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Am 20. Februar 1988 legt der SV Werder Bremen den Grundstein für die Meisterschaft. Auch in diesem Jahr könnte das Datum Historisches einläuten. Weniger Grund zum Jubeln hat indes der Herr auf dem Bild. Das ist Thomas Schaaf, der trainiert mittlerweile Hannover 96, verliert mit denen eigentlich immer, muss aber nicht zittern.
Am 20. Februar 1988 legt der SV Werder Bremen den Grundstein für die Meisterschaft. Auch in diesem Jahr könnte das Datum Historisches einläuten. Weniger Grund zum Jubeln hat indes der Herr auf dem Bild. Das ist Thomas Schaaf, der trainiert mittlerweile Hannover 96, verliert mit denen eigentlich immer, muss aber nicht zittern.(Foto: imago sportfotodienst)

So läuft der 22. Spieltag: Bremen arbeitet am Projekt Titel

Von Stefan Giannakoulis & Tobias Nordmann

Was ist eigentlich ein Gegentor? Viele Fans des FC Bayern werden das nicht mehr wissen. Zu lange ist's her. Doch damit ist jetzt Schluss! In Bremen wird der Rathausbalkon geputzt und am Rhein knallt's.

Was machen Guardiola und der FC Bayern?

Die Frage ist schnell beantwortet: Die Münchner bereiten sich auf die Partie in Turin am kommenden Dienstag vor. Dann geht es nämlich im Achtelfinalhinspiel der Champions League (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen Juventus. Der Trainer versucht derweil, wie er US-Sportsender ESPN berichtet, Hannovers Torhüter Ron-Robert Zieler zu Manchester City zu losten, also zu dem Verein, bei dem Josep Guardiola ab dem Sommer arbeitet. Fehlt noch was? Ach ja: Der FC Bayern testet an diesem 22. Spieltag der Fußball-Bundesliga gegen den SV Darmstadt 98, am Samstagnachmittag in Fröttmaning.

Hat was vor in München: Ex-Bayer und Neu-Lilie Sandro Wagner.
Hat was vor in München: Ex-Bayer und Neu-Lilie Sandro Wagner.(Foto: imago/Hartenfelser)

Wie das wohl ausgeht? In dieser Saison haben die Münchner von zehn Heimspielen zehn gewonnen. Sie schossen dabei 34 Tore und kassierten nur drei. Das bisher letzte Gegentor in der Arena datiert vom 4. Oktober, Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang erzielte es, am Ende verlor der BVB mit 1:5. Davor traf der Wolfsburger Daniel Caligiuri am 20. September, auch der VfL unterlag mit 1:5 - weil Robert Lewandowski fünfmal zuschlug. Dritter im Bunde derer, die sich rühmen können, in dieser Saison ein Tor im München erzielt zu haben, ist der Augsburger Alexander Esswein, beim 1:2 der Augsburger am 12. September gelang ihm das.

Und nun? Tippen wir auf den gebürtigen Münchner Sandro Wagner, mit sieben Treffern bester Torschütze der Darmstädter, die 17 ihrer 24 Punkte in fremden Stadien ergatterten und auf Platz drei der Auswärtstabelle stehen. Trainer Dirk Schuster kündigte an: "Wir wollen uns nicht nur einbetonieren,  sondern aus einer guter Defensive Nadelstiche nach vorne setzen." Allerdings: "Wir wissen, dass einiges auf uns zurollen wird. Da müssen wir uns ganz fest anschnallen." Mut macht ihm die das  0:1 im Pokalachtelfinale der Lilien in München Mitte Dezember. "Da haben wir ein kleines Ausrufezeichen gesetzt." Ansonsten ist es so, dass Juventus sich ebenfalls auf den Dienstag vorbereitet: Trainer Massimiliano Allegri jedenfalls kündigte an, Sami Khedira heute Abend im Spiel der italienischen Serie A beim FC Bologna zu schonen. "Wir können vor dem  Match gegen Bayern keine Risiken eingehen."

Wie läuft's bei Borussia Dortmund?

Gegen den BVB würde er wohl gerne knipsen: Stefan Kießling.
Gegen den BVB würde er wohl gerne knipsen: Stefan Kießling.(Foto: picture alliance / dpa)

Wenn der Tabellenzweite beim Tabellendritten gastiert, dann geht das als Spitzenspiel durch - auch wenn die Dortmunder vor der Begegnung am Sonntagnachmittag in Leverkusen satte 13 Punkte Vorsprung haben. Zudem fährt der BVB gerne zur Werkself: Die bisher letzte Niederlage dort datiert vom 19. Mai 2007. Seinerzeit siegte Bayer am 34. Spieltag mit 2:1, sicherte sich so die Teilnahme am Uefa-Cup - und der ewige Stefan Kießling erzielte das 1:0. Die Dortmunder hingegen landeten nur auf Rang neun, einen Platz hinter Aufsteiger VfL Bochum. Und nun? Haben beide Mannschaften den ersten Teil der ersten K.o.-Runde in der Europaliga hinter sich. Während der BVB und sein Trainer Thomas Tuchel am Donnerstag gegen den FC Porto 2:0 gewannen, gab es für die Leverkusener und Roger Schmidt bei Sporting in Lissabon, dem Tabellenführer der portugiesischen Liga, ein 1:0.

