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Gerard Piqué ist glühender Katalane - kein Spanier, wie er selbst betont.
Gerard Piqué ist glühender Katalane - kein Spanier, wie er selbst betont.(Foto: dpa)
Montag, 02. Oktober 2017

"Ich fühle mich katalanisch": Barca-Star Piqué entzweit Spanien

Gerard Piqué spaltet die spanischen Fußballfans: In Barcelona genießt er Ruhm und Ehre, im Rest des Landes wird er wegen seiner Unterstützung für die Abspaltung Kataloniens misstrauisch betrachtet. Jetzt ist er bereit, drastische Konsequenzen dafür zu tragen.

Gerard Piqué versagte immer wieder die Stimme. Der Fußballstar des großen FC Barcelona stotterte, seine Augen waren feucht von Tränen. Der 30-Jährige sprach nach dem 3:0 gegen UD Las Palmas nicht über seinen Sport, nicht über den siebten Sieg im siebten Ligaspiel, er richtete eine emotionale Botschaft an seine katalanischen Landsleute und die spanische Regierung. "Sie haben immer gesagt, dass wir eine kleine Minderheit sind", sagte Piqué nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der Katalanen. "Es wurde gezeigt, dass das nicht so ist, sondern dass wir Millionen von Menschen sind."

Damit richtete er sich direkt an die spanische Regierung. Mit einem massiven Polizeiaufgebot hatte die Regierung in Madrid versucht, die von der Justiz verbotene Abstimmung zu verhindern. Zahlreiche Verletzte in Barcelona und die Tränen Piqués waren die Folge. Nach dem "härtesten Spiel" seiner Karriere zog er sogar einen vorzeitigen Rücktritt aus dem spanischen Nationalteam in Erwägung. "Falls der Verband wirklich denken sollte, dass ich ein Problem bin, werde ich zurücktreten", sagte der aufgewühlte Verteidiger.

Star-Trainer Guardiola wirbt für Loslösung

Über 90 Prozent der Katalanen hatten für die Unabhängigkeit von Spanien gestimmt - allerdings lag die Wahlbeteiligung bei nur knapp über 40 Prozent. Nicht nur Piqué, auch die ehemaligen Barca-Profis Xavi und Carles Puyol zeigten offen ihre Unterstützung. Der ehemalige Bayern-Trainer Pep Guardiola warb schon seit Langem ebenfalls für die Loslösung Kataloniens von Spanien.

Ministerpräsident Mariano Rajoy ließ sich davon allerdings nicht beeindrucken. Es habe "kein Referendum, sondern eine Inszenierung" gegeben, sagte er. Die spanische Sportpresse betrachtete die Solidarität des FC Barcelona mit den Unterstützern des Referendums mit gemischten Gefühlen. Schon vor der Partie gegen Las Palmas hatten sich Piqué, Lionel Messi und Co. in Shirts mit den katalanischen Farben aufgewärmt. Zudem nimmt der Verein am Generalstreik am Dienstag teil. Alle Trainings der Profi-Teams und der Jugendmannschaften seien abgesagt, teilte die Vereinsführung mit.

Leere Ränge nutzt Zeitung als Sinnbild

Wegen der Unruhen in der Stadt musste Barça vor leeren Rängen spielen. "Es gibt keinen Applaus für dieses Barça", titelte die in Madrid ansässige "Marca", die den Klub der Hilfe für das "illegale Referendum" bezichtigte.

Die "Sport" aus Barcelona bezeichnete die Austragung des Spiels als "Schande". Barça hatte das Match wegen des Referendums eigentlich verschieben wollen, was aber nicht möglich war. Piqué dagegen habe mit Würde agiert. "Es gibt viele Menschen in Spanien, die nicht damit einverstanden sind, was heute passiert ist und die an die Demokratie glauben", sagte Piqué.

Es war nicht das erste Mal, dass der Weltmeister von 2010 die Fußball-Fans spaltet. Außerhalb Barcelonas wird Piqué in den spanischen Stadien regelmäßig ausgepfiffen, egal ob er für seinen Club oder das Nationalteam spielt. Nach einem Spiel gegen Albanien war er vor etwa einem Jahr dafür kritisiert worden, dass er seinen Trikotärmel angeblich so präpariert habe, dass man die spanische Flagge nicht mehr sehen konnte.

Auch für seine regelmäßige Kritik an Real Madrid ist Piqué bekannt. Irgendwann nervten ihn die ganzen Debatten so sehr, dass er für den Sommer 2018 seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft ankündigte. Ob es nun vielleicht sogar eher dazu kommt und Piqué sogar auf eine WM-Teilnahme in Russland verzichtet, bleibt abzuwarten.

Quelle: n-tv.de

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