er diesen Titel geholt hat, das ist einfach sehr speziell." Alonso bedankte sich bei Vettel für eine WM, die "Spaß gemacht hat". Auch Button zollte ihm Respekt. "Sebastian hat toll gearbeitet. Egal, wie wir uns angestrengt haben, er war nicht zu schlagen", sagte Button.

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Quelle: n-tv.de

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