Frankreich im WM-Check

Star-Ensemble um Mbappe und Olise nimmt größtmöglichen Coup ins Visier

imageVon Martin Armbruster
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Der General und sein Kapitän: Didier Deschamps und Kylian Mbappé wollen mit Frankreich den dritten WM-Titel erobern. (Foto: IMAGO/Uwe Kraft)
09.06.2026 | 18:24 Uhr
Frankreich reist als Topfavorit zur Fußball-WM. Kaum eine Mannschaft ist in der Breite so tief aufgestellt und kommt mit einer solch offensiven Wucht daher. Alles andere als der dritte Titel wäre für die Grande Nation enttäuschend.

Wie lief die Quali?

Fünf Siege, ein Remis, keine Niederlage, 16:4 Tore: Frankreich hat sich souverän für die Weltmeisterschaft qualifiziert, wenngleich geschäftsmäßig und ohne besondere Feuerwerke abzubrennen. Einzig beim 2:2 auf Island leisteten sich Les Bleus eine kleine Blamage. Insgesamt dominierte die Mannschaft von Trainer Didier Deschamps die Quali-Gruppe mit der Ukraine, Island und Aserbaidschan wie erwartet. Das Ticket für die WM stand zu keinem Zeitpunkt infrage, ernsthafte Wackler, wie etwa bei der deutschen Nationalmannschaft, gab es nicht, dementsprechend auch keine (medialen) Krisenphasen.

Das sind die größten Stars

Ein Königreich für solch eine Offensivmacht. Superstar Kylian Mbappé führt die Équipe Tricolore als Kapitän aufs Feld. Mit Real Madrid hat der 27-Jährige zwar eine Seuchensaison hinter sich, aber es sollte keiner darauf wetten, dass sich diese auf seine Leistung im Nationaltrikot überträgt. Flankiert wird Mbappé im Angriff von Weltfußballer Ousmane Dembélé und Michael Olise, der im Trikot des FC Bayern derart überzeugt hat, dass er ein Kandidat für den nächsten Ballon d'Or ist. Die Flügelzange strotzt vor Selbstvertrauen: Dembélé hat mit Paris Saint-Germain zum zweiten Mal in Serie die Champions League gewonnen, Olise scheiterte mit den Bayern erst im Halbfinale an PSG, tröstete sich aber mit dem Double. Keine Frage: Mit diesem einmaligen Trio geht Frankreich offensiv bestens aufgestellt in die Mission dritter WM-Titel (nach 1998 und 2018).

Doch nicht nur in der Offensive, auch defensiv ist die Breite des Kaders beeindruckend. Nahezu jede Position ist doppelt mit Profis aus den europäischen Topligen bestückt. In der Abwehr kann Deschamps auf Bayerns Innenverteidiger Dayot Upamecano bauen, der eine starke Saison gespielt hat. Zudem hat der Trainer das, was sich viele Experten für die deutsche Mannschaft so sehnlichst wünschen: eine "Achse" an eingespielten und erfahrenen Spielern. Viele standen schon beim Triumph 2018 in Russland und beim Vize-Titel 2022 in Katar auf dem Platz. Mbappé ist der klare Anführer, Deschamps genießt eine natürliche Autorität. Der 57-Jährige weiß, wie eine gesunde Balance zwischen den Superstars und ihren "Wasserträgern" (passenderweise einer von Deschamps' Spitznamen) auszusehen hat. Zu aktiven Zeiten war er selbst stets der Zuarbeiter von Magier Zinédine Zidane.

Der weis(ß)e Fußball-Lehrer hat bereits angekündigt, sein Amt nach der WM abzugeben. Zidane gilt als logischer und designierter Nachfolger. Seine Mannen werden alles daran setzen, Deschamps zum Abschied (ein wenig so wie 1990 die Deutschen ihrem "Kaiser" Franz Beckenbauer) ein goldenes Geschenk zu machen. Der Erwartungsdruck ist enorm.

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Wer ist nicht dabei?

Überraschenderweise hat Deschamps Eduardo Camavinga von Real Madrid nicht nominiert. "Er hat eine schwere Saison hinter sich, in der er nicht viel gespielt hat und oft verletzt war. Er ist noch jung. Ich muss Entscheidungen treffen und meinen Kader zusammenstellen. Aber ich kann mir vorstellen, wie enttäuscht er heute Abend ist", sagte der Trainer am Tag der Kaderverkündung. Auch der frühere Frankfurter Randal Kolo Muani zählt nicht zum 26-Mann-Aufgebot der Blauen.

Die Nicht-Nominierungen werden in Frankreich durchaus kontrovers diskutiert. Mit Camavinga fehlt ein spielmachender Allrounder. Somit hängt die Statik des französischen Spiels stark von der Form der Mittelfeldmänner Aurélien Djani Tchouaméni und Adrien Rabiot ab. Entscheidend wird auch sein, die Belastung der Topstars, die kräftezehrende Saisons hinter sich haben, zu managen. Dabei kommt Frankreich die Erfahrung Deschamps' (als Spieler wie Trainer) zugute: Er kennt den Rhythmus und mögliche Fallstricke eines langen Turniers wie kein Zweiter. Dank seines Gespürs hat "Dédé" oft das richtige Händchen, seine Mannschaft daher in engen Spielen oft das entscheidende Quäntchen Qualität - und Glück - auf ihrer Seite. Deschamps halb ironischer, halb ehrfürchtiger Spitzname "la chatte à Dédé" - Dédés Glückskatze - kommt nicht von ungefähr.

Was muss man wissen?

Läuft für beide Mannschaften alles glatt, trifft Deutschland schon im Achtelfinale auf Frankreich. Dieses (aus deutscher Sicht ohne Zweifel schlechte) Szenario tritt ein, wenn beide Teams als Gruppensieger ins Sechzehntelfinale kommen und sich in der ersten K.-o.-Runde durchsetzen.

"Auch wenn Deutschland nicht mehr die Ergebnisse erzielt wie in der Vergangenheit, bleibt es eine der besten Nationen Europas und der Welt. Man muss also weiterhin mit den Deutschen rechnen", äußerte sich Deschamps im Interview mit dem "Kicker" wohlwollend über die DFB-Auswahl. Dennoch: Kommt es zum Klassiker, ist Deutschland klarer Außenseiter.

Was ist drin?

Ganz klar: Titel nombre trois! Alles andere wäre für Frankreich eine Enttäuschung. "Auf dem Papier Favorit zu sein, ist die eine Sache, aber die einzige Wahrheit, die zählt, ist die auf dem Spielfeld", sinnierte Deschamps. Bringen Les Bleus ihre Stärken auf den Rasen, gibt es kaum eine Mannschaft, die sie schlagen kann. Am ehesten noch die Spanier. Die Analysten der Bank of America prophezeien denn auch einen WM-Triumph der Franzosen im Endspiel über Spanien.

Verwendete Quelle: ntv.de