Sport
Höhenflug ohne Abzüge in der B-Note: Der schnellste Mann der Bundesliga, Pierre-Emerick Aubameyang.
Höhenflug ohne Abzüge in der B-Note: Der schnellste Mann der Bundesliga, Pierre-Emerick Aubameyang.(Foto: imago sportfotodienst)

Sechs Dinge, die wir am fünften Spieltag gelernt haben: Bayern liefert Theater, BVB großes Kino

Von Stefan Giannakoulis und Christian Bartlau

Der BVB gewinnt, Bayern auch, aber einer motzt immer. Die Erkenntnis des Bundesliga-Starts lautet, dass Dortmund die große Pointe liefern könnte. Zudem: der arbeitsscheue Gustavo, ein Königstransfer und nordische Krisenkinder.

1. Die Bayern können immer noch gut Theater

Irgendwas ist immer: Matthias Sammer.
Irgendwas ist immer: Matthias Sammer.(Foto: imago sportfotodienst)

Matthias Sammer motzt, Franz Beckenbauer findet's gut, Uli Hoeneß eher nicht. Bleibt die Frage, was beim FC Bayern los ist, wenn die Mannschaft von Übungsleiter Josep Guardiola wirklich einmal verliert. Das ist nämlich in dieser Spielzeit nicht vorgekommen - sieht man von der Niederlage im Supercup gegen Borussia Dortmund vor Saisonbeginn ab. So aber gab es ein sachliches 2:0 gegen Hannover 96. Die Bayern sind nun seit 30 Bundesligaspielen ungeschlagen und bleiben hinter dem spektakulären Spitzenreiter BVB auf Platz zwei der Tabelle.

Ansonsten neigen wir dazu, dem Münchner Präsidenten in diesem Fall zuzustimmen: "In Dortmund lachen sie sich doch tot." Obwohl: Sammer hat sich schon etwas dabei gedacht, als er gewohnt antizyklisch das Rumpelstilzchen gab und der Mannschaft vor dem Auftakt in der Champions League gegen ZSKA Moskau einen Rüffel verpasste und den Trainer aus dem Fokus nahm. Die "Süddeutsche Zeitung" hat den Monolog prima protokolliert: "Jeden Tag geht es: Pep hin, Pep her, Pep hoch, Pep runter, und wir finden das alles so prima, dass wir sagen: Ach Mensch, wie stehen ja alle ein bisschen weniger in der Verantwortung, das ist ja alles er." Nicht nur Sammer weiß: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

2. Der BVB ist besser besetzt als vergangene Saison

Als hätte Michael Wiesinger nicht genug Sorgen. Sein 1. FC Nürnberg wartet immer noch auf den ersten Saisonsieg, nicht einmal beim bis dato punktlosen Aufsteiger Braunschweig klappte es mit dem Dreier. Und beim Blick auf den Spielplan dürfte er etwa so viel Vorfreude verspüren wie die Piraten auf ein Aufeinandertreffen mit den schlagkräftigen Galliern um Asterix und Obelix: Borussia Dortmund kommt am nächsten Wochenende nach Franken.

Bilderserie

Der BVB legt gerade einen Raketenstart hin, die fünf Siege bedeuten einen Vereinsrekord. Da kann sich Trainer Jürgen Klopp sogar Nebenkriegsschauplätze leisten. So furchterregend agierte der Vizemeister bisweilen, dass HSV-Trainer Thorsten Fink es mit einer defensiven Variante versuchte, mit der Italien bei der EM 2012 zumindest in der Vorrunde die spanische Offensive lahmlegte: drei Innenverteidiger und tief stehende Außen. Er beendete das Experiment früh, es half alles nichts gegen die Offensivpracht des BVB.

