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In der Hinrunde sammelte der FC Bayern bescheidene 15 Siege in der Bundesliga. Es bleibt also Luft nach oben.
In der Hinrunde sammelte der FC Bayern bescheidene 15 Siege in der Bundesliga. Es bleibt also Luft nach oben.(Foto: dpa)

So läuft der Rückrundenauftakt: Bayern langweilt, BVB strotzt, Gladbach tönt

Von Stefan Giannakoulis und Christoph Wolf

Die öde Bundesliga-Enthaltsamkeit ist vorbei, jetzt langweilt der FC Bayern wieder mit Dauersiegen. Erstes Opfer: der HSV. Gladbach rächt sich am BVB - und Thomas Schaafs Himmelfahrtskommando startet in Hannover.

Was machen Guardiola und der FC Bayern?

Siegen, siegen, siegen, siegen, siegen. Ottmar Hitzfeld glaubt zwar, dass der angekündigte Abschied Josep Guardiolas im Sommer eine gewisse Brisanz berge. Aber wer es mit dem FC Bayern hält, muss sich deshalb vor dem Rückrundenauftakt der Fußball-Bundesliga (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) beim Hamburger SV keine Sorgen machen, dass die Münchner den Start ins neue Jahr vergeigen.

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Denn Hitzfeld vertraute dem "Kicker" auch an: "Es braucht ein kleines Wunder, dass Bayern nicht Meister wird." Gleiches gilt dafür, dass die Münchner nicht in Hamburg gewinnen. Kurzum: Die nationale Meisterschaft hat der FC Bayern im Sack, es bleibt national maximal langweilig. Und das mit dem Gewinn der Champions League klappt in Guardiolas dritten Jahr in München auch. Falls doch nicht, dürfte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge seine Fantastereien für eine Abschaffung der "Königsklasse" intensivieren.

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Prächtig, immer noch. Das 1:2 zum Hinrundenende in Köln hat lediglich ein schwarzgelbes Stimmungsdellchen verursacht, das in der Winterpause ruckzuck ausgebeult wurde. Die Vorbereitung in Dubai war politisch höchst umstritten, gilt sportlich vereinsintern aber als tipptopp. Die beiden Testspiele wurden hoch gewonnen, ohne dass der BVB völlig überzeugen musste. Einziger "Wermutstropfen" für BVB-Coach Thomas Tuchel sind die Verletzungen von Sven Bender und Marcel Schmelzer, die zum Rückrundenstart bei den Gladbachern ausfallen werden. Die haben etwas gutzumachen.

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Im Hinspiel läutete der BVB mit dem 4:0 das Ende der Ära Lucien Favre bei seiner Namenscousine ein - und legte die Grundlage für eine herausragende Hinrunde, in der man laut BVB-Boss Hans-Joachim Watzke den Status als Nummer zwei wieder zementiert hat. Selbst Schalker wie André Breitenreiter loben den Erzrivalen inzwischen via "Bild"-Zeitung öffentlich als "positives Beispiel". Eine erneute Kapitulation der Namenscousine dürfen die Dortmunder dennoch nicht erwarten. Wie beim BVB hinterließ auch in Gladbach der Verlust des scheinbar unersetzlichen Starcoaches keine Narben. Unter André Schubert holten die Gladbacher in zwölf Spielen 29 Punkte - genauso viele wie Guardiolas Bayern. "Wir spielen gegen eine Top-Mannschaft, brauchen uns aber nicht zu verstecken. Wir haben Respekt, aber das wird umgekehrt genauso sein."

Was machen des Verfolgers Verfolger?

Pal Dardai hat einen Wunsch: "Bitte schreibt nach der guten Hinrunde nicht, dass die Rückrunde schlecht werden kann", sagte der Hertha-Trainer der "Berliner Morgenpost". Seine Spieler sollen sich mit diesem Gedanken gar nicht erst beschäftigen. In der Tat ist die Fallhöhe enorm, schließlich starten die Berliner überraschend als Tabellendritter in die zweite Hälfte der Saison. Im Olympiastadion geht es am Samstag ab 15.30 Uhr gegen den FC Augsburg. Und wenn die Herthaner in den verbleibenden 17 Partien ebenso viele Punkte holen würden wie in besagter Hinrunde, stünden am Ende 64 Zähler zu Buche. In der vergangenen Spielzeit hätte das für die Qualifikation zur Champions League gereicht. Darf halt nur die Rückrunde nicht schlecht werden - aber das sagt ja auch keiner.

