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Es war nicht alles schlecht: Holger Badstuber, deutscher Fußballmeister 2013.
Es war nicht alles schlecht: Holger Badstuber, deutscher Fußballmeister 2013.(Foto: imago sportfotodienst)

Schalke soll zum Bumerang werden: Badstuber kämpft um Platz beim FC Bayern

Von Stefan Giannakoulis

In acht Jahren als Fußballprofi beim FC Bayern ist Holger Badstuber acht Mal verletzt. Doch mit bewundernswertem Optimismus kämpft er sich jedes Mal zurück. Nun hofft er, dass sein Weg über den FC Schalke 04 zurück nach München führt.

Niemand hat die Absicht, Holger Badstuber zu unterstellen, er rede sich Gelsenkirchen schön. Aber er gibt sich große Mühe, seine berufliche Situation positiv zu interpretieren. Und das ist das Beste, was er tun kann. Badstuber ist ein hervorragender Fußballspieler. Was ihn aber ebenso sehr auszeichnet, ist seine Gabe, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Bei einem, der sich so oft verletzt hat und deshalb so viel verpasst hat, ist das, abseits jeglicher Ironie, schlichtweg bewundernswert. So oft hatte er angekündigt, stärker als zuvor zurückzukommen, so oft hatte er sich geduldig durch die Reha gequält. Und so sagte er jetzt dem Bezahlsender Sky: "Das Gesamtpaket ist spannend für mich. Ich habe Bock darauf."

Sieh an: Badstuber im April 2008.
Sieh an: Badstuber im April 2008.(Foto: imago sportfotodienst)

Fast anderthalb Jahrzehnte hat er für den FC Bayern gespielt, seit er 2002 mit 13 Jahren vom VfB Stuttgart gekommen war. 119 Mal lief er für die Münchner in der Bundesliga auf, 17 Mal im DFB-Pokal, 39 Mal in der Champions League. Für die deutsche Nationalelf spielte er 31 Mal seit 2010. Nun also, mit 27 Jahren, gut zwei Monate vor seinem 28. Geburtstag, wechselt er den Verein und spielt zumindest ein halbes Jahr für den FC Schalke 04. Um, wie er sagt, "nicht zuletzt einfach nur Fußball zu spielen". Nicht nur in Gelsenkirchen und München dürfte es viele Menschen geben, die ihm wünschen, dass das dieses Mal funktioniert.

Exakt drei Jahre hat er verpasst

In seinen fast auf den Tag genau acht Jahren als Profi war er acht Mal verletzt, zweimal riss das Kreuzband. Die Kollegen von transfermarkt.de haben errechnet, dass er deshalb bei 218 Spielen für den FC Bayern nicht dabei war. 1095 Fehltage waren es insgesamt, das sind exakt drei Jahre. Als sein Klub 2013 in Wembley gegen die Dortmunder Borussia die Champions League gewann, lag er nach einer Operation in den USA im Krankenhaus. Er hat mit der DFB-Elf eine Weltmeisterschaft und eine Europameisterschaft verpasst. Zuletzt plagten ihn fast zwei Monate lang muskuläre Probleme, in dieser Saison stand er nur dreimal für die Münchner auf dem Platz. Gemessen daran klingt es fast schon beunruhigend, wenn es heißt, Badstuber müsse, bevor er den Leihvertrag bis Ende Juni unterschreibt, am Donnerstag nur noch erfolgreich den medizinischen Check bei den Schalkern absolvieren.

"Ich war oft gut darin, positiv nach vorne zu schauen", schrieb er an die Fans des FC Bayern. "Das möchte ich auch jetzt tun und ich freue mich, Schalke im nächsten halben Jahr helfen zu können." Und in Gelsenkirchen freuen sie sich auch, allen voran Trainer Markus Weinzierl. Es könnte es ein Geschäft werden, bei dem am Ende alle gewinnen. Die Schalker bekommen einen erfahrenen Innenverteidiger, der seine Stärke nicht nur in der Abwehr hat, sondern auch mit feinen Diagonalpässen das Spiel seiner Mannschaft eröffnen kann. Badstuber bekommt seine Spielpraxis, die er so dringend benötigt. Und der FC Bayern bekommt zur kommenden Saison einen fitten und wettkampferprobten Spieler - im Idealfall.

Seine Rückkehr nach München ist nicht fix, Badstubers Vertrag endet im Sommer. Allerdings besagen die Statuten der Deutschen Fußball-Liga, dass ein Verein keinen Akteur verleihen darf, dessen Kontrakt ausläuft. Insofern dürften sich die Gerüchte bestätigen, dass der FC Bayern bereit ist, den Spieler bis 2018 an sich zu binden. Zumal Badstuber betonte, er werde den Verein "vorerst" verlassen und auf auf einen Bumerangeffekt - mit Schmackes zurück nach München. Was ihn dann in der kommenden Saison bei Carlo Ancelotti erwarten würde, ist auf jeden Fall ein ungemütlicher Konkurrenzkampf mit den Kollegen Jérôme Boateng und Mats Hummels, zumal der Trainer bisweilen auch Javier Martínez und David Alaba in der Abwehrzentrale spielen lässt. Außerdem steht zur Debatte, dass die Münchner den Hoffenheimer Innenverteidiger Niklas Süle verpflichten. Aber es passt zum ihm eigenen Optimismus, dass Badstuber so weit in die Zukunft plant und trotz allem die Herausforderung sucht. Er weiß, dass sein Engagement auf Schalke ist so etwas wie seine letzte Chance ist. Und darauf hat er richtig Bock.

Quelle: n-tv.de

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