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"Wenn er sich entscheidet, sechs Monate für einen anderen Verein zu spielen, sind wir offen, das zu diskutieren."
"Wenn er sich entscheidet, sechs Monate für einen anderen Verein zu spielen, sind wir offen, das zu diskutieren."(Foto: imago/Sven Simon)

Was ist mit Hoeneß' Deutschpflicht?: Badstuber kann gehen - sagt Ancelotti

Von Stefan Giannakoulis

Was wird aus Holger Badstuber? Liegt seine berufliche Zukunft beim FC Bayern? Trainer Carlo Ancelotti ist offen für alles. Präsident Uli Hoeneß hingegen zeigt sich in einem anderen Fall kompromisslos: "Ein Spieler muss Deutsch lernen."

Gemessen am jüngsten Appell des Präsidenten, ist Holger Badstuber der ideale Fußballer für den FC Bayern. Uli Hoeneß hat just der "Sportbild" ein, wenn nicht unbedingt großes, so doch langes Interview gegeben. Und gefordert: "Ein Spieler muss Deutsch lernen, das muss eine Vorschrift werden. Ansonsten muss er eben zahlen." Badstuber ist seit fast anderthalb Jahrzehnten in München, geboren wurde er vor mehr als 27 Jahren in Memmingen. Das liegt etwa 120 Kilometer von der bayrischen Landeshauptstadt entfernt. Er ist, das lässt sich ohne Zweifel sagen, bestens integriert. Dennoch deutet viel darauf hin, dass er bald geht.

Sein Problem ist nicht die Sprache. Sein Problem ist, dass er sehr oft verletzt ist. Er trägt den inoffiziellen Titel "Pechvogel des deutschen Fußballs". Im Dezember 2012 erlitt er den ersten von zwei Kreuzbandrissen im rechten Knie, insgesamt musste er viermal am Gelenk operiert werden. Zwei Verletzungen im linken Oberschenkel und ein Sprunggelenkbruch stoppten den Innenverteidiger erneut. In dieser Saison hat er unter dem nicht mehr ganz so neuen Trainer Carlo Ancelotti drei Spiele absolviert. Im Sommer läuft Badstubers Vertrag aus.

"Jetzt ist er in guter Verfassung"

Und nun? Will der 31-malige Nationalspieler spielen. Das muss er, um in Form zu kommen. Ancelotti sagte im Trainingslager in Katar: "Wir sind offen. Wenn er sich entscheidet, zu bleiben, sind wir glücklich, weil er ein echter Profi ist. Wenn er sich entscheidet, sechs Monate für einen anderen Verein zu spielen, sind wir offen, das zu diskutieren." Und der Trainer konstatierte: "Es war wichtig, dass er sich gut erholen und gut trainieren konnte. Jetzt ist er in guter Verfassung." Aber für ein halbes Jahr verleihen würden die Bayern ihn schon.

Das wäre für Badstuber nicht die schlechteste Lösung. Spielt er, und spielt er gut, dürften seine Chancen steigen, einen neuen, zumindest ein Jahr gültigen Kontrakt, bei den Münchnern zu bekommen. Der Hamburger SV, der mit Emir Spahic einen Innenverteidiger rausgeschmissen hat, soll an Badstuber interessiert sein. Eine Anfrage des VfB Stuttgart, soll der Spieler abgelehnt haben, wie die "Stuttgarter Zeitung" berichtete. In der zweiten Liga wolle er nun doch nicht spielen.

Angeblich sollen sich Manchester City und Trainer Josep Guardiola gemeldet haben. Ob Badstuber dort allerdings mehr Spielpraxis bekommen würde als in München, darf bezweifelt werden - auch wenn Guardiola und er sich aus gemeinsamen Zeiten beim FC Bayern kennen. Zudem würde dem Tabellendritten der englischen Premier League ein zweikampfcleverer und abgezockter Abwehrakteur, der wie Badstuber seine Stärken im Spielaufbau hat, durchaus helfen.

Andererseits: Innenverteidiger Jérôme Boateng fällt nach seiner Operation am Brustmuskel zumindest für die ersten beiden Bundesligaspiele des FC Bayern in diesem Jahr in Freiburg und in Bremen aus. Ein Fall für Badstuber? Zudem könnte der sich als Memminger um seine Kollegen kümmern - und darum, die Direktive des Präsidenten umzusetzen: "Es muss wieder Deutsch in der Kabine gesprochen werden, die Sprache ist ein Bindeglied. Ansonsten gibt es Grüppchen." Im Moment, sagte Hoeneß, werde "zu wenig Wert darauf gelegt", dass sich die Spieler in deutscher Sprache verständigen. Ohne das Erlernen der deutschen Sprache, "kann sich ein Spieler auf Dauer nicht richtig bei uns integrieren". Vielleicht also bleibt Badstuber einfach dort, wo er jetzt schon ist.

Quelle: n-tv.de

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