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Privatmann: Sebastian Kehl muss sich jetzt wieder um Alles selbst kümmern.
Privatmann: Sebastian Kehl muss sich jetzt wieder um Alles selbst kümmern.(Foto: picture alliance / dpa)

Vom Fußball-Profi zum Normalo: Das Karriereende birgt viele Tücken

Viel Geld in jungen Jahren, Ruhm und Bewunderung: Für Fußball-Profis endet mit der aktiven Karriere oftmals schlagartig auch das Dasein als Star. Für die meisten ist der Fußball das Thema ihres Lebens und so sind die Wege zu neuen Aufgaben nicht weit.

Einen Moment lang überlegte Sebastian Kehl. Sollte er seine alten Kollegen von Borussia Dortmund nicht zum Trainingsauftakt besuchen? Sich als Kiebitz unter die Zuschauer mischen und sich dabei schon mal an die neue Rolle gewöhnen? Er verwarf den Gedanken. "Ich wollte nicht, dass jemand denkt: Guck mal, der kann nicht loslassen", sagte der ehemalige BVB-Kapitän jüngst im bemerkenswert offenen Interview mit der "Zeit". Das Loslassen nach der Karriere, der Umstieg in ein "normales" Leben - für viele Fußballprofis ein schwieriger Schritt.

"Natürlich verlässt der Sportler erst einmal seine bekannten Strukturen. Das ist ähnlich wie der Übergang in den Ruhestand. Es ist völlig normal, dass das verunsichern kann", sagte Diplom-Psychologin Kareen Klippel vom Portal sportpsychologe.de: "Vereinfacht werden könnte der Übergang, wenn das Leben des Sportlers auf mehreren Säulen fußt und nicht nur auf der Säule des Fußballs." An Geld mangelt es den meisten nicht, wohl aber an Erfahrungen im "normalen" Leben. Im Alltag zurechtzukommen, Überweisungsträger statt Autogrammkarten zu unterschreiben, ist für viele zumindest ungewohnt. "Das Leben und das, was sie bisher stark ausgemacht hat und worüber sie sich vielleicht hauptsächlich definiert haben, verändert sich. Es muss herausgefunden werden, wer sie neben dem Profisport sind."

Viele bleiben in der Branche

Viele wählen den kurzen Weg und bleiben dem Sport erhalten - Simon Rolfes ist einer von ihnen. Der Leverkusener, der ebenfalls im Sommer aufgehört hat, betreut Sportler bei der Karriereplanung. Damit beschäftigt sich HSV-Torhüter René Adler schon jetzt. Er will Sportmanager werden, auch im Hamburger Trainingslager in Belek waren ihm Lehrbücher ständige Begleiter. "Gut ist es, den Übergang sorgsam zu planen und auch mithilfe weiterer Personen zu erarbeiten, wie es nach dem Karriereende weitergehen soll", erklärte Klippel.

Etliche Ex-Profis wechseln die Seite, statt als Sportler stehen sie nun als TV-Experten vor der Kamera. Marcell Jansen, 30 Jahre alt, ist die jüngste Verstärkung beim Bezahlsender Sky. Seit längerer Zeit arbeiten dort Christoph Metzelder, 35, Patrick Owomoyela, 36, Dietmar Hamann, 42, und Lothar Matthäus 54 Jahre alt. Oliver Kahn, 46, und Mehmet Scholl, 45 Jahre alt, gehören zum festen Personal der öffentlich-rechtlichen Sender ZDF und ARD. Hoch im Kurs stehen auch Trainerscheine, so soll WM-Held Miroslav Klose nach seiner Karriere zunächst im Jugendbereich des Deutschen Fußball-Bundes einen Platz finden.

Ex-Nationalstürmer Patrick Helmes, 31 Jahre alt, wurde im Sommer von chronischen Hüftbeschwerden zum ungeplanten Karriereende gezwungen.  Mittlerweile ist er beim 1. FC Köln Co-Trainer der zweiten Mannschaft. Auch der Bremer Kapitän Clemens Fritz soll Werder erhalten bleiben. Nach einer einjährigen Auszeit beginnt Fritz 2017 ein Trainee-Programm bei den Norddeutschen. Es gibt aber auch andere Beispiele: So arbeitet Nico Patschinski - 39 Jahre alt und einst beim FC St. Pauli aktiv - mittlerweile als Bestatter, der Dortmunder Knut Reinhardt, 47 Jahre alt, als Grundschullehrer. Für Sebastian Kehl, der im Februar 36 Jahre alt wird, stand erst mal eine Pause an. Er nahm sich bewusst Zeit, machte eine Weltreise. Erstmals hatte er keinen Termindruck und keinen Trainingsplan - den 4:0-Sieg seiner Ex-Kollegen zum Saisonauftakt gegen Borussia Mönchengladbach verfolgte er von Hawaii aus. "In dem Moment wurde mir klar: Jetzt ist es wirklich vorbei. Dieses Adrenalin wirst du so nicht mehr spüren", sagte er.

Kehl hat ein Studium begonnen, und aus seinem gewohnten Satz "ich bin Fußball-Profi" bei der Vorstellung ist mittlerweile "ich bin ehemaliger Fußball-Profi" geworden. Bei der Europäischen Fußball-Union belegt er den Sportmanager-Studiengang, der ehemalige Nationalspieler weiß eben, dass es nach der Karriere weitergehen muss. "Der Ball rollt weiter. Jeder ist ersetzbar", sagte er. Ihm sei das bewusst gewesen, doch "viele Fußballer begreifen das nicht oder zu spät. Es kommt der Tag, an dem das Leben als Berufsfußballer mit all den Vorteilen vorbei ist. Das Flutlicht geht aus, und du musst mit dir selbst weiterleben."

Quelle: n-tv.de

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