Was machen des Verfolgers Verfolger?

Die Berliner Hertha steht auf Platz vier der Tabelle nach knapp zwei Dritteln der Saison immer noch viel besser da, als alle vorher gedacht hätten. Einerseits. Andererseits hat die Mannschaft von Trainer Pal Dardai in diesem Jahr noch nicht gewonnen: 0:0 gegen Augsburg, 3:3 in Bremen nach einer 2:0-Führung, 0:0 gegen Dortmund, am vergangenen Spieltag dann ein 0:2 in Stuttgart. Das ist nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut. Will meinen: Ein Sieg am Samstag im Olympiastadion gegen den VfL Wolfsburg wäre so schlecht nicht.

Oder wie Dardai es formulierte: "Es ist ein Heimspiel, das kann man auch gewinnen." Das Problem dürfte sein, dass die Gäste vom Mittellandkanal nach dem etwas vermurksten 3:2 bei KAA Gent in der Champions League nun in der Liga Land gewinnen wollen. Platz acht ist nicht das, was Trainer Dieter Hecking, Manager Klaus Allofs und VW wollen. Das weiß auch Dardai: "Das ist ein guter Gegner, international erfahren, mit Schnelligkeit und Kreativität." Aber: "Wir sind vorbereitet." Apropos Stuttgart: Nach dem Sieg gegen die Hertha hat der VfB den Berlinern endgültig den inoffiziellen Titel als Bundesligamannschaft der Stunde abgejagt. Seit sieben Spielen ist das Team von Trainer Jürgen Kramny ungeschlagen, fünfmal hintereinander gab es einen Sieg, als einzige Mannschaft der Liga sind die Stuttgarter in der Rückrunde noch ohne Punktverlust und haben mit elf Toren häufiger getroffen als alle anderen. Nun reden sie im Ländle gar schon von der Europaliga. Sagen wir es im Konjunktiv: Gewönnen sie am frühen Sonntagabend ihre Partie auf Schalke, stünden sie nur noch drei Punkte hinter den Gelsenkirchenern und wären so dick im Geschäft wie lange nicht mehr.

Brisanz oder Langeweile - was passiert sonst noch?

Am Rhein rumort es gewaltig. Warum? Weil mal wieder Derby-Zeit ist. Und die Fans vom "Eff-Zeh" aus Köln haben die Anhänger der Borussia aus Mönchengladbach in etwa so gern wie der Vegetarier ein Steak mit Fettrand. Bedeutet im Klartext: Alarmstufe Rot. Und als ob das Signallämpchen nicht schon nicht genug leuchtet, sorgen die Kölner noch für zusätzliches Eskalationspotenzial. So wollen vom Bahnhof bis zum Stadion der "Fohlen" demonstrieren. Gegen Gängelungen und Sanktionen durch die Rechtsorgane des Deutschen Fußball-Bundes.

In Mönchengladbach möchten sie diese Burschen nicht unbedingt durch ihre Straßen laufen sehen. (Foto Archiv)
In Mönchengladbach möchten sie diese Burschen nicht unbedingt durch ihre Straßen laufen sehen. (Foto Archiv)(Foto: dpa)

Die Anwohner der Straße bis zum Borussia-Park sind "not amused". Sie fürchten um die Winterruhe ihrer Vorgärten, um ihre Hauswände, Briefkästen und Klingelschilder – trotz massivem Polizeiaufgebot. Aber auch die Fans der Borussia sind im Vorfeld des Nachbarschaftsduells nicht glücklich. Denn getreu dem Motto "In den Farben getrennt, aber in der Sache vereint", unterstützen sie den Protest des verfeindeten Lagers. Die Ultragruppe Sottocultura ruft gar zu einem Stimmungsboykott im Borussia-Park auf, weil das Gästekontingent um die Hälfte reduziert wurde und Tickets an Köln-Fans nur personalisiert abgegeben werden. Eine Choreografie werde es auch nicht geben. Droht nun ein atmosphärisches Geisterspiel trotz voller Hütte und toller sportlicher Konstellation? Kaum einer vermag das vorab einzuschätzen. Gucken wir daher aufs Sportliche. Die Gastgeber sind aus dem Tritt gekommen. Außer dem furiosen 5:1-Spektakel gegen schwache Bremer gab's nach der Winterpause kaum Erquickendes von der Schubert-Elf. Ganz anders die Kölner, die sind zum Rückrundenstart vom VfB Stuttgart zwar kalt geduscht worden (1:3-Heimpleite), haben dann aber dreimal in Serie gepunktet und liegen als Neunter nun drei Punkte hinter der Borussia.

