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Timo Boll wünscht sich, dass der Besitz von Dopingmitteln strafbar wird.
Timo Boll wünscht sich, dass der Besitz von Dopingmitteln strafbar wird.(Foto: dpa)

Gesetzesforderung wird lauter: Boll: "Doping ist Kriminalität"

Kurz vor der DOSB-Mitgliederversammlung bekommen die Befürworter eines deutschen Anti-Doping-Gesetzes immer mehr Zulauf. Neben Tischtennis-Star Timo Boll fordern auch Kriminologen staatliche Sanktionen. Der DOSB beschwört derweil weiter Selbstheilungskräfte des Sports.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gerät beim Thema Anti-Doping-Gesetzgebung von prominenter Seite unter Druck: Drei Tage vor der DOSB-Mitgliederversammlung in Stuttgart sprach sich nun auch Tischtennis-Rekordeuropameister Timo Boll für eine scharfe strafrechtliche Verfolgung von Dopingsündern aus. "Doping ist Kriminalität, und deswegen kann es für alle sauberen Sportler nur gut sein, wenn der Sport bei seinen eigenen Maßnahmen durch harte Strafgesetze des Staates unterstützt wird", wurde Boll in einer Mitteilung des Deutschen Tischtennis-Verbandes (DTTB) zitiert. Der 31-Jährige spreche für das gesamte Nationalteam, hieß es in dem Text weiter.

Dauerthema Doping.
Dauerthema Doping.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Zuletzt hatten immer mehr Sportler schärfere Gesetze gegen Doper gefordert. "Wer betrogen hat, für den ist kein Platz. Lebenslange Sperren bei Doping-Vergehen kann ich mir vorstellen, sogar Haftstrafen. Je höher die Strafe, desto besser für den Radsport", hatte Deutschlands Topsprinter Andre Greipel, dreifacher Etappensieger der diesjährigen Tour de France, in der vergangenen Woche erklärt.

Der Kriminologe Dieter Rössner sprach sich ebenfalls für eine schärfere Anti-Doping-Gesetzgebung in Deutschland aus. "Wenn man Doping im Spitzensport angreifen will, dann muss man Eigendoping unter Strafe stellen", sagte der Professor der Universität Marburg im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ): "Wir brauchen eine direkte Kriminalisierung des Dopings. Das wäre ein echtes Zeichen für den Spitzensport."

Schärfere Sanktionen

Auf der Mitgliederversammlung des DOSB kommt es am Samstag zu einer mit Spannung erwarteten Abstimmung. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) fordert dabei unter anderem die Erhöhung der Strafen für Dopingverstöße, die Einführung einer Kronzeugenregelung sowie die uneingeschränkte Strafbarkeit des Besitzes von Dopingmitteln.

Begrüßt wird der DLV-Vorstoß auch von der bayerischen Justizministerin Beate Merk. "Ich kämpfe seit vielen Jahren dafür, den Besitz verbotener Dopingmittel ganz klar schon vom ersten Milligramm unter Strafe zu stellen", sagte sie. Die Führungsspitze des DOSB hatte in der Vergangenheit einer verstärkten staatlichen Verfolgung von Dopern aber immer wieder eine Absage erteilt.

Konstruktive Schärfung

DOSB-Präsident Thomas Bach ist gegen ein Gesetz.
DOSB-Präsident Thomas Bach ist gegen ein Gesetz.(Foto: picture alliance / dpa)

"Innerhalb des DOSB besteht Einigkeit im Ziel der Schärfung der Werkzeuge im Kampf gegen Doping. Dazu gibt es eine Reihe konstruktiver Vorschläge. Mit diesen wird sich das Präsidium in seiner Sitzung am Donnerstag in Stuttgart befassen", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach: "In die Beratungen wird auch der umfassende Sachverständigen-Bericht der Bundesregierung einfließen. Ich gehe davon aus, dass das Präsidium der Mitgliederversammlung dann einen entsprechenden Vorschlag im Rahmen seiner Null-Toleranz-Politik gegen Doping vorlegt."

DTTB-Präsident Thomas Weikert warnte: "Es darf in der Öffentlichkeit nicht der Eindruck entstehen, dass die deutschen Sportorganisationen den Kampf gegen Doping und Drogenmissbrauch nur halbherzig führen." Dem DLV-Antrag sicherte er Unterstützung zu: "Unabhängig davon, dass am Ende über neue Gesetze die Politik entscheidet - der deutsche Sport muss jetzt ein Signal aussenden und massivere staatliche Unterstützung anfordern."

Der Sport schafft es nicht allein

Der Anwalt aus Limburg betonte darüber hinaus, dass der Sport alleine mit seinen begrenzten Ermittlungsmöglichkeiten den Kampf mit der kriminellen Energie einzelner und den dahinter stehenden professionellen Profitmachern und Netzwerken nicht erfolgreich führen könne, "wenn nicht hinter uns auch die Drohung des Gesetzgebers mit Staatsanwalt, Gericht und Gefängnis steht". Bisher läuft die strafrechtliche Verfolgung von Dopingvergehen über das 2007 verschärfte Arzneimittelgesetz.

Dabei sind aber nur der Besitz von "nicht geringen Mengen" verbotener Substanzen und der Handel strafbar, dopende Sportler unterliegen lediglich der Sportgerichtsbarkeit. An einem Evaluierungsbericht der Bundesregierung, der der bisherigen Regelung ein gutes Zeugnis ausstellt, hatte sich in der vergangenen Woche im Sportausschuss des Deutschen Bundestages ein heftiger Streit entzündet. In dem Bericht heißt es unter anderem, die Zahl der Strafverfahren sei stark angestiegen. Kritiker bemängeln jedoch, dass es sich dabei hauptsächlich um Fälle aus dem Breitensport handele. Dopende Spitzensportler seien mit den derzeitigen Regelungen nur schwer zu verfolgen.

Quelle: n-tv.de

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