Deutscher EM-Qualifikationsgegner

Belgien sucht seine Identität

02.09.2010 | 14:38 Uhr
Die belgische Fußball-Nationalelf steckt in einer Krise. Seit Jahren schon enttäuschen die Fußballer ihr gespaltenes Land. Der x-te Anlauf soll endlich mal wieder Erfolge bringen. Ziel ist die EM 2012 in Polen und der Ukraine. Am Freitag und ist die deutsche Nationalmannschaft zu Gast.
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Versprechen keinen Sieg: Belgiens Nationaltrainer Georges Leekens und sein Assistent Marc Wilmots. (Foto: REUTERS)

Wenn Belgien eines fehlt, dann ist es so etwas wie nationaler Zusammenhalt. Regierungschef Yves Leterme fasste das ganze Übel einmal zusammen, als er sagte, die Belgier hätten im Prinzip nur drei Dinge gemeinsam: den König, einige Biersorten und die Fußballnationalelf. Seit Jahrzehnten scheint das Land wie gelähmt angesichts des politischen Dauerzwists zwischen zerstrittenen Flamen und Wallonen - und irgendwie färbt das selbst auf die Nationalelf ab. Als Identitätsstifter könnten die Fußballer auftreten, stattdessen aber scheinen auch sie sich von der Krise anstecken zu lassen.

Die angestrebte Qualifikation zur EM in Polen und der Ukraine mit dem Auftaktspiel gegen Deutschland am Freitag ab 20.45 Uhr ist der x-te Neuanlauf. Zumindest etwas Positives gibt es: Im Duell mit dem WM-Dritten hat Belgien nichts zu verlieren. "Ich verspreche nicht den Sieg, geschweige denn guten Fußball. Aber ich versichere Ihnen, dass meine Roten Teufel von der ersten bis zur letzten Sekunde kämpfen werden", sagt Nationaltrainer Georges Leekens, der bereits zum zweiten Mal im Amt ist und nun mit argen Verletzungsproblemen zu kämpfen hat: Sechs angeschlagene Spieler drohen auszufallen.

Zuletzt 2002 bei der WM dabei

Seit acht Jahren schon haben Belgiens Fußballer nichts mehr erreicht, die letzte Teilnahme an einem großen Turnier gelang bei der WM 2002. Mit jedem Monat, der seither verging, rückten die "Roten Teufel" ein Stückchen weiter weg von der großen Bühne. Inzwischen liegt Leekens Team in der Weltrangliste hinter Staaten wie Gabun und Burkina Faso auf Platz 48, irgendwo im Niemandsland.

"Was können wir tun, damit es wieder aufwärtsgeht, damit wir wieder dahin kommen, wo wir einmal waren? Was machen wir falsch? Solche Fragen müssen wir stellen", sagte der frühere Schalker Marc Wilmots dem Internetportal "fussball.de". Dabei ist es beileibe nicht so, dass der holländische Nachbar über keine guten Fußballer verfügen würde. Daniel van Buyten stand mit Bayern München jüngst im Finale der Champions League; die Youngster Marouane Fellaini (22) und Thomas Vermaelen (24) wechselten in den vergangenen Jahren für jeweils zweistellige Millionensumme in die englische Premier League.

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"Ich will ein enthusiastisches Team"

Beide gehörten auch zur belgischen U 21, die bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking Vierter wurde. Es war der einzige Höhepunkt in der jüngeren Geschichte des Verbandes. Inzwischen bildet das Nachwuchsteam von damals auch in der A-Elf den Stamm - weshalb die belgische Elf vor allem eines ist: blutjung. "Ich will ein enthusiastisches Team", sagt Nationaltrainer Leekens.

Der Jüngste, Stürmer Romelu Lukaku vom RSC Anderlecht, gilt als Hoffnungsträger. "Das ist ein ganz großes Talent, ein großer Bursche", sagt Leekens. Mit 16 Jahren schon brillierte Lukaku in der belgischen Jupiler League und hatte großen Anteil an der 30. Meisterschaft des RSC Anderlecht. Im Alter von 17 will er nun den Durchbruch schaffen - angefangen mit einem Erfolg gegen Deutschland.

30 Jahre nach dem Einzug ins EM-Finale von Rom gegen die DFB-Elf ist das belgische Bestreben nach neuen Erfolgen mächtig. Zu lange hat es nichts mehr zu feiern gegeben für die Roten Teufel, die nach dem Willen einiger Unverbesserlicher gar kurz vor ihrer Auflösung stehen. Die separatistische Partei "Vlaams Belang" forderte jüngst die Aufteilung der Nationalelf in ein flämisches und ein wallonisches Team. Eine Fußnote im Dauer-Hickhack von niederländisch sprechenden Flamen und französischsprachigen Wallonen - aber auch bezeichnend für Belgiens chronische Spaltung.

Verwendete Quellen: Michael Brehme, dpa