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David Alaba ließ sich nicht davon stören, dass der Elfmeter für seine Bayern zweifelhaft war - er verwandelte ihn sicher.
David Alaba ließ sich nicht davon stören, dass der Elfmeter für seine Bayern zweifelhaft war - er verwandelte ihn sicher.(Foto: AP)

7-10-11 als Glückszahlen: Bayern schwitzen gegen Frankfurt

Nach dem Gala-Sieg gegen Lille müssen sich die Ballkünstler vom FC Bayern gegen Frankfurt als Fußball-Arbeiter beweisen. Geschwächt von einer Grippewelle profitiert der Rekordmeister dabei auch vom Abschlusspech des Aufsteigers und einem zweifelhaften Elfmeter. Frankfurts erneut geerdete Höhenflieger fürchten dennoch keinen Absturz.

Bastian Schweinsteiger riss erleichtert die Arme in die Luft, Arjen Robben stützte schwer atmend die Hände auf die Knie, und auch die Bosse auf der Tribüne atmeten kurz durch. Trotz einer dürftigen Vorstellung hatte es für den FC Bayern zu einem 2:0 (1:0)-Arbeitssieg gegen Eintracht Frankfurt gereicht. Zu ausgelassenem Jubel sah der souveräne Tabellenführer der Bundesliga nach dem zehnten Dreier im elften Spiel aber keinen Anlass, auch Schweinsteiger nahm die Arme schnell wieder runter.

"Es war ein hartes Stück Arbeit", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. In der Kabine hatten er sowie Präsident Uli Hoeneß und Finanzchef Karl Hopfner in viele ausgezehrte Gesichter geblickt - und das lag nicht nur an der Grippewelle, die den Rekordmeister vor dem Spiel erwischt hatte. Hopfner verstand es aber, hier und da ein Lächeln in die müden Gesichter zu zaubern. "Sieben-zehn-elf", habe er nur gesagt, erzählte Rummenigge - es ist der Vorsprung der Münchner auf Schalke 04, Frankfurt und Meister Borussia Dortmund.

Franck Ribery hatte kurz vor der Pause den Bann mit dem 1:0 gebrochen.
Franck Ribery hatte kurz vor der Pause den Bann mit dem 1:0 gebrochen.(Foto: dapd)

Sieben, zehn, elf - das waren die Glückszahlen des FC Bayern an einem schweren Nachmittag. Torschütze Franck Ribéry, der die Münchner mit seinem 1:0 (44.) erlöst hatte, Kapitän Philipp Lahm, Thomas Müller, Dante und der geschonte Mario Mandzukic seien alle von einem Grippevirus befallen, sagte Trainer Jupp Heynckes. "Das soll keine Entschuldigung sein, aber das geht schon an die Physis."

Von Gala keine Spur mehr

Tatsächlich war die Gala-Form des 6:1 gegen den OSC Lille vom Mittwoch verflogen. Erster gegen Dritter, bester Starter gegen besten Aufsteiger der Geschichte - es war das erwartete Duell auf Augenhöhe. Die giftigen Frankfurter spielten gewohnt schnell und schnörkellos, hätten in Führung gehen können. Auch das 1:1 war drin, doch Anderson köpfte an die Latte (50.). So durfte David Alaba per schmeichelhaftem Foulelfmeter (77.) den Endstand herstellen.

"Es hat nicht alles so nach Wunsch funktioniert", gab Müller zu, der nur von der Bank gekommen war. "Ein bisschen zu viel" zugelassen hätte der FC Bayern, ergänzte er. Außerdem, monierte Lahm, habe das Umschaltspiel "nicht so schnell funktioniert". Rummenigge ("die Frische hat ein bisschen gefehlt") führte das wie Heynckes auf besagten Virus zurück. Außerdem, ergänzte Hoeneß, sei es eben sehr schwierig nach Champions-League-Spielen, "wenn sich die anderen zu Hause ausruhen". Und Frankfurt sei eben eine starke Mannschaft, die "noch für weitere Überraschungen sorgen" werde.

Hauptsache gewonnen

"Wir haben gewonnen - alles andere ist nicht so wichtig", sagte Hoeneß bescheiden. Heynckes fiel als Lob nur ein, dass sein Team, in dem Claudio Pizarro als Mandzukic-Ersatz diesmal nicht überzeugte, "clever und intelligent" gespielt habe. Zum gemütlichen Zurücklehnen aber gab das keinen Anlass. "Wir tun gut daran, ruhig und geerdet zu bleiben", wiederholte Rummenigge das Bayern-Mantra.

Allerdings: Nach der Länderspielpause, beim Derby in Nürnberg, dürften die Bayern wieder stärker sein. Daniel van Buyten gab gegen die Eintracht bei seinem ersten Saisoneinsatz ein ordentliches Comeback. Auch Holger Badstuber steht bei den Franken wohl wieder zur Verfügung. Und Mario Gomez wird am Dienstag im Testspiel bei Falke Markt Schwaben ebenfalls zurückkehren. Nur Jerome Boateng fällt mit einem Muskelfaserriss im Adduktorenbereich aus.

Frankfurt hadert und ist froh

Das reicht aber kaum, um die Konkurrenz angesichts der Übermacht der Münchner zu beruhigen. Umso größer war der Ärger bei der Eintracht, die Bayern an einem der wenigen schwächeren Tage des Favoriten nicht zu Fall gebracht zu haben. "Ich kann mich schlecht hinstellen und sagen, ich bin zufrieden. Das ist nicht der Fall", sagte Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Trainer Armin Veh haderte mit der Elfmeterentscheidung - Vadim Demidov hatte Schweinsteiger straucheln lassen.

Doch auch die Hessen wussten, dass die Bayern durchaus hätten höher gewinnen können, hätte Torhüter Kevin Trapp nicht "wahnsinnig" gut gehalten, wie Alexander Meier hervorhob. Dass die Eintracht nur eines der vergangenen fünf Spiele gewonnen hat, wollte niemand aus Frankfurt als Krise interpretieren. "Wir wussten, dass schwierige Zeiten mal kommen würden. Aber davon sind wir noch weit weg", sagte Meier. Der starke Auftritt von München gab in der Tat keinen Anlass, einen Frankfurter Absturz zu befürchten.

Quelle: n-tv.de

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