Wer sich den Wirbelsturm so ansah, den Marco Reus, Pierre-Emerick Aubameyang, Henrikh Mkhitaryan und Robert Lewandowski entfachten, musste mitgerissen werden von der schieren Kraft. "Das war Wahnsinn, was die Jungs da vorn gespielt haben, einfach geil", sagte Jürgen Klopp. Er und Sportdirektor Michael Zorc könnten vielleicht sogar eine der großen Pointen dieser Saison liefern. Es ist vielleicht ein bisschen früh für eine abschließende Beurteilung, aber vielleicht ist dieser Henrikh Mkhitaryan sogar ein Update zu Mario Götze. Nicht, dass er unbedingt ein besser Spieler wäre – aber ein anderer Spielertyp, der aus dem Mittelfeld heraus zentral in den Strafraum einbricht und traumhaft sicher abschließt. Wenn den Dortmundern überhaupt noch etwas gefehlt hat im Angriff, dann das.

3. Schalke hat den Königs(blau)-Transfer gelandet

So sehen Leader aus: Kevin-Prince Boateng.
So sehen Leader aus: Kevin-Prince Boateng.(Foto: imago sportfotodienst)

TV-Kommentator Frank Buschmann sagte jüngst bei n-tv.de über die Anforderungen an eine Führungsfigur: "Du musst es vorleben, nicht vorquatschen." Kevin-Prince Boateng tut bei Schalke 04 gerade genau das. "Mit ihm ging ein Ruck durch die Manschaft", sagte Julian Draxler über seinen Kollegen, der beim 1:0 in Mainz mit seinem einzigen Torschuss den entscheidenden Treffer erzielte. Es war Boatengs erstes Tor in der Bundesliga seit 3210 Tagen. "Es wurde mal wieder Zeit für mich. Aber man darf nicht vergessen, dass ich zwischenzeitlich einige Jahre im Ausland war", sagte der neue Chef auf Schalke fast entschuldigend.

Vergessen darf man tatsächlich nicht, dass Boateng bis vor einigen Wochen noch beim großen AC Mailand unter Vertrag stand. Für vergleichsweise läppische zehn Millionen Euro holte Sportdirektor Horst Heldt heimlich, still und leise den Mann, der sich schon jetzt als Königstransfer entpuppt. "Man hat vom ersten Training an gemerkt, dass er alle mitreißt und ein absoluter Qualitätsspieler ist", sagte Heldt nach dem Spiel in Mainz. Für S04 stehen harte Wochen an – am Mittwoch wartet Steaua Bukarest in der Champions-League, in der Liga kommen die Bayern. Die Kampfansage kommt von Boateng höchstpersönlich: "Wir sind jetzt heiß, das ist doch klar."

4. Wolfsburgs Gustavo kommt auf höchstens 17 Spiele

Und täglich grüßt das Murmeltier.
Und täglich grüßt das Murmeltier.(Foto: imago sportfotodienst)

Luiz Gustavo ist ein prima Spieler. Weil er bei der Weltmeisterschaft in Brasilien für Brasilien spielen will, beim FC Bayern aber meist nur auf der Bank saß, wechselte er vor einem guten Monat für überlieferte 18 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg - und trug zum Einstand als die bessere Hälfte der Doppelsechs vor der Viererabwehrkette viel dazu bei, dass sein neuer Verein mit 4:0 gegen den FC Schalke 04 gewann. Gustavo spielte so, als habe er schon immer für die Wölfe gespielt. In der zweiten Partie aber flog er mit Gelb-Rot vom Platz, sein VfL verlor mit 0:2 in Mainz. Und Gustavo musste ein Spiel aussetzen, das Wolfsburg ohne ihn mit 2:0 gegen Berlin gewann.

Am Wochenende beim 1:3 in Leverkusen war Gustavo wieder dabei – und musste fünf Minuten vor Toresschluss mit Gelb-Rot raus. Drei Spiele, zwei Platzverweise, wir rechnen mal hoch: Macht der Brasilianer so weiter, kann Trainer Dieter Hecking bis zum Ende der Saison in höchstens 17 Bundesligaspielen auf ihn bauen. Der betont: "Unsere Mannschaft ist nicht unfair." Und Gustavo beteuert: "Ich habe in zwei Spielen nur vier Fouls gemacht." Aber zweimal Gelb ist halt Rot.

