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Zuletzt waren Robert Lewandowski und seine Dortmunder den Bayern im direkten Duell meistens einen Schritt voraus.
Zuletzt waren Robert Lewandowski und seine Dortmunder den Bayern im direkten Duell meistens einen Schritt voraus.(Foto: dpa)

Pokal-Viertelfinale elektrisiert: Bayern, Dortmund, Gigantengipfel

Bis jetzt, sagt BVB-Coach Jürgen Klopp, spielt der FC Bayern eine perfekte Saison. Bis jetzt. Zum Pokal-Viertelfinale reisen seine Dortmunder trotzdem als Außenseiter auf Augenhöhe. Der BVB weiß, wie man in München gewinnt, die Bayern wissen das auch. Auch wenn es für den BVB um die letzte echte Titelchance geht. Für die Bayern geht es um noch mehr.

Wie wunderbar der DFB-Pokal sein kann, haben Mainz und Freiburg am Dienstag bewiesen. Die knapp 130 intensiv-verrückten Minuten, mit denen das Pokal-Viertelfinale 2012/13 eröffnet wurde, waren oscarreifes Fußballkino. Die Superlative bleiben dennoch der Partie vorbehalten, mit der das Viertelfinale ab 20.30 Uhr in München (im n-tv.de Liveticker) abgeschlossen wird.

FC Bayern - Bor. Dortmund, 20.30 Uhr
Voraussichtliche Aufstellungen
 
München: Neuer - Lahm, van Buyten, Dante, Alaba - Javi Martinez, Schweinsteiger - T. Müller, Kroos, Robben - Mandzukic
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels (Santana), Schmelzer - Blaszczykowski, Bender (Kehl), Gündogan - Götze, Reus - Lewandowski

ab 20.30 Uhr im n-tv.de Liveticker

"Heißer Tanz", "riesiger Pokalfight", "superbesonderes Spiel". Das Duell zwischen Bundesliga-Dominator FC Bayern und Pokalverteidiger Borussia Dortmund ist vorab mit Erwartungen überfrachtet worden. Zurecht. Warum? Weil beide Teams die Klasse haben, alle Erwartungen zu erfüllen. Und weil es ein Endspiel im Viertelfinale ist. Wer gewinnt, wird später auch den Pott holen, das ist die einhellige Meinung. Und dass anders als zuletzt beim 1:1 in der Liga einer gewinnen muss, erhöht den Reiz zusätzlich.

Der in der Liga enteilte Münchner Fußball-Rekordchampion will dem Dortmunder Doublegewinner die nächste Titelhoffnung rauben und seinen Status als Nummer eins untermauern. An dem hatte der BVB mit zwei überragend herausgespielten Meistertiteln und dem berauschenden 5:2 im Pokalfinale 2012 gegen die Münchner zuletzt kräftig gerüttelt.

Riesiger Rückstand, viel Selbstvertrauen

Angstgegner-Trainer: BVB-Coach Jürgen Klopp.
Angstgegner-Trainer: BVB-Coach Jürgen Klopp.(Foto: dpa)

Und die Dortmunder? Sie reisen mit riesigem Rückstand zum Gigantengipfel nach München. Und mit der Gewissheit, in allen großen Spielen dieser Saison große Leistungen gebracht zu haben. Und größer als ein K.o.-Spiel in München geht es derzeit kaum. "Bis hierhin ist es für die Bayern eine perfekte Saison", hat BVB-Coach Jürgen Klopp in der "Süddeutschen Zeitung" vorab festgestellt und nachgeschoben: "Wir wissen, dass wir zu den wenigen Mannschaften auf diesem Planeten gehören, die die Bayern schlagen können."

Das wissen auch die Bayern, und das freut sie nach den zwar torreichen, aber wenig anspruchsvollen Spaziergängen in der Bundesliga. "Ich glaube, ganz Deutschland freut sich drauf - wir auch! Das sind die zwei besten Mannschaften in Deutschland", frohlockt Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm.

