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Die WM 2006 haben sie organisiert. Die Frage ist nur, wie: Franz Beckenbauer und Fedor Radmann.
Die WM 2006 haben sie organisiert. Die Frage ist nur, wie: Franz Beckenbauer und Fedor Radmann.

Beckenbauer, Radmann & Co.: DFB fordert in WM-Affäre 6,7 Millionen Euro

Von Stefan Giannakoulis

Die Summe ist bekannt, die Umstände ihrer Zahlung sind dubios: Warum überweisen die Organisatoren einer Fußball-WM Geld an die Fifa? Der DFB jedenfalls will nun genau diese Summe von denen, die für das Turnier 2006 verantwortlich waren.

Fedor Radmann, einst Vizepräsident des Organisationskomitees für die Weltmeisterschaft 2006, soll dem Deutschen Fußball-Bund im Zusammenhang mit der WM-Affäre 6,7 Millionen Euro zahlen. Zumindest hat der DFB, wie die "Bild"-Zeitung berichtet, ihn aufgefordert, das zu tun. Innerhalb von 20 Tagen möge der Vertraute Franz Beckenbauers, einst Organisationschef, das Geld überweisen. Dieses Vorgehen und auch die Frist sind Teil eines Betreibungsverfahrens in der Schweiz, wo Radmann wohnt. Der DFB als gemeinnützige Organisation will so die Verjährung möglicher Ansprüche gegen Radmann verhindern.

"Es geht auch in diesem Fall darum, Rechtspositionen zu erhalten", zitiert die Zeitung einen DFB-Sprecher: "In der Schweiz geschieht dies durch das Betreibungsverfahren. Die dazu notwendigen Schritte haben wir fristgerecht eingeleitet." Wie Radmann mittlerweile der Deutschen Presse-Agentur sagte, ist nicht nur er mit dieser Zahlungsaufforderung des DFB in Höhe von 6,7 Millionen Euro konfrontiert. "Mir ist bekannt, dass das jeder bekommen soll oder schon bekommen hat. Alle." Also auch Beckenbauer, der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger, sein inzwischen zurückgetretener Nachfolger Wolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt, ehemaliger Generalsekretär des DFB.

"Das wird vollkommen ins Leere laufen"

Für Radmann aber steht fest: "Das ist hanebüchen und bar jeder Grundlage." Er werde nicht zahlen, sagte er dem Sportinformationsdienst. "Völlig absurd! Ich habe das selbstverständlich sofort abgelehnt." Das Schreiben vom Betreibungsamt habe er am 8. Januar erhalten - und sofort reagiert, sagte Radmann. "Jetzt muss der DFB beweisen, dass er überhaupt eine berechtigte Forderung hat. Dafür gibt es aber null Anlass. Ich werde ja juristisch beraten, die lachen noch nicht mal mehr darüber, sondern machen sich darüber nur noch lustig. Das wird vollkommen ins Leere laufen."

Und stets geht es um diese ominösen 6,7 Millionen Euro. Da war doch was. Genau: Das Magazin "Der Spiegel" hatte im Oktober aufgedeckt, dass der DFB just diese Summe vor der WM 2006 in Deutschland auf ein Konto des Weltverbands Fifa geleitet hatte. Der Verband hatte danach die Überweisung vom April 2005 bestätigt. Die Zahlung an die Fifa hatte der DFB als Beitrag für eine WM-Eröffnungsgala verschleiert, die letztlich niemals stattgefunden hat. Das klingt dubios, ist aber noch viel dubioser. De facto habe der DFB das Geld nämlich überwiesen, um ein Darlehen des früheren Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus aus dem Jahr 2002 zu tilgen. Den Kredit über 6,7 Millionen Euro habe Dreyfus, wie Beckenbauer erzählt, als Vorleistung an die Fifa überwiesen, um dem Organisationskomitee einen noch höheren Zuschuss des Weltverbandes zur WM zu sichern.

Aber warum will die Fifa offiziell davon nichts wissen? Wo ist das Geld gelandet? Und warum soll Radmann genau diese Summe nun an den DFB zahlen? Fragen über Fragen, Antworten gibt es bisher nur bedingt. Anwälte der Kanzlei Freshfields beschäftigen sich seit Monaten im Auftrag des DFB mit dem dubiosen Millionen-Deal. Es besteht der Verdacht, dass der Verband Hinweise auf korrupte Vorgänge vor der Vergabe der WM 2006 systematisch vertuscht haben soll, wie unter anderem die "Süddeutsche Zeitung" berichtete. Am 4. März will die Kanzlei ihren Bericht veröffentlichen. Und der DFB sichert sich schon einmal ab. Die Interimspräsidenten Rainer Koch und Reinhard Rauball waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen, das Betreibungsamt in Radmanns Wohnort Teufen gibt keine Auskunft. Und für Radmann selbst gilt: "Ich habe null Verständnis für das Handeln dieser so klugen Herren beim DFB." Niemand habe mit ihm vorab gesprochen oder Kontakt gesucht.

Quelle: n-tv.de

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