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Abflug in die Wohlfühloase: Götze freut sich auf Löw.
Abflug in die Wohlfühloase: Götze freut sich auf Löw.(Foto: dpa)

6 Dinge, gelernt am 27. Spieltag: BVB beklaut Bayern, Götze flieht zu Löw

Von Christian Bartlau

Die einzig wahre Superliga geht in den Endspurt, und untenrum wird es nicht hochklassig, aber spannend. Josep Guardiola vergrault einen WM-Helden, der BVB holt unwichtige Rekorde und Wolfsburg hofft auf die Lex Liverpool.

1. Mario Götze freut sich auf Joachim Löw

Manchmal ist der Rasen das beste am Spiel, so auch in der ersten Halbzeit in Köln-Müngersdorf am Wochenende: Eine B-Elf der Bayern dominierte ehrfurchtsvolle Kölner nach Belieben, ohne FC-Keeper Timo Horn über die Maßen zu beanspruchen. Nur weil Verteidiger Dominique Heintz so um ein Gegentor gebettelt hatte, erbarmte sich Robert Lewandowski und sorgte für den einzigen Treffer der Partie.

Josep Guardiola hatte fünf seiner Juventus-Helden eine Pause gegönnt, also saßen auf der Bank: Philipp Lahm, Thomas Müller, Frank Ribery, Arturo Vidal, Medhi Benatia, Mario Götze … Halt. Der saß zwar auf der Bank, gehört aber nicht zu den Helden von Mittwoch. Momentan scheint nicht einmal sicher, ob er zur Zukunft des Rekordmeisters gehört. Sagen wollte dazu keiner der Beteiligten wirklich etwas, Guardiola murmelte nur, er hätte die beste Entscheidung für das Team getroffen. Zum Mitschneiden: Es ist also das Beste für den FC Bayern, wenn in einem relativ bedeutungslosen Bundesligaspiel statt Mario Götze Sebastian Rode spielt. Ob es einfach nur an der Chemie zwischen dem WM-Siegtorschützen und Guardiola hapert, lässt sich leicht feststellen: Am Wochenende stehen zwei Länderspiele an, und Joachim Löw, für seine Bemühungen um die Resozialisierung kriselnder Nationalspieler bekannt, hat Götze eingeladen. Spielt er gut, kann er sich empfehlen – nicht mehr für Guardiola, aber vielleicht für Carlo Ancelotti. Oder Jürgen Klopp.

2. Es geht auch ohne Aubameyang

22 Tore, 6 Vorlagen – und nach einem Spiel schon vergessen? Das nicht, aber zumindest für 90 Minuten hat beim BVB niemand Pierre-Emerick Aubameyang vermisst. Vertreter Adrian Ramos erzielte beim 3:1 in Augsburg einen Treffer und bereitete ein Tor vor. Findige Statistiker haben herausgefunden, dass der Kolumbianer sogar effektiver ist als Aubameyang: Ramos ist alle 50 Minuten an einem Bundesliga-Treffer beteiligt, der Gabuner alle 78 Minuten. Es müssen wohl dieselben Statistiker gewesen sein, die diesen Fakt ausgegraben haben: Die Dortmunder haben den Münchner Bayern einen Rekord geklaut, sie haben mit nur drei Gegentoren die wenigsten in den ersten zehn Rückrundenspielen. Solange aber niemand den Bayern Punkte klaut, läuft die Liga für die Dortmunder quasi im Rahmenprogramm zum Wiedersehen mit Jürgen Klopp und dem Halbfinale im DFB-Pokal. "Wir würden sie gerne mal in die Situation bringen, dass wir vorlegen und vielleicht ein bisschen Druck aufkommt", sagte Mats Hummels nach dem Sieg in Augsburg. Vielleicht klärt die Bayern-Fraktion den Kollegen bei der Nationalmannschaft darüber auf, dass der BVB diese Chance gerade erst vor zwei Wochen hatte – und sie verstreichen ließ.

3. Ronaldo kann ruhig schlafen

Wir wissen nicht genau, was CR7 am Samstagnachmittag gemacht hat, so von 15.30 bis 17.20 Uhr. Aber wir vermuten, er hat zwischen Hanteltraining und Solarium in einem seiner sieben Schlafzimmer herumgelungert und den nächsten Gegner in der Champions League gescoutet. Und dabei herzhaft gegähnt. Wolfsburg, der amtierende Vizemeister und DFB-Pokalsieger (ja, wirklich!), hatte mit Aufsteiger Darmstadt seine liebe Mühe. Sandro Wagner, der sich so langsam zum Cristiano Ronaldo Südhessens entwickelt, brachte die Lilien mit seinem 11. Saisontor in Front, erst André Schürrles Verzweiflungsschuss rettete den Wölfen wenigstens einen Punkt.

Angesprochen auf das erklärte Ziel der Wolfsburger Verantwortlichen, noch Rang drei zu erobern, wütete der Weltmeister: "Davon brauchen wir momentan nicht zu reden." Tatsächlich fragt sich nach diesem Spiel und der Pleite vergangene Woche in Hoffenheim, was dümmer ist: Die Chance auf 20 Millionen Euro garantierte Einnahmen in der Königsklasse gegen Abstiegskandidaten liegen zu lassen – oder 75.000 Euro in einem Taxi? Aber Spott beiseite: Die zarte Hoffnung von der Champions League lebt ja noch in der Autostadt, sie trägt den Namen Lex Liverpool: Der Titelverteidiger ist gesetzt. Nur hat CR7 wohl etwas dagegen.

