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Spielmacher mit Tordrang: Henrich Mchitarjan schießt genauso gern Tore, wie er welche vorbereitet.
Spielmacher mit Tordrang: Henrich Mchitarjan schießt genauso gern Tore, wie er welche vorbereitet.(Foto: AP)

Rekord-Transfersaga mit Happy End: BVB befreit Henrich Mchitarjan

Von Christoph Wolf

Mit der Verpflichtung des Armeniers Henrich Mchitarjan holt Borussia Dortmund teuren Ersatz für Mittelfeldstar Mario Götze. Rund 25 Millionen Euro kostet der Tore schießende Spielmacher, damit ist er der BVB-Rekordtransfer. Für Aufsehen sorgen aber auch die Umstände des Wechsels. Sie gleichen einer Räuberpistole.

Von der notorischen Tiefstapelei ist Borussia Dortmund in der Vorbereitung auf die neue Saison abgerückt: Ein Titel soll her nach der titellosen Spielzeit und dem Trophäen-Triple für den FC Bayern. Das ist die Zielsetzung, dafür wurde nach dem bitteren Verlust von Mario Götze nach München groß eingekauft. Bis zu 27,5 Millionen Euro soll es den BVB gekostet haben, den Armenier Henrich Mchitarjan von Schachtjor Donezk zu verpflichten. Damit ist der toreschießende Spielmacher nicht nur teurer als die beiden anderen Star-Neuzugänge Sokratis (9,5 Millionen) und Pierre-Emerick Aubameyang (13 Millionen) zusammen. Er ist auch teurer als jemals ein BVB-Spieler zuvor.

BVB-Trainer Jürgen Klopp ist um flotte Sprüche nie verlegen - und hat mit Pierre-Emerick Aubaweyang und Mchitarjan auch zwei flotte Neuzugänge für seine Offensive bekommen.
BVB-Trainer Jürgen Klopp ist um flotte Sprüche nie verlegen - und hat mit Pierre-Emerick Aubaweyang und Mchitarjan auch zwei flotte Neuzugänge für seine Offensive bekommen.(Foto: dpa)

Rhetorisch ist sich der BVB dennoch treu geblieben. Das "Gut gegen Böse"-Schema, das Trainer Jürgen Klopp der Weltöffentlichkeit vor dem "German Endspiel" in der Champions League gegen die Bayern präsentiert hatte – selbstredend mit der Schurkenrolle für die superreichen Münchner – wurde trotz der eigenen Millionenausgaben nicht verworfen. Erst am Wochenende verkündete der BVB-Coach in der "Welt am Sonntag", den Rekordmeister künftig im Stile von Robin Hood ärgern zu wollen, des Rächers der Enterbten. Dass die Bayern nicht nur finanziell uneinholbar vorn sind, sondern zuletzt auch sportlich unantastbar waren, wird beim vielleicht "sympathischsten Verein Deutschlands" (BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke über seinen BVB) gerne in Nebensätzen versteckt.

Es passt da gut ins Bild, dass sich auch die Geschichte des Mchitarjan-Erwerbs nicht nur als neuer BVB-Rekordtransfer erzählen lässt, den in dieser Dimension in der Bundesliga nur noch die Münchner stemmen könnten. Es ist die Geschichte einer Befreiung: der eines jungen, hochtalentierten Fußballers aus den "teils mafiaähnlichen Strukturen der ukrainischen, russischen und armenischen Klubs", wie es die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) formulierte.

Höchst komplizierte Verhandlungen

Mit gleich drei Oligarchen musste der BVB in den schwierigen Ablöseverhandlungen Einigkeit erzielen, mit zwei aus der Ukraine und einem aus Armenien. Weil die den 24-jährigen Armenier lieber für 35 Millionen Euro an den kaukasischen Oligarchenklub Anschi Machatskala verscherbelt hätten, setzte sich der Mittelfeldspieler im Juni nach Wien ab. Und teilte Schachtjor mit, künftig nur noch im "Westen" spielen zu wollen. Beraten wird Mchitarjan vom berüchtigten Mino Raiola, einst einer der Strippenzieher im italienischen Manipulationsskandal 2006.

Damit nicht genug der Verwicklungen: Zudem soll, so schreibt es die SZ weiter, Mchitarjans Mutter ihren Einfluss im armenischen Verband geltend gemacht haben. Als für die Nationalmannschaft zuständige Direktorin und Mutter von Armeniens bestem Fußballer hatte sie ausreichend Drohpotenzial. Auch sie verhalf der fußballerischen Räuberpistole zu einem Happy End – für Mchitarjan und Borussia Dortmund.

Dort wurde der Armenier als Wunschspieler vorgestellt, was trotz horrender Ablösen nicht immer der Realität entspricht. "Der Transfer war nicht einfach. Aber wir wollten Henrich  unbedingt haben - und jetzt haben wir ihn!", ließ BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke erleichtert und stolz verlauten. Sportdirektor Michael Zorc fügte hinzu: "Wir sind froh, unseren Fans einen super Neuzugang für  das offensive Mittelfeld präsentieren zu können."

Beidfüßig, handlungsschnell, torgefährlich

Sportlich könnte Mchitarjan tatsächlich der erhoffte Götze-Ersatz sein. Der neue Zehner des BVB erzielte in der abgelaufenen Saison für Donezk 25 Treffer in 29 Ligaspielen, damit wurde er Torschützenkönig. Der "Guardian" schwärmte unlängst von der unkonventionellen Spielweise, mit der der beidfüßige Armenier gesegnet sei. Hinzu kämen extreme Handlungsschnelligkeit, Torgefahr und sein Auge für die Mitspieler. Trotz der hohen Ablöse bilanzierte die Zeitung: "Mchitarjan könnte zu einem echten Premier-League-Star werden." Da sah es noch so aus, als würde der FC Liverpool das Rennen machen.

Beim BVB nahm Mchitarjan bereits am offiziellen Fototermin für die kommende Saison teil. Im Trainingslager im schweizerischen Bad Ragaz soll der BVB-Rekordmann ab Mittwoch in die Mannschaft integriert werden, die nun weitgehend komplett ist.

Die "wesentlichen Transferaktivitäten" für den Sommer sind abgeschlossen, teilte die Borussia mit. Nach Gesamtinvestitionen von knapp 50 Millionen Euro hat Klopps BVB auch als neuer Robin Hood der Liga einige teure Pfeile im Köcher. Er muss nur noch treffen.

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Quelle: n-tv.de

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