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Routinierter Sieg, nächste Runde: Der BVB schreitet unspektakulär, aber ungefährdet in der Europa League voran.
Routinierter Sieg, nächste Runde: Der BVB schreitet unspektakulär, aber ungefährdet in der Europa League voran.(Foto: dpa)

"Steht die Null, ist alles in Ordnung": BVB empfiehlt sich für den Pokalsieg

Von Felix Meininghaus, Porto

Glanzvoll spielt Borussia Dortmund nicht beim FC Porto, doch fürs Weiterkommen in der Europa League reicht es. Beim BVB ahnen sie: Wer so spielt, könnte am Ende den Pokal gewinnen. Dabei soll ein neuer Hoffnungsträger helfen.

Der Wirt in der am Flussufer gelegenen Gaststätte "Adega Rio Duro", in der nachts der berühmte portugiesische Klagegesang Fado dargeboten wird, war von Anfang an skeptisch. Er sei zwar Fan und werde das Spiel abends im Stadion sehen, aber er halte seine Mannschaft für chancenlos, so, wie sie sich im Hinspiel präsentiert habe. Der Mann sollte recht behalten, Borussia Dortmund wurde beim FC Porto nicht wirklich gefordert und zog recht ungefährdet ins Achtelfinale der Europa League ein.

FC Porto - Borussia Dortmund 0:1 (0:1)

Tor: 0:1 Casillas (23., Eigentor)

Porto: Casillas - Pereira, Layun, Marcano, Jose  Angel - Neves, Pereira - Evandro (71. Herrera) - Varela (65.  Brahimi), Aboubakar (56. Suk), Marega. - Trainer: Peseiro 

Dortmund: Bürki - Ginter, Sven Bender, Hummels (46. Subotic),  Schmelzer - Weigl, Gündogan (46. Sahin) - Mchitarjan, Kagawa, Reus  (70. Ramos) - Aubameyang. - Trainer: Tuchel 

Zuschauer: 38.000 

Schiedsrichter: Mark Clattenburg (England)

Dem 2:0-Hinspielerfolg ließ die Mannschaft von Thomas Tuchel vor knapp 30.000 Besuchern im längst nicht ausverkauften Estadio do Dragao ein 1:0 (1:0) folgen und darf damit weiterhin darauf hoffen, den letzten Pokal zu holen, der im Trophäenschrank des Revierklubs noch fehlt. Nach dem Abpfiff eines ebenso souverän wie unspektakulär herausgespielten Sieges war Trainer Thomas Tuchel hin und hergerissen, ob er sich nun eher über das positive Ergebnis oder die übersichtliche spielerische Leistung seiner kickenden Belegschaft freuen sollte. Seine Mannschaft habe agiert, "wie ein Orchester, das seinen Rhythmus nicht findet", monierte Tuchel, um dann lobend hinzuzufügen: "Dennoch haben wir die Ordnung und den Biss nicht verloren."

Acht Pflichtspiele hat der BVB nun nach der Winterpause absolviert, dabei sechs Mal zu null gespielt und gerade Mal zwei Gegentore zugelassen. Auch wenn die Mannschaft wie in Porto nicht glänzt, tritt sie unheimlich gefestigt und selbstsicher auf. Weil sie nach zahlreichen unnötigen Gegentreffern in der Hinrunde mittlerweile weiß, dass die Abwehr sicher steht und kaum etwas zulässt. "Es erleichtert das Leben, zu Null zu spielen", weiß Sven Bender, der den verletzten Griechen Sokratis in der nordportugiesischen Hafenstadt als Manndecker vertrat: "Solange die Null steht, ist alles in Ordnung."

Sven Bender: Neue Führungsfigur?

Tuchel konnte sich in Porto sogar den Luxus leisten, die Schlüsselspieler Mats Hummels und Ilkay Gündogan in der Halbzeit aus dem Spiel zu nehmen, um sie für den sonntäglichen Bundesligakick gegen Hoffenheim zu schonen. Wenig später durfte mit Marco Reus ein dritter Leistungsträger seinen Arbeitstag frühzeitig beenden. Reine Vorsichtsmaßnahmen waren das angesichts des strengen Programms mit vielen Spielen in den kommenden Wochen: "Wenn es ein Finalspiel gewesen wäre, hätte ich mich durchbeißen können", erläuterte Hummels: "Aber angesichts des Ergebnisses habe ich Vorsicht walten lassen. Gegen Porto ist das komplett nach Plan gelaufen. Wir haben nicht mal gut gespielt, aber wir haben nicht viel zugelassen."