Atmen, Huub, atmen!
Atmen, Huub, atmen!(Foto: imago/Michael Weber)

Apropos Königsklasse: Dort wollen auch die Leverkusener und ihre Trainer Roger Schmidt wieder hin, die zur gleichen Zeit in Sinsheim gastieren. Die Hoffenheimer hingegen stehen ganz am Ende der Tabelle; da half es - zumindest bisher - auch nichts, dass sie nach zehn Spieltagen Markus Gisdol gefeuert und Huub Stevens engagiert hatten. Die Abwehr zeigt sich unter dem Niederländer zwar stabiler, sechs Gegentore in sieben Partien sind besser als die 19 in zehn Spielen mit Gisdol. Aber mit dem Torschießen klappt's halt nicht: 17 Treffer in 17 Partien - so schlecht ist sonst nur Werder Bremen. Das hat immerhin zwei Zähler mehr als die Hoffenheimer gesammelt und tritt am Sonntag ab 17.30 Uhr zum Abschluss dieses 18. Spieltags beim FC Schalke 04 an, der wiederum wie die Leverkusener nach Europa strebt.

Brisanz oder Langeweile - was passiert sonst noch?

Der 1. FC Köln startet beim VfB Stuttgart in die Rückrunde. Für Schlagzeilen sorgte vorab aber die sportliche Führung des FC: Manager Jörg Schmadtke mit seiner tausende Euro teuren "Eierkopp"-Beschimpfung. Und Coach Peter Stöger, der seinen Vertrag vorzeitig bis 2020 verlängerte, Hennes Weisweiler als Kölner Rekordtrainer ablösen könnte und perspektivisch sogar zum rheinischen Arsene Wenger werden soll, also zum Dauertrainer mit Champions-League-Abo. Davon ist Jürgen Kramny beim VfB Stuttgart trotz Beförderung zum Chef noch so weit entfernt wie Neu-Stuttgarter Kevin Großkreutz von einer Rückkehr in Joachim Löws Nationalelf. Gemeinsam wollen beide aber die "harte Nuss" Köln knacken, was im Überlebenskampf ganz förderlich wäre.

Die Ingolstädter Hoffnungen auf Tore ruhen in der Rückrunde auf Dario Lezcano.
Die Ingolstädter Hoffnungen auf Tore ruhen in der Rückrunde auf Dario Lezcano.(Foto: imago/Stefan Bösl)

In Ingolstadt könnte es am 18. Spieltag sentimental werden, auf Seiten der Gäste aus Mainz. Dort deutet sich an, dass Yunus Malli sein letztes Spiel für den FSV bestreitet, ehe er seinem Entdecker Thomas Tuchel zum BVB folgt. Dafür sprechen mindestens neun Millionen Gründe, vielleicht sogar zehn. Dem FCI reichten circa 2,5 Millionen Argumente in frisch gedruckten Euro-Scheinen, um Dario Lezcano zum Umzug vom FC Luzern ins schöne Ingolstadt zu bewegen. Dort soll er nun das tun, was den Mannen Ralph Hasenhüttl in der Hinrunde schwerfiel, das Sammeln von Punkten aber ungemein erleichtert: Tore schießen.

Nachdem Bayer Leverkusen mit Javier Hernandez einen Glücksgriff getätigt hat, dürfen sich nun auch die Fans von Eintracht Frankfurt auf einen Sturm-Neuzugang aus Mexiko freuen. Sein klangvoller Name: Marco Fabian. Sein Einstand: zwei Tore beim Testspiel gegen Zweitligist Eintracht Braunschweig, das dennoch nur 3:3 endete. Trotzdem: Mit einem fitten Stürmer sind die Frankfurter klar im Vorteil gegenüber Wolfsburg, wo Toptorjäger Bas Dost wochenlang ausfällt - und bislang noch nicht ersetzt wurde. Aber, liebe VfL-Fans: Die Suche läuft auf Hochtouren, wenn auch momentan auf die kleine Lösung Mame Diouf hinaus. Dieser Fußball!

Für welchen Trainer wird's eng?

Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass Thomas Schaaf nicht wüsste, worauf er sich eingelassen hat, als er in der Winterpause als Nachfolger des zurückgetretenen Michael Frontzeck die Mannschaft von Hannover 96 übernahm. Die steht nämlich auf dem vorletzten Tabellenplatz - und spielt am Samstagnachmittag gegen den Aufsteiger aus Darmstadt, der zwar in der Hinrunde kämpfte, kratzte und biss, letztlich aber auch nur vier Zähler mehr als die Niedersachsen auf dem Konto hat. "Ja, das ist eine wichtige Partie", sagte Schaaf. "Aber wir werden nicht mit einem Sieg gegen Darmstadt die Klasse halten." Und überhaupt: Er könne nicht versprechen, "dass wir nicht absteigen. Aber wir werden alles versuchen, alles dafür tun". Und wie will er das machen? "Ich will in das ganze Gebilde wieder Leben reinbringen." Die Mannschaft "strotzt derzeit nicht gerade vor Selbstvertrauen". Hm, könnte eng werden.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Ich brauche mindestens ein Jahr, um Neuzugänge zu beurteilen - im Gegensatz zu den Journalisten, die das ja schon nach einer Woche können." Heribert Bruchhagen, Vorstandschef der Frankfurter Eintracht, lässt es langsam angehen.

Quelle: n-tv.de

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