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Unterschrieben: Serdar Tasci heuert beim FC Bayern München an.
Unterschrieben: Serdar Tasci heuert beim FC Bayern München an.(Foto: Twitter: @FCBayern)

Warum Tasci eine gute Idee ist: Bayerns "Panikkauf" hat Perspektive

Von Tobias Nordmann

Nottransfer? Nicht mit uns, beteuert der FC Bayern trotz enormer Verletzungssorgen - bis völlig überraschend Ex-Nationalspieler Serdar Tasci unterschreibt. Die Münchner sind glücklich, die Fans verwirrt. Dabei winkt ein Win-Win-Szenario.

Jerome Boateng verletzt. Der Weltmeister fehlt dem FC Bayern München lange. Bitter zwar, aber kein Problem unlösbaren Ausmaßes. Schließlich ist Holger Badstuber endlich wieder fit. Der spanische Weltmeister Javi Martinez nähert sich immer mehr seiner alten Form und gute Nachrichten gibt es auch von Mehdi Benatia, der marokkanische Innenverteidiger hat seine gesundheitlichen Probleme überstanden und steht kurz vor einem Comeback. So las sich der Verletztenreport des Rekordmeisters in der vergangenen Woche. Doch dann erwischte es Martinez.

"Keine große Sache", erklärte Sportvorstand Matthias Sammer zwar. Aber offenbar doch so groß, dass sich die Bayern nach einem Plan B umsahen. Der sollte zwar eigentlich intern aufgearbeitet werden, aber angesichts von sechs Spielen in 29 Tagen, darunter die Champions-League-Duelle mit Juventus Turin, fand offenbar ein spontanes Umdenken statt. Trotz aller Beteuerungen - keine Notkäufe oder SOS-Verpflichtungen (O-Ton Karl-Heinz Rummenigge) - sich nicht extern zu bedienen, kommt nun Verstärkung von außen: Serdar Tasci.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Ausgerechnet Tasci, den in der Bundesliga eigentlich niemand mehr auf dem Zettel hatte. Keine große Überraschung, denn der 14-fache deutsche Nationalspieler hatte sich elegant aus dem Blickfeld der deutschen Fußball-Aufmerksamkeit entzogen. Nach sieben Jahren als Profi beim VfB Stuttgart ließ sich der 28-Jährige 2013 nach Russland transferieren, heuerte bei Spartak Moskau an, wurde nach einer schweren Verletzung zu Beginn Stammspieler und absolvierte 42 Spiele für den Hauptstadtklub - Notiz davon nahmen in Deutschland wohl nur absolute Insider. Er habe sich bewusst für den Weg entschieden, erklärte er Ende August 2013 auf der Seite des VfB Stuttgart. "Nach so vielen Jahren beim VfB möchte ich eine neue Herausforderung annehmen." Zweieinhalb Jahre später steht Tasci vor der gleichen Situation. Wieder wartet eine neue Herausforderung. Nun aber die vielleicht schwerste in seiner bisherigen Karriere.

Denn anders als sein ehemaliger Stuttgarter Klubkamerad Sven Ulreich, der sich im Sommer für die Rolle der Nummer zwei im Bayern-Kasten hinter Manuel Neuer entschied, steht Tasci sofort im Fokus. Seine Aufgabe: Den vielleicht besten Innenverteidiger der Welt, Jerome Boateng, ersetzen und den Verein auf dem Weg zum ersten Triple unter Josep Guardiola zu stützen. Dabei darf er auch in der Champions League spielen. Und die Erwartungen des Klubs an den Neuzugang sind groß: "Er ist in der Lage, uns mit seiner Qualität und Erfahrung sofort zu helfen", sagt beispielsweise Matthias Sammer. Und Unrecht hat er damit nicht.

Ein Typ nach Guardiolas Geschmack

Denn Tasci verkörpert eine Menge Eigenschaften, die sein spanischer Trainer gerne sieht: Er hat ein starkes, technisch anspruchsvolles Zweikampfverhalten, spielt kaum Fouls und hat ein sehr gutes Spielverständnis. Auch bei Joachim Löw stand er wegen diesen Qualitäten lange hoch im Kurs. Der Bundestrainer, dem immer wieder eine hohe Affinität zu schwäbischen Fußballern nachgesagt wurde, schwärmte einst: "Serdar hat viele Qualitäten, die ich sehr schätze. Vor allem hat er eine sehr gute Spielauslösung". Aktuell ist diese Begeisterung allerdings arg eingeschlafen. Seit dem 11. August 2010 hat er das Trikot mit dem Bundesadler nicht mehr getragen.

Für die Bayern ist die Situation komfortabel - für Tasci auch. In dem Druck, den beiden Seiten haben, liegt die Chance für den ehemaligen Stuttgarter. Urplötzlich steht er wieder im Schaufenster der deutschen Fußball-Öffentlichkeit, inklusive des Bundestrainers. Tasci, der noch im Januar betonte, die Nationalmannschaft und auch die Europameisterschaft nicht abgehakt zu haben, kann und will sich nun beweisen. Ausreichend Gelegenheit dürfte in der derzeit schmal besetzten Bayern-Defensive bekommen.

Gelingt es ihm an die Leistungen anzuknüpfen, die ihn in der Bundesliga zum Führungs- und Nationalspieler gemacht haben, kann sich der FC Bayern auf eine echte Alternative für die Innenverteidigung freuen. Das Risiko ist indes überschaubar. Schlägt der für 2,5 Millionen Euro ausgeliehene Tasci nicht ein, kehrt er im Sommer nach Moskau zurück. Überzeugt er die Verantwortlichen in München ist ein längeres Engagement nicht ausgeschlossen, zehn Millionen Euro soll eine Kaufoption betragen. Tasci ist entschlossen, diese Chance zu nutzen: "Ich fühle mich sehr gut und freue mich riesig auf die Herausforderung."

Quelle: n-tv.de

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