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Die Konkurrenz verbündet sich: Sebastian Vettel.
Die Konkurrenz verbündet sich: Sebastian Vettel.(Foto: AP/dpa)

Was Sie über die Formel-1-Saison wissen müssen: Vettel und die topfitten Verdächtigen

Von Christoph Wolf und Holger Preiss

Die Saison in der Formel 1 verspricht wieder großes Kino. Sebastian Vettel startet als Titelverteidiger - und ist von sich überzeugt. Doch die Konkurrenz schläft nicht, sondern verbündet sich. Wie Fernando Alonso und Lewis Hamilton.

Die vergangene Formel-1-Saison fing aufregend an. Sieben verschiedene Sieger in den ersten sieben Rennen, das gab es noch nie. Noch besser für die Fans war: die Saison hörte auch spektakulär auf. Den Spannungsbogen für das Saisonfinale hatte Alfred Hitchcock unter Mithilfe von Stephen King entworfen. Er bot mit Sebastian Vettels Aufholjagd vom Ende des Feldes und dem hauchdünnen Triumph vor Ferrari-Rivale Fernando Alonso ganz großes Formel-1-Kino.

Und 2013? Wird entspannter, gab Alonso vor dem Saisonstart in Melbourne zu Protokoll - ehe das Wetter der Formel 1 in der Qualifikation direkt einen chaotischen Auftakt bescherte. Ob Alonso dennoch recht behält, wer Vettels vierten Titel in Folge verhindern könnte, ob "Crashkid" Sebastien Grosjean wieder für Spektakel sorgt, was aus der Formel Deutsch geworden ist – hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Saisonstart.

Nach seinem Hattrick fährt Sebastian Vettel erneut um den Titel mit – wer noch?

Die üblichen Verdächtigen. Sagt Vettel. Mehr sagt er nicht. Aber er meint damit wohl vor allem sich. Und Alonso. In seinem vierten Jahr bei Ferrari steht der Spanier unter immensem Erfolgsdruck, nachdem die Scuderia den Titel in den vergangenen drei Jahren zweimal knapp verloren hat: 2010 durch eine katastrophale Boxenstrategie, 2012 durch Vettels famose Aufholjagd im Saisonfinale um winzige drei Punkte. Damit es diesmal klappt, brachte sich Alonso körperlich in die Form seines Lebens, verzichtete auf den Testauftakt im spanischen Jerez und spulte stattdessen Kilometer um Kilometer auf dem Rennrad und in Laufschuhen ab, schuftete im Kraftraum. Den Namen "Vettel" nimmt er nicht in den Mund, stattdessen verbündete sich der Spanier mit Lewis Hamilton. Beide bescheinigen sich in fluffigen Komplimenten, dass der jeweils andere der stärkste Gegner ist. Immerhin: Hamilton eine ernst zu nehmende Größe. Der ehemalige Weltmeister hat das Potential ganz vorne mitzuspielen. Die Unbekannte, die ihn stoppen kann ist wie bei Alonso vor allem das Auto.

Als ambitionierte Außenseiter gehen die beiden anderen Weltmeister im Formel-1-Feld ins Rennen: Jenson Button im McLaren und das finnische Partybiest Kimi Räikkönen im Lotus. Weitere Geheimfavoriten auf den Titel? Sind noch geheim.

Die Welt ächzt unter Schuldenkrisen, muss Fiskalklippen umschiffen, fürchtet Rezessionen – hat das auch Einfluss auf den Formel-1-Zirkus?

Hat es, und für deutsche PS-Freunde ist das eine gute Nachricht. Um nach dem primär geldnotgeschuldeten Formel-1-Aus an den Standorten Valencia und Istanbul und der mangels fertiger Rennstrecke abgesagten Formel-1-Premiere in New York eine weitere Ausdünnung des Rennkalenders zu verhindern, wird 2013 sogar auf dem klammen Nürburgring gefahren. Für Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ist das kein lohnendes Geschäft, aber immerhin sinkt die Zahl der Rennen damit nach dem Rekordjahr 2012 (erstmals 20!) nur auf 19 Grand Prix. Der seit 2004 betriebene Expansionskurs mit acht neuen Rennstrecken ist gestoppt. Auch die Zahl der Teams ist auf elf gesunken, Hispania Racing ist nicht mehr dabei. Dafür tummeln sich unter den 22 Piloten gleich fünf Neulinge - und erstaunlich viele Bezahlfahrer. "Die Formel 1 ist eine Riesenmaschinerie, ein Sport", stellt Sauber-Fahrer Nico Hülkenberg in der "Faz" fest, "aber auch ein Riesengeschäft, das richtig teuer ist."

Welche Rolle spielt das neue Regelwerk?

Eine untergeordnete, der große Umbruch kommt erst 2014 mit den neuen, grünen Turbo-Motoren. Für 2013 ist festzuhalten: Die unschönen Knicknasen der Vorsaison gibt es weiter, sie dürfen aber durch Blenden versteckt werden. Das Mindestgewicht der Autos steigt wegen der schwereren Reifen auf 642 Kilogramm. Der per DRS ("Drag reduction system") verstellbare Heckflügel darf in Training und Qualifying nur noch dort eingesetzt werden, wo er auch im Rennen erlaubt ist. Überholen wird erschwert. Sobald der Frontflügel neben dem Hinterrad des Vordermannes auftaucht, sind Schlenker verboten. Die moderaten Modifikationen, da sind sich die Experten einig, sollten Red Bull bevorteilen, das in der zweiten Saisonhälfte 2012 das schnellste Auto hatte. RB-Teamchef Christian Horner klagte dennoch: "Wir haben im letzten Jahr bis zum letzten Rennen um die WM gekämpft, darauf haben wir sehr viel Energie und Ressourcen verwendet. Deshalb hatten wir nicht so viel Zeit, um uns mit diesem Auto zu beschäftigen wie manch anderer."