Sieben Duelle, ein Bayern-Sieg
10/2010 Liga BVB  - Bayern     2:0
02/2011 Liga Bayern  - BVB     1:3
11/2011 Liga Bayern  - BVB     0:1
04/2012 Liga BVB  - Bayern     1:0
05/2012 Pokalf. BVB  - Bayern     5:2
08/2012 Supercup Bayern  - BVB     2:1
12/2012 Liga Bayern  - BVB     1:1

In nahezu alle Äußerungen, die vorab aus München zu vernehmen waren, schwingt die feste bajuwarische Überzeugung mit, dass die Bayern dabei das bessere der beiden besten Fußballteams sind. Daran haben auch die fünf sieglosen Ligaspiele gegen Dortmund (vier Niederlagen, ein Remis, 3:8-Tore) nichts geändert und auch nicht die fünf Gegentore im Pokalfinale. Damals hatte Lahm anschließend erklärt: "Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft, aber wir laden den Gegner durch unsere Fehler immer wieder ein." Die Dortmunder hatten ihre neue Größe still genossen.

Besuch von den Spaßverderbern

Nach seinem perfekten Bundesliga-Jubiläum hofft Bayern-Coach Jupp Heynckes nun auch auf einen tollen Vereinsgeburtstag.
Nach seinem perfekten Bundesliga-Jubiläum hofft Bayern-Coach Jupp Heynckes nun auch auf einen tollen Vereinsgeburtstag.(Foto: dapd)

Exakt 113 Jahre nach der Vereinsgründung am 27. Februar 1900 möchte sich der FC Bayern den Geburtstag diesmal nicht von seinem Dauer-Spaßverderber der vergangenen Jahre vermiesen lassen. Der zehrenden Misserfolgsserie gegen den BVB, die nur vom 2:1-Sieg im absolut bedeutungslosen Supercup unterbrochen wurde, steht eine grandiose Heimstatistik im Pokal gegenüber: In 26 der vergangenen 27 Pokalheimspiele zogen die Bayern in die nächste Runde ein, nur 2011 verlor man das Halbfinale gegen Schalke.

Für Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zählt nach zwei Jahren, in denen den millionenteuren Spielerverpflichtungen keine nennenswerten Neuzugänge im Trophäenschrank gegenüberstanden, offiziell nur: "Es geht um einen Titel, deswegen müssen wir gewinnen." Ganz so einfach ist die Sache für die Bayern dann aber doch nicht. Anders als für Dortmund geht es zwar nicht um die letzte nationale Titelchance. Aber es steht die unangenehme Frage im Raum, was die sichere Bayern-Meisterschaft wert wäre, wenn es im Pokal nun eine Heimniederlage gegen den BVB setzt. Nicht auszudenken, was dies für das Selbstvertrauen beider Klubs und die weitere Saison in der Königsklasse bedeuten könnte.

Alles, nur kein Angstgegner

Dass die Dortmunder ein Münchner Angstgegner sind, wird bei den Bayern hartnäckig bestritten. Unstrittig ist, dass der BVB in München längst ernst genommen wird und sowohl spielerisch als auch taktisch immer in der Lage scheint, die Bayern zu bezwingen. "Wir haben gemerkt, dass der Respekt der Bayern vor uns größer geworden ist", hat BVB-Coach Klopp hervorgehoben. In München hofft er auf seine Bestbesetzung und deshalb auf die nächste Gala im nächsten Topspiel. Allerdings ist der Einsatz von Abwehrchef Mats Hummels äußerst fraglich. Nach seinem Pferdekuss beim 1:1 gegen Gladbach soll der Innenverteidiger nun an einem grippalen Infekt laborieren.

Der in der Liga gesperrte Top-Torjäger Robert Lewandowski, Spekulationsobjekt für den Münchner Angriff und gleichzeitig der personifizierte Bayern-Schreck, darf im Pokal hingegen wieder mitspielen. Im Finale 2012 erzielte er drei der fünf BVB-Tore. "Ich glaube fest daran, dass wir sie in München schlagen können. Wir haben wesentlich weniger Druck als die Bayern. Wenn sie verlieren, ist der Aufschrei größer", sagte er der "Sport Bild".

Dagegen muss der gesperrte Franck Ribéry "traurig" von der Tribüne zuschauen. Für die Rolle des Franzosen steht der zuletzt missmutige Reservist Arjen Robben bereit, dessen Eignung für die neue, vom BVB abgeschaute Münchner Offensivverteidigung allerdings fraglich ist. Und der im entscheidenden Meisterschaftsduell im April 2012 zum tragischen Helden avanciert war. Nichtsdestotrotz erklärte der Niederländer vorab bedeutungsschwanger: "Das ist wieder ein superbesonderes Spiel." Teamkollege Thomas Müller hielt es etwas nüchterner. "Am Mittwoch", sagte er, "erwartet uns ein heißer Tanz." Offen ist nur, wer dabei führt.

Quelle: n-tv.de

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