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Thriller von Sevilla: Klaus Fischer nach dem 3:3.
Thriller von Sevilla: Klaus Fischer nach dem 3:3.
Samstag, 27. Dezember 2014

Fallrückzieher? Kein Problem!: Als Klaus Fischer sich unsterblich machte

Von Kai Butterweck

WM-Halbfinale 1982, Frankreich gegen Deutschland: Es läuft die 108. Spielminute. Littbarski flankt, Hrubesch köpft und was macht Klaus Fischer? Der haut die Kugel per Fallrückzieher rein. Ein großer Moment der deutschen Fußball-Geschichte.

Wenn Fußball-Stammtische in Erinnerungen schwelgen und dabei Namen wie Maradona, Ronaldo oder Gerd Müller fallen, dann geht es selten um errungene Titel oder endlose Almanach-Listen. Es sind eher unvergessene Einzeltaten der ehemaligen Heroen, die die Augen fachsimpelnder Fußball-Liebhaber immer wieder aufs Neue feucht werden lassen. Gerd Müllers Siegtreffer im WM-Finale 1974, Maradonas Sololauf im 86er Viertelfinal-Krimi gegen England oder Ronaldos Doppelpack gegen Oliver Kahn, der den Brasilianern 2002 den fünften WM-Triumph sicherte: Momente für die Ewigkeit.

So sah das aus: Klaus Fischer in Aktion.
So sah das aus: Klaus Fischer in Aktion.

Auch Klaus Fischer weiß, wie es sich anfühlt, wenn man Fußball-Geschichte schreibt. Noch heute muss der gelernte Glasbläser und spätere Stürmerstar von Schalke 04 mehrmals pro Woche von seinem legendären Fallrückzieher-Tor im WM-Halbfinale des Jahres 1982 gegen Frankreich berichten. Es war das 3:3 in einer dramatischen Verlängerung, in der die DFB-Elf bereits mit 1:3 zurückgelegen hatte. Über das Elfmeterschießen zog das deutsche Team dann ins Finale ein. Und verlor dort chancenlos mit 1:3 gegen Italien. Aber darum geht es hier nicht.

Zurück zu Klaus Fischer. Seine Heldentat im Halbfinale  war nicht sein erstes akrobatisches Ausrufezeichen. Fünf Jahre zuvor lag er im Länderspiel gegen die Schweiz schon einmal quer in der Luft und bugsierte den Ball mit dem Rücken zum Tor ins Netz. Doch so richtig unsterblich machte ihn erst die 108. WM-Halbfinal-Spielminute fünf Jahre später. Geplant war die Aktion allerdings nicht: "Solche Tore kann man nicht trainieren. Das sind Momente, in denen alles passen muss. Man denkt da nicht lange nach, sondern handelt einfach", erinnert sich Klaus Fischer, der 1949 in Kreuzstraßl bei Lindberg auf die Welt kam.

Und immer wieder diese Fallrückzieher!

Bereits während seiner ersten Bundesliga-Station beim TSV 1860 München sorgte Klaus Fischer mit wuseligem Engagement und eher untypischen Stürmer-Qualitäten für hochgezogene Augenbrauen bei Fußball-Fachleuten. Fischer war eher klein gewachsen, technisch nicht sonderlich versiert, aber mit einem unwiderstehlichen Torhunger gesegnet. Spätestens mit Beginn seiner Sturm- und Drang-Zeit im Trikot des FC Schalke 04 Anfang der Siebziger wurde auch dem letzten Zweifler klar, dass es sich bei Klaus Fischer um ein ganz besonders ausgefuchstes Stürmer-Exemplar handelte.

Einmal Schalker, immer Schalker: Klaus Fischer vergangene Woche in der Arena in Gelsenkirchen.
Einmal Schalker, immer Schalker: Klaus Fischer vergangene Woche in der Arena in Gelsenkirchen.(Foto: imago/Pakusch)

Selbst der weitreichende Bundesliga-Skandal, der dem Neu-Schalker ein komplettes Fußball-Jahr kostete, konnte Klaus Fischer nicht stoppen. Am Ende der Saison 73/74 standen sage und schreibe 21 Tore in 25 Spielen zu Buche. Klaus Fischer war ganz oben angekommen. Torschützenkönig, Vize-Meister, Nationalspieler, Pokalsieger: Es folgten reihenweise Titel und Triumphe. Und immer wieder diese Fallrückzieher-Tore! KSC-Anhänger erinnern sich mit Schrecken an den 27. September des Jahres 1975, während Schweizer Fußball-Historiker beim Gedanken an den 16. November 1977 ein Schauer über den Rücken läuft. Die tiefste Narbe hinterließ Klaus Fischer aber bei den Franzosen, denen er im WM-Halbfinale in Spanien einen dicken Strich durch die Titel-Rechnung machte. Die legendäre Nacht von Sevilla, 8. Juli 1982. Wir schreiben die 108. Spielminute, Littbarski kommt von links und flankt. Hrubesch köpft. In der Mitte steht Klaus Fischer…Nun, c’est la vie!

Heute begeht Klaus Fischer, der sich nach seinem Karriereende 1988 erst weitestgehend erfolglos als Trainer versuchte und seit 1997 eine Fußballschule betreibt, einen 65. Geburtstag. Den feiert er mit seiner Frau und Freunden in Gelsenkirchen. Was aber vor allem bleibt, ist einer der wohl emotionalsten und besten Momente der deutschen Fußball-Geschichte.

Quelle: n-tv.de

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