5. Kadlec könnte Frankfurts Kießling werden

Neben den beiden Dortmundern Pierre-Emerick Aubameyang und Robert Lewandowski sind Frankfurts Vaclav Kadlec und der Leverkusener Stefan Kießling die Doppelpacker des Spieltags. Dass Kießling Tore schießt, ist nicht neu, sorgt aber dafür, dass sich Bayer mit seinem Trainer Sami Hyypiä nach dem Sieg gegen Wolfsburg und vor dem Königsklassenauftakt morgen bei Manchester United souverän auf Platz drei der Tabelle behauptet. Aber wer ist eigentlich dieser Kadlec? Der 21 Jahre alte Tscheche, der mit 16 in der Nationalelf debütierte, kam für 3,2 Millionen Euro von Sparta Prag zur Eintracht nach Frankfurt - und hat nach drei Bundesligaspielen bereits drei Tore erzielt. Beim 3:0-Erfolg in Bremen war er zweimal zur Stelle.

Trainer Armim Veh gibt sich dennoch zurückhaltend, wenn es darum geht, den Spieler zu loben, den er unbedingt haben wollte: "Er ist ein außergewöhnliches Talent. Er ist noch kein außergewöhnlicher Spieler, aber er kann einer werden." Klingt vernünftig. Tatsächlich hatte Kadlec in Bremen seine Stärke nicht gerade im Zweikampf, er gewann nur drei. Dafür war er enorm effektiv, drei Chancen hatte er, zweimal traf er. Oder wie es Klubchef Heribert Bruchhagen Bruchhagen formulierte: "Er hat das, was einen Mittelstürmer in erster Linie auszeichnet, dass er im richtigen Augenblick an der richtigen Stelle steht." Wie das dauerhaft geht, weiß Stefan Kießling.

6. Die Krisenkinder kommen aus dem Norden

Am 07. Mai 2009 standen sich im Rückspiel des Uefa-Pokal-Halbfinals der Hamburger SV und Werder Bremen gegenüber. Es war ein Spektakel, die Bremer gewannen 3:2 und zogen ins Finale ein. Bei Bremen wirbelten Diego und Claudio Pizarro in ihrer Blüte, beim HSV traf Ivica Olic doppelt. Drei Wochen zuvor spielten der HSV und Werder im DFB-Pokal-Halbfinale gegeneinander, auch hier ging Bremen als Sieger vom Platz. Bremen holte sich den DFB-Pokal, der deutsche Meister kam damals aus Wolfsburg – es waren die bislang letzten Titel für norddeutsche Klubs.

Heute ist zumindest der HSV immer noch eine Attraktion – allerdings eine, die sich nur gegnerische Fans gerne anschauen. Die Schießbude der Liga kassierte schon 15 Treffer, die Abwehr verdiente beim 2:6 in Dortmund ihren Namen nicht, zu 32 Chancen kam der BVB. Werder Bremen hingegen startete ordentlich, mit zwei Siegen gegen Braunschweig und Augsburg. Seitdem stehen drei Niederlagen zu Buche. Nur drei Treffer haben die Hanseaten erzielt, der neue Stürmer Franco di Santo traf statt ins Tor seinen Gegenspieler Oczipka bei einer brutalen Kung-Fu-Einlage im Gesicht, und wird nach der Roten Karte gesperrt fehlen. "Meine Aufgabe ist jetzt, Ruhe zu bewahren", sagte Trainer Robin Dutt. Was er nicht sagte, aber weiß: Seine Aufgabe ist es auch, Punkte zu holen. Am nächsten Wochenende reist Werder – zum HSV.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen