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Champions: Die Münchner David Alaba und Robert Lewandowski.
Champions: Die Münchner David Alaba und Robert Lewandowski.(Foto: imago/Ulmer)

Sechs Lehren des 19. Spieltags: Der HSV will das Relegations-Triple

Von Tobias Nordmann und Christoph Wolf

Der FC Bayern sucht seine Tratschtante und lebt deutsche Handball-Tugenden. Bremen auch, allerdings unter einem speziellen Motto. Der BVB adoptiert den Bayern-Dusel, Hamburg greift unten an - und H96 hat eine Ballphobie.

1. Die Bayern haben das Herz einen Champions

Man, was waren sie vor diesem 19. Spieltag angespannt beim FC Bayern München. Nun, dass hatte jetzt allerdings weniger mit dem Gegner aus Hoffenheim zu tun, als mit der eigenen Verfassung. Denn die war in den vergangenen Tagen, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung, nicht besonders gut. Eine teaminterne Tratschtante hatte geplaudert und den Medien gesteckt, dass die Stimmung zwischen Coach Josep Guardiola und einigen Spieler ziemlich verdorben sei. Hinzu kam die Nachricht der schweren Verletzung von Weltmeister Jerome Boateng und wenige Tage später der nächsten Nackenschlag: Auch Javi Martinez kann vorerst nicht mitspielen. Die Abwehr also arg ausgedünnt, weil auch schon Mehdi Benatia seit Wochen fehlt. Grund zur Sorge also. Denkste! Die Bayern reagieren kühl, wie ein echter Champion. Dabei nehmen sie Anleihe bei den so erfolgreichen deutschen Handballern: Statt zu lamentieren, wird ein Plan B erarbeitet. Und der geht auf. Die Hoffenheimer werden mit einer couragierten, nicht spektakulären Leistung dominiert und punkt- und torlos zurück in den Kraichgau geschickt. Die Dreierabwehrkette bilden mit Kimmich, Alaba und Badstuber zwei Mittelfeldspieler und ein Verletzungsweltmeister, Robben wirbelt wieder auf Rechtsaußen, Lewandowski staubt in der Mitte zweimal ab. Das Spiel endet 2:0, der Vorsprung auf den BVB beträgt weiter acht Punkte und beim Rekordmeister haben sie nach dem nächsten erfolgreichen Triple-Schritt wieder Ruhe - zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung.

2. Der BVB duselt wie die Bayern

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Er ist in der Bundesliga so legendär, wie gefürchtet: der Bayern-Dusel. Für alle jene, die ihn nicht kennen, hier eine kurze Einführung: Egal wie schlecht die Elf aus dem Süden auch spielt, sie gewinnt. Entweder weil der Gegner am Ende doch zu dusselig ist, oder weil der Schiedsrichter es gut mit dem Rekordmeister meint. Das ist doch unfair, finden sie unter anderem in Dortmund. Sie wollen auch von dieser Glücksqualität partizipieren. Und gegen Aufsteiger Ingolstadt bekommt der BVB dann auch eine ordentliche Portion Bayern-Dusel serviert. Gleich dreimal hat die Elf von Thomas Tuchel den Papst in der Tasche: Ein möglicher Elfmeter von Mats Hummels wird nicht gegeben, ein Eigentor von Hummels findet ebenfalls keine Anerkennung und zu allem Überfluss ist das Führungstor der Schwarzgelben durch Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang auch noch Abseits. Die Ingolstädter toben, der BVB zeigt Verständnis. Was es bringt? Nichts, der BVB siegt und hält den Rückstand auf das Dusel-Vorbild einstellig.

3. Auch der Hamburger SV will ein Triple

Die Meisterschaft von HSV-Coach Bruno Labbadia ist und bleibt die Relegation.
Die Meisterschaft von HSV-Coach Bruno Labbadia ist und bleibt die Relegation.(Foto: REUTERS)

Am 19. Dezember war die Welt beim Hamburger SV noch in Ordnung, auch wenn die Mannschaft zuhause gerade mit 0:1 gegen den FC Augsburg verloren hatte. Mit 22 Punkten ging's in die Winterpause, ohne berechtigte Ambitionen nach oben, aber eben auch ohne große Sorgen nach unten. Einen Monat und ein paar Tage später sieht die Welt an der Elbe wieder ganz anders aus, fast so wie meistens in den letzten Jahren. Der Klub steht immer noch bei 22 Zählern und nach der fürchterlichen Leistung in Stuttgart spukt schon wieder das Relegationsgespenst durch die Köpfe der Hanseaten, die bei einem erneuten Saisonende ein seltenes Triple vollendet hätten. Coach Bruno Labbadia hat das registriert, empfiehlt seiner Mannschaft daher: "Wir dürfen uns nicht durch Angst leiten lassen." Leichter gesagt als getan. Denn in allen Mannschaftsteilen stimmte es bei der 1:2-Niederlage in Stuttgart nicht. "Der HSV war hinten ein vogelwilder Haufen", urteilte Fußball-Legende Lothar Matthäus bei Sky. Aber auch vorne fehlt es derzeit an Durchschlagskraft. Das war schon zum Rückrundenauftakt gegen die Bayern so und gegen den VfB noch viel schlimmer. Deswegen kommt jetzt Support von außen. Kurz vor Transferschluss zieht es den Gladbacher Josip Drmic an die Elbe. Er kommt mit der Empfehlung von 13 Ligaspielen, einem Tor und einem "Kicker"-Notenschnitt von 4,33 …

4. Schalke nimmt Druck vom Kessel

Ähnlich schlecht wie beim FC Bayern war die Stimmung vor dem Spieltag beim FC Schalke 04. Doch nach 90 Minuten solidem Fußball-Handwerk und einem 2:0-Erfolg in Darmstadt, hellt sich die Miene im Pott wieder auf. Nur nicht beim Trainer. Denn von einer großen Erleichterung oder gar Genugtuung war bei André Breitenreiter nicht viel zu sehen. Der Trainer tat so, als hätten dieser Erfolg und die heftigen Diskussionen um seine Arbeit nichts miteinander zu tun. Hat die Mannschaft die richtige Reaktion gezeigt? "Der Sieg war deshalb wichtig, weil wir letzte Woche gegen Bremen drei Punkte liegen gelassen haben", sagte er. Sieht er seine eigene Position nun wieder gestärkt? Darum sei es nie gegangen. Der einzige, der zu dem angeblich belasteten Verhältnis zwischen Spielern und Trainer klar Stellung bezog, war der nie um solche Aussagen verlegene Johannes Geis. "Wenn man sieht, wie wir heute gespielt haben, erübrigt sich die Diskussion", sagte der Mittelfeldspieler. "Jeder tritt für jeden ein. Der Trainer erreicht uns. Wenn er uns nicht erreichen würde, hätten wir heute nicht so ein Spiel abliefern können. Wir können stolz auf uns sein." So einfach ist Fußball.

5. Hannover hat eine Ballphobie

Hannover 96 ist auch unter Thomas Schaaf Ballaballa.
Hannover 96 ist auch unter Thomas Schaaf Ballaballa.(Foto: imago/Norbert Schmidt)

Ganz oben in der Tabelle, da langweilen sich der FC Bayern im Erfolg und der BVB im Bayern-Dusel. Unten aber brodelt es, genauer gesagt schon in der Mitte, ab dem FC Ingolstadt ab Platz 10. Dort beginnt die Abstiegszone, dort herrscht Überlebenskampf, dort hat es sich der Hamburger SV wieder gemütlich gemacht – und dort ist Hannover 96 der Blinde unter den Fußballeinäugigen. Indiz 1: Die Abwehr der H96 widerspricht mit ihrem kollektiven Versagen wiederholt sämtlichen Handlungsanweisungen, wie sich in der Bundesliga Tore verhindern lassen. Indiz 2: Retter-Trainer Thomas Schaaf widerspricht dem nicht – aber er widerspricht sich selbst. Nachdem seiner Hannoveraner die 1:2-Heimpleite zum Rückrundenstart gegen Darmstadt durch ein 0:3 in Leverkusen veredelt hatten, sagte Schaaf: "Natürlich sind wir enttäuscht über das Ergebnis. Aber die Entwicklung ist da." Welcher Art diese Entwicklung sein soll? Da zeigte sich Schaaf dann schon überfragt. Beim vorläufigen Fazit seiner noch ebenso kurzen wie erfolglosen Amtszeit in Hannover dürfte einigen H96-Fans vor Schreck das Hörgerät aus dem Ohr purzeln, Schaaf findet nämlich: "Das Problem ist, dass wir noch nicht herausgefunden haben,  was mir mit dem Ball machen sollen, wenn wir ihn haben." Deshalb mal zwei Tipps: Ballbesitz in der Abwehr – raushauen. Ballbesitz im Sturm – reinhauen.

6. Jugend forsch, Alter trifft

Das Bundesliga-Äquivalent zu den deutschen Handballern ist in dieser Saison … Werder Bremen! Nicht erfolgstechnisch, wobei es jedem Werder-Sympathisanten freisteht, diesem Satz trotz Rang 16 nach 19 Spieltagen selbstbewusst ein "noch" voranzustellen. Sehr wohl aber alterstechnisch. Werder-Coach "Viktory" Skripnik kann ein gewisses Faible für die Jugend nicht abgesprochen werden. Das war nicht immer so an der Weser. Als "König Otto" dort noch regierte, standen reife Fußballer in Bremen höher im Kurs als potenziell frühreife. Das könnte zumindest für die restliche Saison wieder so werden, die vier Punkte zum Rückrundenstart verdankt Bremen in erster Linie seinen Routiniers. Auf Schalke spielte der 35-jährige Clemens Fritz mindestens so frisch und unbekümmert auf wie ein 33-Jähriger und belohnte sich nach – gefühlt - zwei torlosen Bundesliga-Jahrzehnten mit einem Tor und zwei Vorlagen, darunter eine für den 37-jährigen Claudio Pizarro – womit dieser 72 Jahre junge Treffer als ältestes Tor der Ligageschichte in die Rekordbücher Eingang fand. Viel mehr gelang Bremen zwar nicht auf Schalke, zum Sieg reichte es trotzdem. Auch gegen Hertha stümperte Bremen lange über den heimischen Rasen, wie es sich für die schlechteste Heimmannschaft der Liga halt gehört. Bis die große Stunde von Pizarro schlug, die im fortgeschrittenen Alter bisweilen auch nur zwei Minuten dauert. Die reichten ihm aber, um aus dem 1:3 ein 3:3 zu machen. Getreu dem neuen Bremer Motto: Jugend forsch, Alter trifft.

Quelle: n-tv.de

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