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"Ich muss raus": Jérôme Boateng in Hamburg.
"Ich muss raus": Jérôme Boateng in Hamburg.(Foto: imago/MIS)

6 Dinge, gelernt am 18. Spieltag: Boateng hofft auf EM, der BVB ist einsam

Von Stefan Giannakoulis

Beim FC Bayern haben sie schlechte Laune, Jérôme Boateng ist verletzt, Trainer Josep Guardiola klagt. Die Dortmunder Borussia hingegen ist eine Klasse für sich, für Bremen schlägt "Fritzarro" zu und die Aufsteiger lassen nicht locker.

1. Der FC Bayern klagt sich in die Rückrunde

Eine Sache hatte sich Josep Guardiola für diese Rückrunde gewünscht: Dass sich doch bitte in diesem Jahr nicht so viele Spieler verletzen wie im vergangenen. Er hat das weniger mit Blick auf die Fußball-Bundesliga gesagt, sondern in Hinsicht auf die Champions League, die der im Sommer scheidende Trainer des FC Bayern in seinem dritten Jahr mit den Münchnern allzu gerne gewinnen möchte. Und dann verletzt sich Abwehrchef Jérôme Boateng zum Auftakt des 18. Spieltags beim mühsamen 2:1-Sieg in Hamburg. Und Guardiola redete direkt nach der Partie nicht lange drum herum: "Now wir haben ein Problem."

"Bis zur Europameisterschaft sollte es im Normalfall reichen": Jérôme Boateng.
"Bis zur Europameisterschaft sollte es im Normalfall reichen": Jérôme Boateng.(Foto: picture alliance / dpa)

Er versprach zwar auch, umgehend nach einer Lösung zu suchen und sie auch zu finden: "Wir werden trotzdem mit elf Mann antreten." Am Sonntag würden dem Tabellenführer gegen die TSG Hoffenheim mutmaßlich auch zehn Spieler reichen, um auch das zehnte Heimspiel in dieser Saison zu gewinnen. Aber perspektivisch ist der Ausfall Boatengs, von dem noch keiner genau weiß, wie lange er fehlen wird, tatsächlich ein Problem. Denn der deutsche Nationalspieler ist derjenige, der die Abwehr der Münchner lenkt und leitet - schnell wie er ist; mit dem Überblick und der Souveränität, die er hat; und mit seinen Pässen, mit denen er die Angriffe einleitet. Spätestens am 23. Februar, wenn es im Achtelfinale der Champions League zum Hinspiel bei Juventus Turin geht, könnten die Münchner ihn gut gebrauchen - zumal er nicht der Einzige im Kader des Meisters ist, der sich mit einer Muskelverletzung herumplagt: aktuell sind das Medhi Benatia, ebenfalls Innenverteidiger, Franck Ribéry und Mario Götze. Juan Bernat hat sich just wieder fit gemeldet, vor der Winterpause hatte es Diego Costa und Arjen Robben getroffen. Ist das noch normal? Sie wissen es nicht, sagen sie. Aber es sei schon so, konstatierte Thomas Müller, dass sie "die Seuche am Stiefel" hätten. Und Boateng sagte dem "Kicker": "Bis zur Europameisterschaft sollte es im Normalfall reichen. Ich muss dann aber auch erstmal wieder auf mein gewohntes Level kommen." Nicht nur für Guardiola und seinen Herzenswunsch ist das eine schlechte Nachricht.

2. Die Dortmunder Borussia ist sofort da

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In Dortmund müssen sie sich ziemlich einsam fühlen. Nach dem 3:1 bei der Namenscousine in Mönchengladbach steht die Borussia weiterhin acht Punkte hinter dem FC Bayern - und acht Punkte vor der Berliner Hertha, die auf Platz drei steht. Mit 41 Punkten nach 18 Runden ist der BVB der beste Bundesligazweite der Geschichte, so gesehen eine Klasse für sich - und kann damit offensichtlich gut leben. Trainer Thomas Tuchel sprach hinterher von einer "erwachsenen und reifen Leistung". Und das war es in der Tat. Anders als viele andere Teams waren die Dortmunder nach der Winterpause flugs wieder dort, wo sie in der Hinrunde waren. Im Grunde waren sie sogar besser, hatten sie doch ihre letzte Partie im vergangenen Jahr mit 1:2 beim 1. FC Köln verloren. Das galt insbesondere für Marco Reus, der zuletzt wieder einmal verletzt gefehlt hatte. "Ich bin sehr glücklich darüber, wie Marco aus dem Urlaub zurückgekommen ist: nämlich gesund und fit", sagte Tuchel. Zum 30. Mal seit 2012, als er von Gladbach nach Dortmund gewechselt war, erzielte Reus das 1:0. 20 Mal gelang ihm das in der Bundesliga, fünfmal in dieser Saison - auch beim 4:0 im Hinspiel. Erklären kann Reus das nicht. "Ich habe keine Ahnung. Wirklich nicht. Ich weiß nur, dass es wieder unheimlich wichtig war. Ich versuche, immer irgendwie an der richtigen Stelle zu sein."

Quiz Quiz-Elf zum 18. Spieltag
Rückrundenstart: Quiz-Elf zum 18. Spieltag

Bayern und Dortmund siegen zum Bundesliga-Rückrundenstart, natürlich. Aber wer ist die bestplatzierte Mannschaft nach dem Spitzenduo, die gewinnt? Welche unglaubliche Serie setzt sich in Köln fort? Und wie alt ist das älteste Tor der Ligageschichte, das auf Schalke fällt? Die Quiz-Elf zum 18. Spieltag härtetestet Sie.

3. Die zwei Topklubs sind zu stark für die Liga

Apropos einsam: Ganz oben steht der FC Bayern, dahinter der BVB - und dann folgt der Rest. Bleibt die Frage: Sind sie zu stark oder die anderen zu schwach? Fakt ist: Keines der acht Teams hinter dem Führungsduo gewann an diesem Spieltag. Erst der Tabellenelfte siegte, der FC Ingolstadt gegen Mainz 05. Zur Belohnung ist der Aufsteiger nun Tabellenzehnter. Besonders geärgert haben sich die Leverkusener, die sich in Sinsheim zu einem 1:1 gegen die TSG Hoffenheim mühten, die Schalker, die zu Hause den Bremern unterlagen - und die Wolfsburger, die gegen Alexander Meier, also bei Eintracht Frankfurt dank einer indisponierten Abwehr mit 2:3 verloren. Noch in der vergangenen Saison gewann der VfL den DFB-Pokal und war die klare Nummer zwei in der deutschen Fußball-Hierarchie. Und nun? Warten die Wolfsburger seit fünf Spielen auf einen Sieg. "Das geht so einfach nicht", sagte Manager Klaus Allofs in Frankfurt. "Wir haben es wie so häufig nicht zu Ende gespielt. Das geht bei einer Spitzenmannschaft wirklich nicht." Elf Zähler hat das Team von Trainer Dieter Hecking in dieser Saison nach einer Führung bereits verspielt, mit sechs Punkten stellt Wolfsburg das schlechteste Auswärtsteam der Liga. "Wir müssen das nicht schönreden. Wir haben diese Erwartungen, die nicht erfüllt werden." Sein Vorschlag: "Offenheit und Ehrlichkeit" bei der Analyse der Fehler, "aus denen wir unsere Lehren ziehen müssen".

4. Die Hertha bleibt oben - und keiner schaut zu

Stell' dir vor, die Herthaner schaffen es in die Champions League - und kaum einer schaut zu. Nun war das torlose Gekicke gegen Augsburg tatsächlich nicht dazu angetan, die Berliner an einem nasskalten und zudem nebligen Samstagnachmittag anzulocken. Aber erstens konnte das ja vorher keiner wissen und zweitens hat die Mannschaft von Trainer Pal Dardai, die nach wie vor sensationell auf Platz drei der Tabelle steht, schon ein paar mehr als die gut 35.000 Zuschauer verdient, die das Olympiastadion nicht einmal zur Hälfte füllten. "Wir sind zufrieden mit dem 0:0", sagte Dardai dennoch. Von der Königsklasse oder der Europaliga wie er nichts hören. Die verlorenen zwei Punkte nahm er auf sich: "Ich habe etwas Spritzigkeit und Aggressivität vermisst. Da muss ich in den nächsten Wochen anders arbeiten." Und die gute Nachricht ist: In zwei Wochen kommt die Dortmunder Borussia nach Berlin. Dann dürfte auch das Stadion ausverkauft sein.

5. Die Altmeister retten Werder

Altemeister unter sich: Clemens Fritz und Claudio Pizarro.
Altemeister unter sich: Clemens Fritz und Claudio Pizarro.(Foto: imago/ActionPictures)

In Bremen entwickelt Trainer Viktor Skripnik im Kampf gegen den Abstieg gerade ein Erfolgsrezept, das an die Zeiten mit Otto Rehhagel erinnert. Motto: Lasst die Altmeister mal machen. Zusammen sind Clemens Fritz und Claudio Pizarro 72 Jahre alt. Und gemeinsam sorgten sie dafür, dass der SV Werder mit 3:1 in Gelsenkirchen gewann. Viereinhalb Jahre nach seinem bis dahin letzten Treffer traf Fritz kurz vor der Pause in seinem 300. Bundesliga-Spiel zum Ausgleich. Nach der Pause bereitete der Bremer Kapitän dann den Führungstreffer des Kollegen Pizarro vor. "Wir haben jetzt natürlich ein positives Gefühl. Wir können stolz auf uns sein, wir haben gezeigt, was in uns steckt. Das war sicher eines meiner besseren Spiele", sagte Fritz, der nach der Saison seine Karriere beenden wird - und bei seinem Entschluss bleiben will. Trainer Skripnik und seine Kollegen würden ihn zwar gerne umstimmen, doch das Bemühen scheint vergeblich. "Er könnte noch solange Fußball spielen, wie er will", sagte der zwei Jahre ältere Claudio Pizarro: "Aber es ist seine Entscheidung." Bis dahin hoffen sie, dass die "Kreiszeitung Syke" noch häufiger ähnlich titeln kann wie nach diesem Wochenende: "Golden Oldies - "Fritzarro" lassen Schalke alt aussehen".

Nicht ganz so gut funktioniert Werders Rezept übrigens bei Hannover 09. Dort sind mit Trainer Thomas Schaaf und Angreifer Hugo Almeida zwei alte Bremer unter Vertrag, zusammen sind sie 85 Jahre alt. Und bei ihrem gemeinsamen Debüt für die Niedersachsen gegen den SV Darmstadt 98 lief es zunächst wie gemalt. Almeida, 31 Jahre alt, traf nach zehn Minuten zur Führung und alles schien gut. Doch dann traf Sandro Wagner, einst ebenfalls für Werder am Ball, gleich doppelt. Und Hannover steht nun auf dem letzten Tabellenplatz, die viel beschworene Aufbruchsstimmung scheint schon wieder verpufft. Doch Schaaf, ganz Psychologe, hob lieber das Positive hervor: "Wenn wir die Leistung aus der Anfangsphase über 90 Minuten zeigen, gehen wir als Sieger vom Platz - mit Sicherheit."

6. Die Aufsteiger machen weiter Ernst

Die Darmstädter hingegen lassen sich nicht beirren, erst recht nicht von den Experten, die vorausgesagt hatten, dem Aufsteiger ginge bestimmt in der Rückrunde die Luft aus. Dabei geben sie wie stets alles und greifen, wie besagter Sandro Wagner gestand, auch schon mal zur Notlüge. "Ich bin noch lang nicht bei 100 Prozent. Ich habe geflunkert, als mich der Trainer fragte, ob ich spielen könnte. Jetzt bin ich echt platt. Mir hat die Luft gefehlt, das hätte ich nicht gedacht, dass mir das so schwerfällt", sagte Wagner der "Bild"-Zeitung. Nach seinen beiden Toren, den Saisontreffern fünf und sechs, dürfte Dirk Schuster dieses Geständnis gelassen registriert haben. "Bei einigen Situationen haben wir Glück gehabt, aber wir freuen uns über den guten Start in die Rückrunde."

Ähnlich zufrieden waren die beim zweiten Aufsteiger in Ingolstadt, der ebenfalls nicht locker lässt und in der Tabelle mit zwei Punkten mehr auf Rang zehn noch zwei Plätze besser platziert ist als die Lilien. Oder wie es Trainer Ralph Hasenhüttl nach dem 1:0 gegen Mainz formulierte: "Die 23 Punkte nimmt uns keiner mehr - und weiter geht die Jagd. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns." Sein Torhüter Ramazan Özcan schätzt die Lage ähnlich ein: "Wir wissen, dass wir noch 16 Schlachten zu schlagen haben."

Quelle: n-tv.de

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