Sport
Sebastian Vettel fuhr im Qualifying nicht allen davon, aber immerhin Fernando Alonso.
Sebastian Vettel fuhr im Qualifying nicht allen davon, aber immerhin Fernando Alonso.(Foto: dpa)

Qualifying zum Formel-1-Showdown: Vettel patzt, Alonso patzt noch mehr

Sebastian Vettel verpasst eine Top-Ausgangsposition für das Saisonfinale in der Formel 1, untermauert aber seinen Titel-Anspruch. Der WM-Spitzenreiter muss sich in der Qualifikation zum Großen Preis von Brasilien mit dem vierten Platz zufriedengeben. Immerhin: Damit liegt er deutlich vor WM-Rivale Fernando Alonso. Einen Titel hat er eh schon sicher.

Zufrieden mit Platz vier war er dennoch nicht.
Zufrieden mit Platz vier war er dennoch nicht.(Foto: dpa)

Sebastian Vettel kniete gedankenverloren in der Box, seine Augen klebten am Bildschirm. Den Zeigefinger verkniffen in den Mund gesteckt, schaute sich der Formel-1-Weltmeister auf dem TV-Schirm missmutig noch einmal seine letzte Qualifikationsrunde an. Diese hatte zwar nur für Startplatz vier am Sonntag (17 Uhr MEZ/RTL und n-tv.de Liveticker) in São Paulo gereicht, doch eigentlich war der Red-Bull-Pilot damit der große Gewinner.

WM-Rivale Fernando Alonso (Ferrari), der ohnehin die Hypothek von 13 Punkten Rückstand trägt, startet nämlich noch drei Plätze weiter hinten. Eigentlich wären es sogar vier gewesen, doch der Sechstplatzierte Pastor Maldonado im Williams wurde nachträglich um zehn Plätze strafversetzt, weil er nach dem Qualifying nicht an der Waage gehalten hatte. Dadurch rückte Alonso einen Platz vor.

WM-Stand nach 19 v. 20 Rennen
  1.Sebastian VettelRed Bull273
  2.Fernando AlonsoFerrari260

>> Fahrer-WM/Team-WM komplett

Trotzdem hat Vettel damit allerbeste Chancen, am Sonntag seinen Titel-Hattrick perfekt zu machen und in dieser Kategorie zum legendären Juan Manuel Fangio und Rekordchampion Michael Schumacher aufzuschließen. Ein vierter Rang reicht Vettel unabhängig von Alonsos Abschneiden zum erneuten Titelgewinn. "Der Platz ärgert mich auch jetzt", sagte Vettel dennoch frustriert: "Wir wissen, dass es kein Zuckerschlecken ist, und wir wussten, dass es extrem eng wird. Hier und da war ich ein bisschen zu schüchtern. Insgesamt müssen wir aber mit Platz vier zufrieden sein, es gibt genug Beispiele, dass man von Platz vier gewinnen kann."

Das Wetter schlägt Kapriolen

Felipe Massa will sich sein Heimspiel auf keinen Fall von einem erneuten fingierten Getriebeschaden vermiesen lassen.
Felipe Massa will sich sein Heimspiel auf keinen Fall von einem erneuten fingierten Getriebeschaden vermiesen lassen.(Foto: AP)

Für zusätzliche Spannung könnten aber die Wetterverhältnisse sorgen. Eine Stunde vor dem Qualifying regnete es heftig, in der Qualifikation dann nicht mehr. Für Sonntag ist Regen während des Rennens angekündigt. "Wir konzentrieren uns auf unseren Start, die Starts waren in letzter Zeit sehr gut. Im Rennen sind wir gut unterwegs, egal ob trocken oder nass", sagte Vettel. Spannend wird auch, ob Ferrari sich wieder am Getriebe von Felipe Massa zu schaffen macht. Der würde als Fünfter wieder vor Alonso starten. Zuletzt in Austin provozierte Ferrari die Rückversetzung des Brasilianers um fünf Plätze, um Alonso einen nach vorne und auf die saubere Seite zu hieven. Massa will das in seiner Heimatstadt aber nicht nochmal mit sich machen lassen: "Auf keinen Fall. Das lass ich nicht zu. Selbst wenn es kaputt ist. Dann fahre ich halt mit einem kaputten Getriebe." "Das ist nicht unsere Entscheidung", sagte Vettel, der selbst hinter Teamkollege Webber starten würde: "Es lohnt sich nicht drüber nachzudenken."

Die Pole Position sicherte sich Lewis Hamilton im McLaren vor Teamkollege Jenson Button und Vettel Stallrivale Mark Webber. Schumacher verpasste derweil im letzten Qualifying seiner Karriere Q3 und startet nur von Rang 14. Will er erstmals nach sechs Rennen zum Abschluss punkten, muss er also mindestens vier Plätze wettmachen. Die Hoffnung gab er aber nicht auf. "Wir waren wohl ein bisschen zu sehr auf nasse Verhältnisse abgestimmt", sagte er: "Aber mal abwarten. Überraschungen sind immer möglich." Mehr Hoffnungen auf den ersten Mercedes-Punkt seit fünf Rennen hat Nico Rosberg, der als Zehnter startet. Nico Hülkenberg (Force India), der vor zwei Jahren in Brasilien sensationell die Pole geholt hatte, geht als Siebter ins Rennen, Marussia-Pilot Timo Glock von Platz 21 aus.

Vettel ist der Runden-König

Den ersten "Titel" hat Vettel derweil schon sicher. Nach der schnellsten Rennrunde in 6 der bisherigen 19 Rennen ist in dieser Kategorie nicht mehr zu verdrängen und erhält am Sonntagmorgen um 11.20 den Pokal eines Sponsors. Im Vorjahr hatte diesen noch Teamkollege Mark Webber für insgesamt sieben schnellste Runden erhalten.

Vettel war in dieser Rangliste nach seinen Bestzeiten in Bahrain, Montréal, Budapest, Suzukua, Abu Dhabi und Austin sogar konkurrenzlos. Nach ihm folgen Rosberg (Valencia, Monza), Jenson Button und Kimi Räikkönen mit jeweils zwei. Auch Schumacher in Hockenheim und Hülkenberg in Singapur schafften bei jeweils einem Rennen die schnellste Runde. Insgesamt sind in der Liste 2012 elf Fahrer vertreten - nicht aber Alonso.

Mateschitz heizt Gerüchteküche an

Derweil hat Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz die eigentlich abgeebbten Gerüchte um einen möglichen Wechsel Vettels zu Ferrari unnötig befeuert. "Wenn ich Rennfahrer wäre, hätte ich auch vielleicht Freude daran, irgendwann einmal bei Ferrari zu fahren. Das ist nicht nur ganz natürlich, sondern durchaus legitim", sagt er den Salzburger Nachrichten: "Und wenn es jemals so sein sollte, wünschen wir ihm alles Gute, und dann würde halt Alonso oder Hamilton für uns fahren. Es geht letztlich um Sport, und da ist nur wichtig, dass es spannend bleibt."

Allerdings sei das Thema bisher "nur ein mediales und kein wirkliches. Sebastian hat mit uns nicht nur Verträge, sondern uns verbinden auch Loyalität und Freundschaft. Was nicht ausschließt, dass er Angebote von anderen Teams bekommt." Wie nahe er dem Team steht, beweist Vettel am Dienstag, wenn er unabhängig vom Ergebnis am Sonntag in die Red-Bull-Fabrik nach Milton Keynes reisen wird. Dort wird er sich bei allen 550 Angestellten für das erfolgreiche Jahr bedanken.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen