Freitag, 04. Dezember 2009
WM-Teilnehmer Japan: "Blaue Samurai" wollen ins Halbfinale
Sie haben den besten Fußballer des Kontinents, qualifizierten sich als erstes Team Asiens und sind zum vierten Mal in Folge bei einer Endrunde dabei: Diese drei Punkte reichen in Japans Fußball, um die Bäume vermeintlich in den Himmel wachsen zu lassen.
Japan hat den besten Fußballer des Kontinents und ehrgeizige Ziele.
(Foto: ASSOCIATED PRESS)
Bei der WM 2010 in Südafrika wollen die "blauen Samurai" für Furore sorgen. "Ich will, dass meine Spieler ins Halbfinale einziehen", sagte Trainer Takeshi Okada. Die neue Hymne der Fans lautet: "Wir werden die Welt überraschen! Hip, Hip, Hurra!"
Bei genauerer Betrachtung überrascht dieser Optimismus allerdings. Denn in der Weltrangliste sind die Japaner nur 43., in der internen Rangliste der 32 WM-Teilnehmer belegen sie nur Rang 28. Nur die internen asiatischen Konkurrenten Süd- (52.) und Nordkorea (84.) sowie Neuseeland (77.) und Gastgeber Südafrika (86. ) sind schlechter platziert. Bei den WM-Endrunden außerhalb der Heimat - 1998 in Frankreich und 2006 in Deutschland - blieben die Japaner ohne Sieg, nur im eigenen Land drangen sie 2002 bis ins Achtelfinale vor. Und in der Abschluss-Tabelle der Qualifikation wurden die Söhne Nippons mit 15 Zählern letztlich nur Zweiter hinter Australien (20).
Woher also dieser Optimismus? "Der Kampfgeist der Japaner ist in Asien unerreicht", schrieb die große Tageszeitung Asahi Shimbun. Und Mittelfeldspieler Yasuhito Endo von Gamba Osaka, soeben zum besten Spieler seines Kontinents gewählt, setzt auf den asiatischen Fleiß.
Kein leichter Weg
"Wir werden sehr hart arbeiten, um noch besser Fußball zu spielen", sagte der 29-Jährige, der in Japan als Nachfolger des 2006 zurückgetretenen Volkshelden Hidetoshi Nakata gilt: "Wir sind uns alle der großen Bedeutung der Weltmeisterschaft bewusst. Daher werden wir versuchen, alle Hürden zu überwinden und den Erwartungen gerecht zu werden. Und so sagt Sturm-Hoffnung Shinji Okazaki selbstbewusst: "Wir streben nach den allerhöchsten Zielen."
Der Weg nach der WM 2006 war nicht leicht für die Japaner. Neben Nakata, der seine Karriere überraschend komplett beendete, trat 2006 auch der heutige Bochumer Shinji Ono - 2002 vor Endo bis dahin letzter Asien-Fußballer des Jahres aus Japan - aus dem Nationalteam zurückgetreten.
Der mit dem Neuaufbau beauftragte Trainer-Routinier Ivica Osim erlitt am 16. November 2007 einen Schlaganfall, lag zwei Wochen im Koma und vier Monate im Krankenhaus. Doch der Verband fand den idealen Nachfolger: Okada, der die Japaner 1998 erstmals zu einer WM-Endrunde geführt hatte und nach anfänglicher Kritik die erneute Qualifikation schaffte.
Aus der Bundesliga ist nach Onos Rücktritts nur ein Spieler ständig im Kader vertreten: Makoto Hasebe vom deutschen Meister VfL Wolfsburg. Er soll mit Endo und Shunsuke Nakamura von Espanyol Barcelona das Mittelfeld zum Prunkstück machen. Denn die Fußball-Euphorie will man in Japan möglichst lange hochhalten. 2018 oder 2022 will man nämlich erneut die WM ausrichten. Und dann nicht mehr mit Südkorea, sondern alleine.
Keijo Ishigawa, sid
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