Fußballticker

Automatisch aktualisieren
 1. Bundesliga, So., 19. Nov. 15:30 Uhr SpieltagTabelle
Schalke 2:0 (1:0) Hamburg Spielbericht
 1. Bundesliga, So., 19. Nov. 18:00 Uhr SpieltagTabelle
Bremen 0:0  Hannover Spielbericht
Sport
Am Saisonende lagen Berti Vogts und seine Gladbacher haarscharf vor den Kaufhof-Schalkern.
Am Saisonende lagen Berti Vogts und seine Gladbacher haarscharf vor den Kaufhof-Schalkern.(Foto: imago/Sven Simon)
Samstag, 21. Oktober 2017

Redelings über die Saison 76/77: Schalke ist wie im Kaufhof mit Mutti

Von Ben Redelings

Beckenbauer wünscht den Gladbachern eine Lungenentzündung, auf Schalke gerät mal wieder eine Jahreshauptversammlung zur Schlammschlacht und die Kölner wollen einen Geschenkekorb nach Barcelona schicken. Die Bundesliga lebt!

In Köln ist man schon nach dem fünften Spieltag und 10:0 Punkten selig. Mannschaftsbetreuer Hoffmann fasst die Stimmung in einem Satz zusammen: "Dem Cruyff schicken wir Weihnachten einen großen Frühstückskorb nach Barcelona – zum Dank, dass er uns den Hennes beschert hat!" Hennes heißt mit Nachnamen Weisweiler und ist nach nur einem Jahr in Spanien in die Bundesliga zurückgekehrt. Beim 1. FC Köln ist man ob der Ankunft des ehemaligen Gladbacher Meistertrainers und des sensationellen Starts euphorisch. Am Ende reicht es jedoch nur für einen guten fünften Platz.

Bereits nach dem zwölften Spieltag gibt Bayerns Nationalspieler Franz Beckenbauer im Rennen um den Titel auf. Seiner Meinung nach werden sich die Meisterschale die Borussen aus Mönchengladbach holen, es sei denn, eine Sache würde unverhofft noch eintreten, so der Kaiser: "Wenn bei Gladbach alle auf einmal eine Lungenentzündung kriegen …" Das passiert Gott sei Dank nicht. Nach 23:3 Punkten in den ersten 13 Partien reichen die 21:21 Punkte aus den restlichen 21 Spielen, um mit einem Punkt im Fotofinish-Finale vor Schalke Meister zu werden. Viel länger hätte die Saison allerdings nicht dauern dürfen!

"Wir haben uns schlecht benommen"

55 Jahre Bundesliga - das Jubiläumsalbum: Unvergessliche Bilder, Fakten, Anekdoten
EUR 19,90

Die Stimmungslage am entscheidenden 34. Spieltag auf Schalker Seite beschreibt Hannes Bongartz so: "Vor dem Spiel hatten wir noch das Gefühl, an der Steckdose geschlafen zu haben. Wie der Abpfiff kam, hat man sich einfach nur umfallen lassen. Das war so, als wenn man erschossen würde!" Ihr eigenes 4:2 gegen Dortmund reicht den Königsblauen nicht, weil zeitgleich die Gladbacher beim 2:2 in München bei den Bayern einen Zähler holen. Und obwohl die Saison so prima ist, läuft bei den Königsblauen eine Jahreshauptversammlung mal wieder komplett aus dem Ruder.

Am Ende bleibt Dr. Karl-Heinz Hütsch jedoch der Präsident auf Schalke. Die Mitglieder schämen sich trotzdem für die Schlammschlacht im Saal: "Wir haben uns schlecht benommen, so wie ein Skatklub nach Mitternacht." Woraufhin ein Journalist lustig ergänzt: "Kaum ein Skatklub wird sich so benehmen …"

"Soll ich etwa bewusst danebenknallen?"

Ein Kaiser erobert New York.
Ein Kaiser erobert New York.(Foto: imago/WEREK)

Im Abstiegskampf hängt lange auch wieder Bremen. Doch da hat man ja so seine eigene "Lebensversicherung". Es gilt das Versprechen von Alt-Recke Horst-Dieter Höttges: "Solange ich spiele, steigt Werder Bremen nicht ab!" Runter müssen schließlich der Karlsruher SC, Tennis Borussia Berlin und Rot-Weiss Essen. Willi Lippens ist vor der Saison von RWE nach Dortmund gewechselt. Nun schießen Burgsmüller und er ihren ehemaligen Klub am 28. Spieltag beim 5:1 der Borussen in Essen fast im Alleingang in die zweite Liga. Doch die Ente kennt kein Erbarmen: "Für den Verein tut es mir leid. Doch es gibt Spieler hier, denen gönne ich das ganze Elend." Und Burgsmüller ergänzt ebenso hartherzig: "Mir ist es egal, wo ich meine Tore schieße. Oder soll ich etwa bewusst danebenknallen, damit ich RWE schone?"

Kuriosität der Saison: Am 33. Spieltag muss der BVB sein Heimspiel gegen den 1. FC Köln an einem ungewohnten Ort austragen. Würmer haben den Rasen im Westfalenstadion zerfressen, und so absolviert Dortmund die Partie in Gelsenkirchen. Torwart Horst Bertram erinnert sich: "Ein Heimspiel in Schalke, das fanden wir ziemlich merkwürdig. Das war ein Freitagsspiel. Da waren überall Schwarz-Gelbe, eigentlich eine ordentliche Unterstützung, aber doch kein Heimspiel in diesem Stadion. Haben wir verloren. Wie sollte man das auch gewinnen? Heimspiel in Schalke geht ja nicht!" Tatsächlich schlägt der 1. FC Köln die Dortmunder mit 2:1. Die knapp 25.000 BVB-Fans, die widerwillig die Reise in die verhasste Stadt mitgemacht haben, fahren traurig nach Hause.

Und noch etwas stört die BVB-Profis Burkhard Segler kann sich irgendwie nicht an die Rolltreppe gewöhnen, die im Parkstadion aus den Katakomben aufs Spielfeld führt: "Schalke, das ist ja wie im Kaufhof mit der Mutti."

Und am Ende geht ein Großer: Franz Beckenbauer wechselt nach der Saison zu Cosmos New York in die USA. Den FC Bayern München verlässt der große Mann der Bundesliga standesgemäß: Einen 18-Meter-Heber des Bayernstars in der allerletzten Spielminute köpft der Gladbacher Wittkamp ins eigene Netz. Ein wunderschönes Eigentor. Genau die hatte ja auch der "Kaiser" während seiner Zeit in München im Repertoire!

Alle Artikel unserer wöchentlichen Serie "55 Jahre Bundesliga" finden Sie hier. Unser Kolumnist Ben Redelings ist mit seinen Bühnen-Programmen republikweit unterwegs: Infos und Tickets zur Tour.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen