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"Bin sehr zuversichtlich, dass wir das Spiel gewinnen werden": Markus Babbel.
"Bin sehr zuversichtlich, dass wir das Spiel gewinnen werden": Markus Babbel.(Foto: dapd)

"Nicht nur bis Sonntag Vertrag": Babbel macht auf Optimist

Die TSG Hoffenheim steckt in der tiefsten Krise ihrer viereinhalb Jahre währenden Geschichte in der Fußball-Bundesliga. Und Markus Babbel sitzt auf einem Schleudersitz. Das sieht der Trainer anders - zumindest sagt er es so. Nun geht es gegen den SV Werder Bremen.

Markus Babbel ist bei der TSG Hoffenheim schon rasiert. "Gestern war ein sensationeller Tag: In fünf Minuten geschnitten für elf Euro", sagte der Trainer des krisengebeutelten Fußball-Bundesligisten aus dem Kraichgau bei einer Pressekonferenz und fuhr sich grinsend über den kurz geschorenen Schädel. Trotz der prekären Lage beim Tabellen-16. hat der 40-Jährige seinen Humor noch nicht verloren und ist sich "sehr sicher", dass er auch nach der so wichtigen Partie am Sonntag gegen Werder Bremen noch auf der Bank sitzt.

"Zum einen habe ich nicht nur bis Sonntag Vertrag, sondern ein bisschen länger. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das Spiel gewinnen werden", erklärte Babbel. Von einem "Endspiel" für ihn wollte der Europameister von 1996 immer noch nichts wissen. "Ich kenn' Pokalendspiele oder Champions-League-Endspiele oder Uefa-Cup-Endspiele. Das sind Spiele, da geht es um alles oder nichts. So viel ich weiß, gibt es für uns aber nach Bremen noch Spiele." Die Trainerdiskussion, so hatte es Andreas Müller formuliert, "ist von außen hereingetragen worden." Der Manager stand Babbel bei der Fragerunde der Journalisten diesmal nicht zur Seite. Er habe einen Arzttermin in Duisburg, hatte er zuvor erklärt.

Mäzen Dietmar Hopp weilt bis zur Weihnachtsfeier am 17. Dezember in seinem Urlaubsdomizil in Florida; Babbel hat "zwei-, dreimal" mit ihm telefoniert. "Er ist natürlich auch unglücklich", berichtete der TSG-Coach. "Wichtig ist, dass er uns unterstützt." Vier Jahre nach der sensationellen Herbstmeisterschaft und im fünften Erstliga-Jahr erlebt Hopp aus der Ferne nun die schwierigste Phase seines Klubs. Ausnahmsweise äußert er sich nicht öffentlich.

Die Schießbude der Liga

Die Fakten sprechen gegen Babbel: Zuletzt setzte es drei Niederlagen in Serie, in den vergangenen neun Spielen gab es nur einen glücklichen Sieg (3:2 gegen Schalke), und seine Bilanz seit dem Amtsantritt am 10. Februar ist ernüchternd: sieben Siege in 27 Partien. Die Abwehr ist zudem mit 32 Gegentreffern - davon 15 nach Standards - die Schießbude der Liga. Am Sonntag fällt auch mal wieder Innenverteidiger Matthieu Delpierre mit einer Oberschenkelverhärtung aus.

Nach der 2:4-Niederlage am Mittwoch in Nürnberg hatte Babbel nicht mehr von seinen "Jungs" gesprochen, sondern sich erstmals von seiner Mannschaft distanziert: "Da haben die Spieler heute wieder gemeint: Machen wir es erst mal so wie wir meinen, dann funktioniert es nicht, und dann hören wir wieder auf den Trainer. Das langweilt langsam." Jetzt gab es eine interne Aussprache mit und eine ohne Trainer. Nun lobte Babbel den Charakter der Truppe und erklärte: "Wichtig ist, dass wir heute wieder gut trainiert haben, dass alle mitziehen. Es ist keiner dabei, der den Eindruck macht, nur mit halber Kraft zu fahren."

Das Misstrauen der Profis gegenüber ihrem Trainer ist aber stetig gewachsen. Babbel degradierte in dieser Saison schon Ex-Kapitän Andreas Beck und Sejad Salihovic mit zum Teil markigen Worten, verbannte Tobias Weis zu den Amateuren und ließ Neueinkäufe wie Chris, Patrick Ochs oder Eren Derdiyok auf Bank oder Tribüne versauern. Den früheren Nationaltorwart Tim Wiese holte er - auch auf Hopps Geheiß - aus Bremen, machte ihn zum Kapitän und degradierte ihn dann zur Nummer zwei, als dieser sich verletzte. Alles ohne Not.

Quelle: n-tv.de

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