Sven Bender und sein Verein hoffen, dass sich andere Spieler ein Beispiel an ihm nehmen.
Sven Bender und sein Verein hoffen, dass sich andere Spieler ein Beispiel an ihm nehmen.(Foto: imago/Cordon Press/Miguelez Sports)

Es gibt derzeit viele positive Aspekte bei der Betrachtung des Dortmunder Ist-Zustands. Auch außerhalb des Spielfelds, wo ein Arbeitnehmer ein beachtliches Zeichen setzte: Sven Bender unterzeichnete im Verlaufe der Woche sein neues Arbeitspapier, indem er seinen Vertrag bis ins Jahr 2021 verlängerte. Der Profi verband diesen Akt mit einem bemerkenswerten Bekenntnis zu seinem Arbeitgeber: "Der Verein hat mir sehr viel gegeben und bedeutet mir enorm viel, daher bin ich froh, so ein langfristiges Angebot bekommen zu haben." Mit seinem Treuebekenntnis ist Bender zum Dortmunder Hoffnungsträger geworden.

Dieser Spieler sei "über seine unbestrittenen sportlichen Fähigkeiten hinaus eine außerordentlich wichtige Integrationsfigur", sagt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Tatsächlich könnte der siebenfache Nationalspieler, über den sein Mitspieler Nuri Sahin sagt, er gehe "mit dem Kopf in Zweikämpfe, die ich nicht einmal mit dem Fuß bestreiten würde", bei der Borussia eine Vorreiterrolle übernehmen. Schließlich geht, wenn man die personelle Situation des BVB aus dem Blickwinkel der Klubführung betrachtet, mit gutem Vorbild voran. Falls Benders Unterschrift auch andere Protagonisten des neuen Dortmunder Aufschwungs dazu bewegen sollte, beim Revierklub langfristige Kontrakte zu zeichnen, könnte Sportdirektor Michael Zorc seinen Job mit größtmöglicher Gelassenheit betrachten.

Reif für Titel? Tuchel wiegelt ab

Schließlich laufen die Verträge von Schlüsselspielern wie Kapitän Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Marcel Schmelzer und Henrich Mchitaryan im Jahr 2017 aus. Zorc und Watzke müssen also im Sommer überlegen, ob sie diese europaweit begehrten Profis veräußern, um sie zwölf Monate später nicht ablösefrei ziehen lassen zu müssen. Dieses Szenario hatten die Dortmunder zuletzt mit ihrem polnischen Ausnahmestürmer Robert Lewandowski durchexerziert. Seitdem betont Watzke, dies sei eine Ausnahme gewesen, die sich sein Verein in Zukunft tunlichst ersparen will. Aber das funktioniert nur, wenn Spieler rechtzeitig abgegeben oder Verträge langfristig gestaltet werden.

Der Spieler hofft, dass möglichst viele seiner Kollegen nachziehen: "Letztendlich muss jeder von uns die Entscheidung für sich selbst treffen. Natürlich ist die Versuchung groß, etwas anderes zu machen. Aber die Überlegung, was man hier hat, sollte auch eine Rolle spielen."

Zum Beispiel die, in einer Mannschaft zu spielen, die schon im ersten Jahr unter Tuchel reif und gefestigt genug aufspielt, um für Titel infrage zu kommen. Auch wenn der 42-Jährige davon noch nichts wissen will: Es sei "nicht wichtig, der Favorit zu sein", betonte Dortmunds Trainer, bevor er in der Nacht verschwand, "sondern wie einer zu spielen. Wir müssen bescheiden bleiben und die Herausforderungen weiter annehmen. Nur so können wir den langen Weg bis zum Ende fortsetzen."

Quelle: n-tv.de

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