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Ohne ihren Kapitän treten die DFB-Kicker in Berlin gegen England an.
Ohne ihren Kapitän treten die DFB-Kicker in Berlin gegen England an.(Foto: imago/Schüler)

"Gut bestückt" gegen England: DFB-Elf vermisst Schweinsteiger - ein wenig

Von Stefan Giannakoulis, Berlin

In aller Freundschaft trifft die Fußball-Nationalelf auf England und Italien. Mit der EM hat das noch nicht allzu viel zu tun, Toni Kroos aber sagt: "Wenn wir schon da sind, wollen wir auch gewinnen." Und Thomas Müller? Wagt einen Scherz.

Ach, die Sicherheit. Thomas Müller mochte nicht so recht darüber sprechen. Was soll er auch sagen? Er ist Fußballspieler, "ein normaler Bürger" - und kein Terrorexperte. "Im Moment ist schon einiges los in der Welt, was nicht ganz so lustig ist." Grundsätzlich fühlten sich er und seine Kollegen von der deutschen Nationalmannschaft gut betreut. "Da gibt es keinen Zweifel, dass da gut gearbeitet wird. Ich versuche, mich da nicht negativ beeinflussen zu lassen." Und sein Kollege Toni Kroos assistierte: "Man kann im Endeffekt nicht alles verhindern, es kann überall etwas passieren - das gilt nicht nur für die EM."

Im Schatten des Terrors: Bundestrainer Joachim Löw muss mit seinem Team unter erschwerten Bedingungen trainieren.
Im Schatten des Terrors: Bundestrainer Joachim Löw muss mit seinem Team unter erschwerten Bedingungen trainieren.(Foto: imago/Matthias Koch)

Die Europameisterschaft in Frankreich, darum geht es in diesem Jahr. Das Turnier beginnt für die deutsche Mannschaft in gut zehn Wochen am 12. Juni in Lille im Stade Pierre Mauroy mit der Partie gegen die Ukraine. Und bevor Bundestrainer Joachim Löw am 17. Mai seinen vorläufigen Kader benennt, probt die DFB-Elf schon einmal ein wenig den Ernstfall und spielt an diesem Samstag (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) im Berliner Olympiastadion gegen England und am Dienstag drauf in München, ebenfalls in aller Freundschaft, gegen Italien. Worum geht es genau? Löw hat das in dieser Woche so formuliert: "Es ist sehr gut, dass wir uns seit längerer Zeit wieder einmal mit der Mannschaft treffen."

"Bilder von Frankreich im Sinn"

Doch in Zeiten des Terrors mag sich kaum einer unbeschwert auf diese Partien freuen, so groß die Wiedersehensfreude auch sein mag. Bei den Anschlägen in Brüssel sprengten Attentäter am Dienstag auf dem Flughafen und in einer Metro-Station mindestens 31 Menschen in den Tod, mehr als 270 sind verletzt. "Das ist schrecklich", sagte der Bundestrainer. "Das kommen einem noch einmal die Bilder von Frankreich in den Sinn." Mitte November vergangenen Jahres hatte er seine Eleven zuletzt beisammen. Sie spielten am Freitag, den 13., im Stade de France, während Terroristen in Paris 130 Menschen töteten. Die Partie vier Tage später gegen die Niederlande in Hannover sagten die Behörden kurz vor dem Anpfiff ab, angeblich hatte der israelische Geheimdienst vor Anschlägen gewarnt. Eine ungute Klammer, die die Treffen der Nationalelf zusammenhält.

Da klingt es fast trotzig, wenn der Bundestrainer sagt: "Aber wir lassen uns davon nicht beeinflussen." Für die Begegnungen mit England und Italien gelte: "Wir haben uns bewusst schwere Gegner ausgesucht, das sind keine normalen Freundschaftsspiele." Das ist vielleicht etwas zu viel der Bedeutung, aber immerhin sind die erstarkten Engländer souverän durch die Qualifikation für die EM marschiert. Und die Spiele zwischen Deutschland und England haben eine gewisse Tradition, manche nennen sie Klassiker.

"Mit dem Turnier hat das nichts zu tun"

Also sagte Müller das, was sein Chef auch schon betont hatte: "Die Gegner sind gut, das wollen wir auch so." Er sagte aber auch: "Ob es jetzt gut oder schlecht ausgeht - mit dem Turnier hat das nichts zu tun." Der Wert eines Fußballspiels bemisst sich halt immer noch daran, um wieviel es geht. Kroos hat dann aber noch schnell beteuert: "Wenn wir schon da sind, wollen wir auch gewinnen."

Am Ende dieser kleinen Fragerunde in einem Berliner Autohaus hat Müller dann doch noch einen kleinen Scherz gewagt, als es nicht mehr um die innere Sicherheit, sondern um Fußball ging. Auf die Frage, wie sehr er den verletzten Kapitän Bastian Schweinsteiger vermisse, lobte er zunächst seinen ehemaligen Mitspieler beim FC Bayern als einen, der mit seiner Erfahrung schon noch wichtig für die Mannschaft sei. Auch Kroos unterstrich: "Seinen Wert für die Mannschaft hat er oft genug unter Beweis gestellt. Andererseits werden es jetzt nicht die ersten Spiele ohne Basti sein, wir werden das irgendwie auffangen." Oder wie Müller es ausdrückte: "Wir haben ein sehr gut bestücktes Team." Nach einer kurzen Pause schob er nach: "Also Fußballerisch gesehen."

Quelle: n-tv.de

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