Hat Mercedes endlich einen Silberpfeil?

Der neue Silberpfeil hat die Konkurrenz bei den ersten Testfahrten zur Saison 2013 verblüfft. Erst legte Neuzugang Lewis Hamilton eine famose Runde auf dem Circuit de Catalunya in Barcelona hin, dann unterbot Teamkollege Nico Rosberg diese Marke sogar - während sich Titelverteidiger Vettel mit über zwei Sekunden Rückstand hinterherfuhr.

Ich weiß nur nicht, wann": Lewis Hamilton.
Ich weiß nur nicht, wann": Lewis Hamilton.(Foto: dpa)

In Melbourne hat Red Bull die Verhältnisse zwar wieder gerade gerückt. Dennoch haben die ersten Ergebnisse der Silberpfeile die Konkurrenz auf den Plan gerufen. Nach Auswertung der Testdaten erkannten die Experten, dass Mercedes vor allem im kurvenreichen Mittelteil der Teststrecke Zeit herausholte. Hier kann nur schnell sein, wer sein Auto dank aerodynamischer Eingriffe auf der Strecke hält. Dazu bedarf es aber einer aktiven Aufhängung – und die ist in der Formel 1 verboten. Allerdings nur solange, wie das System elektronisch gesteuert wird. Mercedes experimentiert schon seit einiger Zeit mit einer hydraulischen oder pneumatischen Steuerung, wie sie auch vom Militär eingesetzt wird.

"Auto, Motor und Sport" mutmaßt, dass es sich hierbei um die "Front and rear interactive control" ("Fric") handelt - und dass gerade "Fric" für die vielen Probleme des Werksteams verantwortlich war. Knackpunkt ist offenbar, dass das System extrem komplex und anfällig ist und die Abstimmung auf die unterschiedlichen Rennkurse zu viel Zeit in Anspruch nimmt. In Barcelona standen Mercedes drei Wochen zur Verfügung. Nach den bitteren Erfahrungen der Vorsaison, als starken Tests eine schwache Saison folgte, fordert Hamilton Bodenhaftung: "Ich bin überzeugt davon, dass wir im Laufe der Saison mindestens einmal gewinnen können. Ich weiß nur nicht, wann."

Michael Schumacher ist im Ruhestand - wer sorgt fürs Spektakel?

Wer die Formel 1 nicht nur für fahrerische Spitzenleistungen, herausragende Ingenieurskunst und taktische Geniestreiche schätzt, wird 2013 auf seine Kosten kommen: Romain Grosjean fährt wieder mit. Das "Crashkid" im Lotus war bis zum Ende der letzten Saison in acht Unfälle verwickelt, bekam 2012 sogar ein Fahrverbot auferlegt und musste 50.000 Euro Geldstrafe zahlen. Mit drei Podestplätzen ließ er gleichzeitig seine fahrerische Brillanz immer wieder aufblitzen. Auch 2013 sollte der 26-jährige Franzose für einige Schlagzeilen gut sein.

Doppelt schön: Grosjeans Teamkollegen ist das andere "Enfant terrible" der Formel 1, Kimi Räikkönen. Der Finne ist ein genialer Fahrer, abgebrüht aber auch unberechenbar. Die Fans lieben ihn wegen seiner unkonventionellen Art. Die spiegelt sich nicht nur in seiner Fahrweise, sondern auch im Umgang mit dem Team. Vorgaben, Hinweise gibt es für Kimi nicht. Der Mann entscheidet aus dem Bauch und der hat ihn selten im Stich gelassen.

Im letzten Jahr war die Formel 1 eine Formel Deutsch - diesmal wieder?

Jein. Die Zahl der deutschen Fahrer in der Formel 1 hat sich, verglichen mit der letzten Saison fast halbiert. Statt sieben starten jetzt nur noch vier Deutsche in der Königsklasse. Und dennoch: Kein Land hat mehr Piloten am Start. Die Rollen sind klar verteilt: Weltmeister Vettel kämpft um den Titel, Nico Rosberg (Mercedes), Nico Hülkenberg (Sauber) und Rückkehrer Adrian Sutil (Force India) fahren um Punkte – und im Fall von Rosberg auch gegen einen drohenden Karriereknick. Obwohl er Rekordweltmeister Michael Schumacher drei Jahre lang im Griff hatte, ist er neben Lewis Hamilton nicht die unumschränkte Nr. 1 im Team. Nico Hülkenberg bei Sauber schon, von ihm werden in seiner dritten Formel-1-Saison erstmals auch Führungsqualitäten erwartet. Adrian Sutil träumt nach seiner Zwangspause schon wieder vom "W-Wort", Weltmeister will er werden, irgendwann. Sutil kann inzwischen aber auch tiefenpsychologische Töne: "Es gibt nur gute Zeiten, wenn es auch schlechte Zeiten gibt." Am Ende, sagt er, "ist das Leben ein Abenteuer". Die Formel 1 auch.

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Quelle: n-tv.de

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