4. Niemand braucht die Superliga

Schließlich ist die Bundesliga schon so eine super, super Liga. Okay, Ironie funktioniert nicht, deswegen nochmal ganz klar: Wir meinen das Guardiola’sche super-super. Also so Mario-Götze-super-super. Gar nicht super. Die Konferenz am Samstag schleppte sich träger dahin als Mario Mandzukic nach seiner Einwechslung am Mittwoch, nur Karl-Heinz Rummenigge wird sie mit besonderer Freude auf dem Smartphone verfolgt haben, während er sich in Köln auf der Tribüne langweilte: Kein neutraler Beobachter, der sich auch nur eine Minute der ersten Halbzeit zwischen Berlin und Ingolstadt angeschaut hat, will die Hertha nächste Saison in der Champions League sehen. Entschuldigung, liebe Berliner Fans, aber dass sich Pal Dardais Team mit einem solchen Fußball auf Platz drei festspielen konnte, ist uns schleierhaft und gehört korrigiert, notfalls eben mit Setzliste. Auf Rang vier folgt übrigens, oh rätselhafte Bundesliga, der FC Schalke, der im Verfolgerduell mit Mönchengladbach den wohl unverdientesten Sieg der Saison abstaubte. Am Ende standen 23:6 Torschüsse für die Borussia zu Buche, die im Prinzip genauso gut spielte wie bei ihrem 3:1-Sieg gegen die Bayern im Dezember. "Ich möchte dieses Spiel nicht analysieren, es tut so weh", sagte Granit Xhaka, dabei war es letztlich so einfach: Gladbach half bei den Gegentoren nach Kräften, nutzte die eigenen Chancen nicht und prallte immer wieder an einem ab, der schwerer zu bezwingen ist als AlphaGo - und sich nach getaner Arbeit sogar ein verdientes Eigenlob gönnen durfte. "Diesmal hatten wir den Fußballgott auf unserer Seite", sagte Matchwinner Ralf Fährmann, und er konnte damit nur sich selbst meinen. Seine unmenschliche Vorstellung wirft allerdings eine Frage auf: Wie, lieber Joachim Löw, schafft man es, gleich vier Torhüter für die nächsten Länderspiele zu nominieren – und keiner von denen heißt Ralf Fährmann?

5. Topspiel ist nicht gleich Topspiel

Die einen wollen nicht, die anderen können nicht – das hört man oft bei schlechten Spielen. Eintracht Frankfurt gegen Hannover 96 war nochmal ein anderes Level: Beide wollten, beide konnten nicht. 96-Coach Thomas Schaaf schmiss vor dem Kellerduell unter anderem die gestandenen Manuel Schmiedebach und Salif Sané aus dem Kader und stellte allen Ernstes Hugo Almeida in die Startelf - Ailton hatte so kurzfristig offenbar noch keine Spielgenehmigung bekommen. Nach der Pause warf er den 19-jährigen Waldemar Anton in die Partie, der so unsicher umherirrte, dass er bei Sky-Kommentator Kai Dittmann Beschützerinstinkte weckte. Die Frankfurter Eintracht präsentierte sich ebenfalls wie ein Absteiger, erzielte aber irgendwie ein Tor. Wie mies das Spiel war, illustriert eine Szene aus der 86. Minute: Einwurf für 96, Allan Saint-Maximin wirft den Ball zu einem Frankfurter, dem verspringt die Kugel bei der Annahme, Ballbesitz Hannover. Es hatte wohl seinen Grund, warum die DFL ausgerechnet diese Partie zum Topspiel erkoren hat. So konnte sie ihren Verhandlungspartnern für die TV-Rechte auf einem exklusivem Sendeplatz zeigen: Seid unbesorgt, die sind beide so schlecht, die müsst ihr nächste Saison nicht in der Bundesliga sehen.

6. Wenigstens untenrum ist es spannend

Wir entschuldigen uns für die Zote, wir haben zu viel Sky geschaut am Wochenende, da hieß es doch tatsächlich: "Schauen wir doch mal, wie es in der Tabelle untenrum aussieht". Jedenfalls gastiert in zwei Wochen der HSV in Hannover, und der Blick auf die, nun ja, niederen Regionen verrät: Wenigstens spannend wird es. Nicht so sehr, weil Hannover mit einem Sieg noch Hoffnung schöpfen könnte. Die haben sie offenbar schon aufgegeben. Torwart Ron-Robert Zieler sprach schon davon, man wolle sich jetzt noch "gut präsentieren". Aber mit einem Sieg könnte 96 den anderen HSV noch einmal in den Abstiegsstrudel reißen. Sieben Spieltage vor Saisonende beginnt bei den Hamburgern auf Rang zwölf die gefährliche Zone, nach der 1:3-Pleite gegen Hoffenheim liegt der Relegationsmeister der Herzen nur noch vier Punkte vor der TSG auf Rang 16 und Frankfurt auf 17. Vor allem das Team von Julian Nagelsmann hat gerade einen Lauf, in den sieben Partien des Trainer-Greenhorns holten die Hoffenheimer vier Siege. Gespannt darf man sein auf Spieltag 29: Da empfängt der HSV Aufsteiger Darmstadt, Bremen die Augsburger und Frankfurt die TSG 1899 Hoffenheim.

Quelle: n-tv.de

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