Die Festtagsstimmung in Mainz überlebt den Karneval: Helau!
Die Festtagsstimmung in Mainz überlebt den Karneval: Helau!(Foto: imago/Revierfoto)

Noch besser als beim Effzeh läuft's beim anderen Narrenklub, nämlich dem aus Mainz. Der hat sich - wir mussten auch zweimal hinschauen - bis auf Platz sechs vorgearbeitet, distanzieren derzeit nicht nur Gladbach, sondern auch Wolfsburg. Und die Mainzer haben in bester Klopp-Tuchel-Manier mal wieder einen tollen Trainer aus dem Hut gezaubert. Der heißt Martin Schmidt und ist offenbar äußerst demütig. Das Spiel gegen Hoffenheim, die Mannschaft von Trainer-Bubi Julian Nagelsmann, erklärt der Schweizer direkt mal zum Charaktertest. Denn er weiß, dass sich der Spieler manchmal kaum vom Fan unterscheidet. Bedeutet: Spiel gegen den Letzten? Läuft schon. Ist aber nicht so, weswegen er mahnt: "Wir wollen mit Ernsthaftigkeit trainieren, dahinfahren und uns beweisen. Kriegen wir dieselbe Mentalität auf den Platz wie gegen Schalke, in Hannover und gegen Gladbach? Das wird ein Test." Ebenfalls ein Test wird für Hannover-Trainer Schaaf das Spiel gegen Klopp-berauschte Augsburger. Ein Test, ob es sich mit der Jobgarantie so verhält, wie der Name verrät: Nämlich ob der Job garantiert ist. Diesen Blankoscheck fürs Traineramt hatte Klubpräsident Martin Kind seinem Sieglos-Coach nämlich diese Woche ausgestellt, 13 Runden vor der finalen Abrechnung erklärt: "Einen weiteren Trainer-Wechsel schließe ich komplett aus. Wir gehen bis zum Ende mit Schaaf, auch wenn wir absteigen."

Für welchen Trainer wird's eng?

Pokalsieger und Absteiger? Könnte ne komische Saison für Viktor Skripnik werden.
Pokalsieger und Absteiger? Könnte ne komische Saison für Viktor Skripnik werden.(Foto: dpa)

Eigentlich würden wir hier ja an erster Stelle Thomas Schaaf führen, aber aus besagten Gründen (siehe Punkt: Brisanz oder Langeweile) bekommt der 96-Coach ab sofort Kategorienverbot! Das gilt allerdings nicht für Gelegenheitsgast Viktor Skripnik. Für den Trainer von Werder Bremen und seine Mannschaft steht am Samstag nach dem wegweisenden Heimspiel gegen Hoffenheim das nächste wegweisende Spiel an. Sollte der Tabellen-16. in Ingolstadt nicht verlieren – was dem Punktkonto im Kerngeschäft Bundesliga durchaus gut täte - gibt's am Ende der Saison einen Titel und eine – wir stellen sie jetzt einfach mal aus – Jobgarantie für den ukrainischen "Viktory". Der Titel wird zwar nicht Deutscher Meister lauten, aber im Pokal könnte der DFB den Pott bereits reisefertig für Bremen machen. Sie halten uns für verrückt? Moment! Werder-Fan TUDDI hat statistisches Datenmaterial ausgegraben, das unsere These auf ein unerschütterliches Fundament stellt. IMMER, wenn Werder am 20. Februar mit einem oder mehr Punkten vom Feld ging, gab es für den Klub am Ende der Saison einen Titel:

  • 1965: Werder - Hannover 3:0 (Deutscher Meister)
  • 1988: Werder - Kaiserslautern 0-0 (Deutscher Meister)
  • 1999: Nürnberg - Werder 1-1 (Deutscher Pokalsieger)

Deutlich wackeliger steht's indes um den Stuhl von Armin Veh in Frankfurt. Der hat zuletzt deutlich an Standfestigkeit verloren. Bis auf Platz 15 ist die Eintracht abgerauscht. Der Trainer attestiert seinem Team zwar ein hohes Maß an Leidenschaft: "Wir wollen zu viel und spielen dann zu wenig mit Kopf und Sachlichkeit." Doch die Zahlen sind alarmierend. Die Frankfurter haben fünf Punkte weniger auf dem Konto als nach 21 Spielen der Saison 2010/2011. Damals folgte der vierte und bislang letzte Bundesliga-Abstieg des Traditionsklubs. Immerhin gibt's mittlerweile die Relegation. Und mit der kennt sich Eintrachts nächster Gegner, der HSV, bestens aus. Der weigert sich in dieser Saison zwar beharrlich dort Platz zu nehmen, als Tippgeber für ein erfolgreiches Absolvieren der Saisonverlängerung stehen Bruno Labbadia und Co. aber sicher gerne bereit.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Wichtig ist, dass die Spieler ausgeschlafen zum Training kommen. Und nicht neue Schuhe ausprobieren oder gemeinsam zum Friseur gehen, um sich ihre Haare aufstellen zu lassen." So stellt sich der Mainzer Trainer Martin Schmidt die ideale Vorbereitung aufs Spiel bei der TSG Hoffenheim vor.

Quelle: n-tv.de

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