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Applaus, Applaus: Sebastian Vettel in Abu Dhabi.
Applaus, Applaus: Sebastian Vettel in Abu Dhabi.(Foto: dpa)

Alonso verzweifelt am Weltmeister: Vettel als barbarischer Buchhalter

Von Stefan Giannakoulis

Während Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel mit einer grandiosen Aufholjagd beim Grand Prix in Abu Dhabi auftrumpft, flüchtet sich Fernando Alonso in mystische Spruchweisheiten. Denn auch der Spanier weiß: Sein deutscher Rivale fährt wie ein echter Champion. Und überholen kann er auch.

Am Ende blieb Fernando Alonso nur noch die Flucht ins Mystische. "Ein Samurai arbeitet ohne Unterlass, ohne die geringste Ermüdung oder sich auch nur im geringsten entmutigen zu lassen, bis er das Ziel erreicht hat", schrieb der Spanier auf Twitter. Was soll er auch machen?

Punktesystem in der Formel 1

1. Platz: 25 Punkte - 2. Platz: 18 Punkte
3. Platz: 15 Punkte - 4. Platz: 12 Punkte
5. Platz: 10 Punkte - 6. Platz: 8 Punkte
7. Platz: 6 Punkte - 8. Platz: 4 Punkte
9. Platz: 2 Punkte - 10. Platz: 1 Punkt

Er hatte sich das mutmaßlich so schön ausgerechnet vor dem Formel-1-Rennen in Abu Dhabi. Weil Weltmeister Sebastian Vettel bei der Qualifikation einen Schluck Benzin zu wenig im Tank seines Red Bulls hatte, musste der Deutsche beim Rennen am Sonntag statt von Rang drei den Regeln entsprechend vom letzten Platz aus starten. Selbst Teamchef Christian Horner war davon ausgegangen, dass Vettel höchstens "vielleicht Siebter, Achter werden könnte". Für Platz acht hätte er vier Punkte bekommen, elf weniger, als er am Ende als Dritter einfuhr. Und Alonso hätte sich mit seinem zweiten Rang an die Spitze der Wertung in der Weltmeisterschaft gesetzt. Nun aber sagt er: "Wenn das Schwert bricht, kämpfe mit der Hand. Wenn sie dir deine Hände abhacken, schlag den Feind mit deinen Schulter, wenn es sein muss mit den Zähnen." Klingt ein wenig nach dem Monty-Python-Film "Die Ritter der Kokusnuss".

Das gab es selten in der Königsklasse

Denn Vettel führt immer noch das Klassement an, mit 255 Punkten nach 18 von 20 Rennen. Fernando Alonso hat in seinem Ferrari zwar nur zehn statt 13 Zähler weniger auf dem Konto. Aber was ist das schon gemessen daran, was er sich erhofft hatte? Und da berechtigter Grund zur Annahme besteht, dass der Deutsche nun nicht regelmäßig aus der Boxengasse starten wird, spricht wenig dafür, dass der Spanier diesen Rückstand bei den Rennen am 18. November in den USA und eine Woche später in Brasilien aufholen wird. Nicht, nachdem Sebastian Vettel derart grandios aufgetrumpft hat. Und nun vor seinem dritten Titelgewinn in Folge steht. Weil er Auto fährt wie ein echter Champion.

"Wenn es sein muss, mit den Zähnen": Fernando Alonso.
"Wenn es sein muss, mit den Zähnen": Fernando Alonso.(Foto: AP)

Genau 21 Plätze hat er in der Wüste von Abu Dhabi gutgemacht. Das gab es selten in der Königsklasse des Motorsports. Vor 23 Jahren fuhr der heutige RTL-Experte Christian Danner von Rang 26 auf vier. Vettel jedenfalls resümierte: "Die Gefahr, hier und heute alles in den Sand zu setzen, war sehr groß. Deswegen ist es umso schöner, jetzt hier oben auf dem Podest zu stehen. Wir haben das Rennen heute bei den Hörnern gepackt." Das britische Boulevardblatt "The Sun" titelte: "Sebastian Vettel ist das Rennen seines Lebens gefahren." Die italienische "La Gazzetta dello Sport" schwärmte: "Herzschlagduell in der Wüste", der "Corriere dello Sport", als italienische Zeitung erteilte Vettel den Ritterschlag: "Der kaltblütige Buchhalter ist ein Barbar geworden", der Schweizer "Blick" schrieb: "Wir ziehen den Hut vor diesem Teufelskerl".

Und der Kollege Lewis Hamilton, der seinen McLaren in Führung liegend wegen eines technischen Defektes hatte abstellen müssen, mutmaßte: "Er muss der glücklichste Mensch in der Formel 1 sein." Ferraris Teamchef Stefano Domenicali tat so, als habe er damit gerechnet: "Wir wussten, dass er da sein würde." Vettel hat bewiesen, dass er ein Rennen nicht nur von der Spitze aus kontrollieren kann. Schließlich startete er bei seinen bisher 26 Siegen nur zweimal nicht aus der ersten Reihe. Vor zwei Jahren in Malaysia und Ende September dieses Jahres in Singapur. Nun hat er die Kritiker widerlegt, die stets bemängelten, er könne nicht überholen. Alonso hatte unlängst gelästert: "Wir fahren gegen Adrian Newey und nicht gegen Vettel." Ein kleiner Hinweis darauf, dass der Ingenieur, Designer und Technik-Direktor bei Red Bull seinem Rivalen schlicht und ergreifend das bessere Auto zur Verfügung stelle.

Da klingt es fast wie eine Drohung, wenn Vettel nach der furiosen Aufholjagd am Sonntag sagte, dass der Sieg in Abu Dhabi durchaus in greifbarer Nähe gewesen sei. Aber auch er weiß um die Hartnäckigkeit eines Samurais. Deswegen spricht er lieber nicht vom Titel. "Wichtig ist, dass man immer weiß, worauf es ankommt und dass man, egal ob man gerade in den Himmel gelobt oder eine schwere Phase hat, immer ganz fest mit beiden Beinen am Boden bleibt und auf das Wesentliche schaut. Abgerechnet wird zum Schluss."

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