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Quälend war's: Stefan Effenberg.
Quälend war's: Stefan Effenberg.(Foto: imago/Jan Huebner)

Effenbergs Entlassung gut für beide: Das Ende einer Paderborner Peinlichkeit

Ein Kommentar von Tobias Nordmann

Nun ist er endlich weg: Stefan Effenberg ist seit kurz nach Mitternacht nicht mehr Trainer des SC Paderborn. Endlich, weil damit ein bizarrer Schlingerkurs des Vereinspräsidenten endet, der am Ende nochmal eine wilde Wendung nimmt.

Gut, dass dieses Theater endlich vorbei ist. Stefan Effenberg und der Fußball-Zweitligist SC Paderborn haben ihre erfolglose Verbindung nach nur 141 Tagen aufgelöst. Für beide Seiten muss es nach dem - wohl eher kurzen - Trennungsschmerz eine Erleichterung sein. Für den Verein, weil er sich nun keine Sorgen mehr machen muss, von Skandalmeldungen der Boulevard-Zeitungen überrascht zu werden. Und für Effenberg, weil er nun Gewissheit hat und sich nicht jede Woche aufs Neue irgendwo zwischen Jobgarantie und Ultimatum bewegt. Das Paderborner Possenspiel endet allerdings mit einer neuen peinlichen Pointe.

"Wir drohten zum SC Effenberg zu degenerieren. Diese Hollywood-Welt steht uns nicht so gut zu Gesicht", sagte Vereinspräsident Wilfried Finke. Ach. Der polarisierende Tiger im beschaulichen Ostwestfalen. Da trafen zwei Welten aufeinander, die nicht zusammen wollten. Mit Effenberg kamen die Schlagzeilen. Und mit den Schlagzeilen die schlechte Laune. Denn die sportlich dürftige Bilanz des Trainer-Novizen wurde regelmäßig noch von Meldungen überschattet, die das Image des Vereins ankratzten. Da war die "Penis-Affäre" im Winter-Trainingslager. Da war der Führerschein-Entzug. Und dann war da diese Woche noch die Nachricht über die nun nicht mehr gültige Lizenz des Trainers Effenbergs.

"Ich konnte es nicht mehr ertragen"

All das, so erklärte Finke, habe ihn dazu bewogen, das Kapitel nach knapp fünf Monaten zu beenden. Den Kollegen der "Bild" hatte er zuvor schon gesagt: "Ich konnte es zum Schluss nicht mehr ertragen, wie der Verein dastand." Nun ist es das gute Recht eines Klubchefs, den Trainer zu entlassen. Aber diese Art der Entlassung lässt den Verein alles andere als professionell dastehen. Aus mehreren Gründen.

Dass die Verpflichtung von Stefan Effenberg polarisieren würde, das war so sicher wie das in Paderborn bestens bekannte "Amen" in der Kirche. Wenn Finke nun also sagt, er habe unterschätzt, welche Präsenz die Personalie mit sich bringt, dann wirkt das reichlich blauäugig. Was genau hat sonst den Ausschlag pro Effenberg gegeben? Sein sportliches Portfolio? Wohl kaum, denn das hatte bis 13. Oktober 2015 keinen praktischen Nachweis zu bieten. Natürlich wurde Effenberg verpflichtet, um Aufmerksamkeit zu erzeugen - andere Lösungen wären möglich, aber in ihrer Farbausprägung deutlicher grauer gewesen.

Aber nicht allein diese fatale Fehleinschätzung der Wirkkraft der Effenberg-Verpflichtung lässt Finke in dieser Situation überfordert zurück. Sein Schlingerkurs in den vergangenen Wochen war nicht nur für den Trainer, auch für die Fans unerträglich: Im Herbst der Heilsbringer, Ende Januar dann hart gezählt und schließlich Mitte Februar Jobgarantie selbst bei Abstieg. Ein klarer Kurs? Nicht zu erkennen. Und nun die Entlassung ausgerechnet nach dem Punktgewinn in Karlsruhe (0:0). Warum sagt Finke eigentlich nur ganz nebenbei, was wirklich jeder versteht: "Die sportlichen Ergebnisse haben nicht gestimmt." Alles andere war vorsehrbares Beiwerk - schon im Oktober.

Quelle: n-tv.de

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