Sport
Wer lügt und wer sagt die Wahrheit? Joseph Blatter und Franz Beckenbauer im Jahr 2000.
Wer lügt und wer sagt die Wahrheit? Joseph Blatter und Franz Beckenbauer im Jahr 2000.(Foto: dpa)

"Das ist ein deutsches Problem": Blatter packt zum Sommermärchen aus

Der suspendierte Ex-Fifa-Boss Joseph Blatter äußert sich erstmals zu den Vorwürfen um die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 - und widerspricht den Aussagen von Franz Beckenbauer. Die dubiose Millionenzahlung an Katar sei jetzt "ein deutsches Problem".

Ex-Fifa-Präsident Joseph Blatter wäre zu einer Aussage im Skandal um das deutsche Sommermärchen nun doch bereit. "Ich habe mich nicht geäußert, denn ich war ja der Präsident. Jetzt kann ich sagen, was ich weiß", sagte Blatter. Die Behauptung von Franz Beckenbauer, die Fifa habe im Vorfeld der WM 2006 einen Vorschuss von zehn Millionen Franken für einen späteren WM-Zuschuss verlangt, wies Blatter erneut zurück.

Video

"Solange ich in der Fifa war, hat es so etwas nicht gegeben. Das halte ich für unglaubwürdig und falsch. Das ist abstrus." Warum im Jahr 2002 dieser Betrag über die Schweiz auf dem Konto einer Firma des damaligen Fifa-Vorstandes Mohamed bin Hammam in Katar landete, kann sich Blatter nach eigener Aussage nicht erklären. "Sicher sieht das komisch aus. Aber das ist ein deutsches Problem", sagte der Schweizer.

Der 79-Jährige war laut eigener Aussage nicht in die dubiose deutsche Millionenzahlung vor 14 Jahren involviert. "Ich auf alle Fälle nicht. Ich bin nicht eingespannt gewesen", sagte der Schweizer mit Blick auf den Untersuchungsbericht der Wirtschaftskanzlei Freshfield, der am vergangenen Freitag vorgestellt worden war.

Blatter will auspacken

In der Version der damals Verantwortlichen um WM-OK-Chef Beckenbauer dienten die umgerechnet 6,7 Millionen Euro als Vorleistung, damit der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vom Weltverband Fifa einen Zuschuss in Höhe von 170 Millionen Euro bekommt. Überwiesen wurde aber an eine Firma in Katar, nicht an die Fifa.

Weil am Ende Robert Louis-Dreyfus das Geld vorgestreckt hatte, erfolgte 2005 eine allerdings absichtlich falsch deklarierte Rückzahlung an den inzwischen verstorbenen Ex-Boss des Sportartikelherstellers Adidas über den Umweg der Fifa. Von diesem Vorgang hatte Blatter Kenntnis.

Bilderserie

Blatter, der sich nicht weiter zur WM-Affäre äußerte, kündigte jedoch an, jetzt doch etwas zur Aufklärung der Affäre beitragen zu wollen. Bislang hatte der für sechs Jahre suspendierte Funktionär eine Zusammenarbeit mit Freshfields abgelehnt. "Ich wurde während der Untersuchung angefragt, aber ich war als gewählter Präsident suspendiert - deshalb habe ich damals beschlossen, mich nicht zu äußern. Wenn sie jetzt auf mich zukommen und mir Fragen stellen, werde ich Antworten geben."

Fußball ist "viel zu wichtig"

Im Falle der Aufhebung seiner Sechs-Jahres-Sperre plant Blatter allerdings keine Rückkehr als Fußballfunktionär. "In den organisierten Fußball komme ich nicht zurück", so der 79-Jährige. "Aber wenn man 41 Jahre seines Lebens im Fußball und in der Fifa verbringt, kann man ja nicht auf einmal mit dem Fußball aufhören."

Dafür sei ihm der Sport "viel zu wichtig geworden", sagte Blatter: "Wenn man den Fußball richtig lebt, dann ist Fußball eine Schule des Lebens, er bringt Emotionen und Hoffnung in diese zerrüttete Welt." Durch die Wahl von Gianni Infantino als Blatters Nachfolger sei eine "große Last" von ihm gefallen, so der Schweizer. "Ich bin sehr locker geworden. Die letzten Monate waren nicht sehr schön, aber es gab immer ein Licht. Ich habe eine Zielsetzung. Ich werde das noch beweisen können, dass man mir Unrecht getan hat."

Eine Entscheidung in der Berufungsfrage zu Blatters Fall beim Internationalen Sportgerichtshof (Cas), der auch die Sperre gegen Uefa-Präsident Michel Platini verhandelt, wird in den kommenden Wochen erwartet. Blatter selbst rechnet allerdings mit einem Freispruch und einer damit einhergehenden Aufhebung seiner Sperre.

Die Fifa-Ethikkommission hatte Blatter wegen mehrerer Verstöße für acht Jahre gesperrt. Die Berufungskommission hatte diese mit Verweis auf die großen Verdienste des Langzeit-Präsidenten Ende Februar auf sechs Jahre reduziert. Ein Freispruch durch den Cas gilt als praktisch ausgeschlossen. Spätestens bei der WM in Russland will Blatter aber in die Fußballfamilie zurückkehren. "2018 werde ich ganz bestimmt dabei sein. Es steht ja die Einladung von Staatspräsident Putin", sagte er.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen