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Freunde fürs Leben: Michel Platini und Joseph Blatter.
Freunde fürs Leben: Michel Platini und Joseph Blatter.(Foto: picture alliance / dpa)

EM-Plan wie ein Vorschlag Gaddafis : Blatter lästert über Platini

Die paneuropäischen Fußballturniers 2020 findet Fifa-Chef Joseph Blatter eher nicht so gut. Und das sagt der Schweizer auch deutlich. Der EM fehlten Herz und Seele. Hinter der Kritik steckt aber mehr. Sie ist eine verbale Ohrfeige für Michel Platini, den Präsidenten der Uefa.

Fifa-Präsident Joseph Blatter hat die Idee von Michel Platini für eine Europameisterschaft 2020 auf dem ganzen Kontinent mit markigen Worten abqualifiziert und damit einen langen Machtkampf um den Chefposten beim Fußball-Weltverband eingeläutet. "So einer Europameisterschaft fehlen Seele und Herz", kritisierte der Schweizer den Plan einer EM in 13 Ländern. "Ein Turnier gehört in einem Land gespielt, dadurch schafft man Identität und Euphorie", sagte Blatter dem "Kicker" und fügte an: "Das Turnier 2020 hat man verzettelt."

Blatters Lästerei zu einem Thema, das ihn qua Amt eigentlich nichts angeht, kann als Kampfansage an Platini verstanden werden. Die Schwergewichte der Fußball-Funktionärswelt bringen sich seit einiger Zeit mehr oder weniger subtil für eine mögliche Kampfkandidatur um die Fifa-Führung im Jahr 2015 in Stellung. Von seiner eigenen Rückzugsankündigung aus dem Jahr 2011 ist Blatter schon lange abgerückt. Mittlerweile lässt der 77-Jährige seine beruflichen Ziele bewusst offen. "Was darf man ausschließen, wenn man nicht genau weiß, was die Zukunft bringen wird?", reagierte er auf die Frage, ob er sich wieder zur Wahl stellt.

Wenn sichergestellt sei, dass die Fifa so weitergeführt werde, wie bislang, übergebe er "das Zepter 2015 sehr gerne an einen neuen Präsidenten", betonte Blatter. Platini traut er die Leitung des Weltverbandes in seinem Sinne aber offenbar nicht zu. Fast schon süffisant kommentierte Blatter die derzeitige Kritik an seinem einstigen Intimus auf mehreren Fußball-Ebenen. "Wenn man momentan mehr über Platini spricht, soll mir das recht sein", sagte Blatter und titulierte den Franzosen als "Noch-immer-Uefa-Präsident Platini".

Uefa-Chef und Fifa-Vizepräsident Platini musste sich zuletzt immer wieder wegen seiner Nähe zum WM-Ausrichter Katar rechtfertigen. Die umstrittene Vergabe des Turniers 2022 beschäftigt die Fifa auch abseits der bedrohlichen Korruptionsvorwürfe weiterhin. Laut Blatter soll das Turnier wie geplant im Sommer stattfinden. Wegen der großen Hitze im Emirat wurde zuletzt immer wieder über eine Verlegung in den Winter diskutiert. Eine Entscheidung müsse aber erst 2016 getroffen werden, betonte Blatter. Platini hatte sich mehrfach für ein Winterturnier ausgesprochen.

Idee einer EM in vielen Ländern sei nicht neu

Blatters EM-Kritik ist Gipfel eines seit einiger Zeit schwelenden Streits zwischen Fifa und Uefa. Die von Platini initiierte Aufstockung der EM von 16 auf 24 Mannschaften wird vom Weltverband abgelehnt. Das Europa-Turnier gleicht damit vom Format zu sehr dem exklusiven WM-Turnier mit 32 Teams. Platinis Idee einer EM in vielen Ländern sei nicht neu, berichtete Blatter. 2010 habe es für das Turnier 2010 in Afrika einen solchen Vorschlag Muammar al-Gaddafis gegeben, erzählte Blatter - auch dies eine verbale Spitze gegen Platini, der sicher nicht in die Nähe des einstigen libyschen Diktators gerückt werden will.

Zuletzt war der bislang subtil geführte Machtkampf am Thema Fifa-Reformen wieder zutage getreten. Platini ließ die von Blatters Kommission erarbeiteten Vorschläge für mehr Transparenz und Demokratie im Weltverband durch Uefa-Forderungen aufweichen und demonstrierte damit auch, dass ohne die Stimmen aus dem von ihm gelenkten Fußball-Europa keine Veränderung herbeizuführen ist. Eine offizielle Bewerbung um den Fifa-Chefposten gibt es von Platini noch nicht. In Uefa-Kreisen wurde der 57-Jährige bei internen Sitzungen aber offenbar bereits direkt zu einer Kampf-Kandidatur gegen Blatter aufgefordert.

Für den deutschen Fußball hatte Blatter viele freundliche Worte parat. "Die Bundesliga ist ein Vorzeigemodell. Gerade auch im internationalen Vergleich. Ihr Aufbau, ihr Controlling, ihr Verantwortungsbewusstsein in wirtschaftlichen Fragen und ihr Zuschauerzuspruch - da muss ich sagen: Kompliment!", sagte Blatter. Obwohl bei der Fifa-Wahl zum Weltfußballer des Jahres schon lange kein deutscher unter den Top 3 stand ist die Bundesliga für Blatter vorn. "Aber würde man eine Wertung der Ligen machen, wäre Deutschland ganz oben. Weltweit genießt die Premier League im Fernsehen das höchste Interesse. Aber von der Konstanz und der Seriosität würde ich die Bundesliga auf den ersten Platz setzen."

Quelle: n-tv.de

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